# taz.de -- Stabilere Windkraftausbeute: Windenergie aus 365 Metern Höhe
       
       > In Schipkau ist die höchste Windanlage der Welt entstanden. Die neue
       > Technologie der Megaanlage soll doppelt so effizient sein wie andere
       > Windräder.
       
 (IMG) Bild: Die wirkliche Höhe lässt sich nur erahnen. Zu sehen ist aber, wie hoch über andere Anlagen hinaus das Windrad bei Schipkau ragt
       
       Deutschland ist im Osten Spitze. Mit 368 Metern ist der Berliner
       Fernsehturm das höchste Bauwerk in der Bundesrepublik. Nur 3 Meter
       niedriger ist seit dieser Woche das zweithöchste Bauwerk: Im Süden
       Brandenburgs hat das [1][Höhenwindrad] seine finale Nabenhöhe erreicht.
       Weil es keinen Kran gibt, der in solch großer Höhe die Rotorblätter hätte
       montieren können, war das Windrad weiter unten zusammengebaut und dann
       hydraulisch in den Himmel geschoben worden.
       
       Entwickelt hat das Projekt der [2][Dresdner Ingenieurdienstleister Gicon]:
       Im Vergleich zu derzeit herkömmlichen Windrädern im benachbarten Windpark
       Schipkau soll die Höhe eine Leistungssteigerung von bis zu 220 Prozent
       bringen.
       
       Neu ist dabei nicht der Rotor, denn der stammt aus der Serienfertigung des
       saarländischen [3][Herstellers Vensys]. Mit einer Leistung von 3,8 Megawatt
       ist das neue Windkraftwerk eher technologisches Mittelmaß. Das Neue steckt
       im hohen Gittermast: Die Ingenieure stoßen damit in Höhen vor, in denen der
       Wind stärker und stetiger bläst.
       
       „Es geht gar nicht so sehr um stärkeren Wind, es geht um stabileren Wind“,
       sagt Jochen Großmann, Geschäftsführer von Gicon. Der stabilere Wind führe
       dazu, dass der Rotor mehr als den doppelten Ertrag einer herkömmlichen
       Windturbine einfahre. Der Vorteil: Das Argument „wenn der Wind mal weht“
       falle dann weg: Höhenwindräder liefern praktisch immer Strom. In der
       Energiewirtschaft wird dieser Strom als „grundlastfähig“ bezeichnet, der
       Vorwurf an die Photovoltaik und die Windkraft bislang: [4][solchen
       „Grundlaststrom“ nicht liefern zu können].
       
       ## Jahrelange Entwicklungsarbeit
       
       Seit 2010 arbeitet Gicon an diesem Projekt. Um die Windverhältnisse zu
       erforschen, errichtete das Unternehmen zunächst einen Windmessmast. Der
       ließ schließlich keinen Zweifel: In 300 Meter Höhe erwies sich der Wind
       tatsächlich als stetiger und stärker als in den bislang üblichen Höhen der
       Windkrafternte.
       
       Ende 2024 wurden dann 19 Meter tiefe Betonpfähle in den Untergrund
       eingebracht, die das Tragfundament bilden: Insgesamt 2.000 Tonnen ist das
       Höhenwindrad schwer. Anfang des Jahres begann der Bau des Gittermastes, der
       aus rund 22.000 Einzelteilen entstand, darunter massive Schrauben mit
       jeweils zwei Kilogramm Gewicht. Das Projekt kostet zwischen 20 und 30
       Millionen Euro und wird von der Bundesagentur für Sprunginnovationen
       (Sprind) [5][finanziert].
       
       Natürlich gibt es bei solch einem Projekt etliche ingenieurtechnische
       Herausforderungen. Eine lautet: Wie bekommt man die viele Tonnen schwere
       Turbine in solche Höhen transportiert? Herkömmliche Kräne schaffen so etwas
       nicht, das Dresdner Unternehmen hat sich deshalb eine Teleskopvorrichtung
       patentieren lassen. Zunächst wurde die Gondel auf 150 Meter Höhe montiert,
       so hoch kommt ein Kran. Danach wurde sie auf 300 Meter ausgefahren. Wenn
       ein Windradflügel jetzt senkrecht steht, liegt die Oberkante bei 365
       Metern.
       
       ## Anlage arbeitet auch für die Forschung
       
       Nach den Prognosen soll das neue Windrad 7.500 Vier-Personen-Haushalte
       versorgen können, ein vergleichbares Windkraftwerk in „normaler“ Höhe
       schafft maximal 2.900 – und das auch nur im Optimalfall. Im November soll
       das Höhenwindrad ans Netz gehen und zudem auch Forschungsdaten liefern.
       Wenn die Technologie in Serie gehen sollte, plant der Hersteller Kraftwerke
       mit mehr als 7 Megawatt Leistung.
       
       2025 war ein windschwaches Jahr, „minus 6 Prozent zum langjährigen Mittel“,
       bilanziert Jaqueline Drücke vom Deutschen Wetterdienst DWD. Die Windenergie
       deckte demnach [6][25,4 Prozent des Bruttostromverbrauchs]. In diesem Jahr
       lief es etwas besser: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat die
       Windenergie an Land gut 9 Prozent zugelegt, die auf Nord- und Ostsee sogar
       um fast 20 Prozent. Bislang deckten die Erneuerbaren in diesem Jahr 61
       Prozent den Bruttostrombedarfs ab, wie neue Zahlen des Zentrums für
       Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg zeigen.
       Gleichzeitig stieg der Strombedarf in der Bundesrepublik um 1,6 Prozent.
       
       Beschlusslage der Bundesregierung ist, den Anteil der Erneuerbaren beim
       Stromverbrauch bis 2030 auf 80 Prozent zu erhöhen. Ob die
       Höhenwindrad-Technologie bei diesem Ausbau eine Rolle spielt, werden auch
       die politischen Rahmenbedingungen entscheiden: Bundeswirtschaftsministerin
       Katherina Reiche (CDU) [7][plant gerade massive Einschnitte] ins
       Erneuerbare-Energien-Gesetz. Ihre Begründung: Zuerst müsse das Netz
       ausgebaut werden. Ab Montag beginnt die Anhörung zu Reiches Gesetzentwurf
       im Bundestag.
       
       1 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Hoechstes-Windrad-der-Welt-in-Brandenburg/!6119256
 (DIR) [2] https://www.gicon.de/gicon_hoehenwindturm
 (DIR) [3] https://www.vensys.de/
 (DIR) [4] /Studie-zu-Kosten-der-Erneuerbaren/!6174312
 (DIR) [5] https://www.sprind.org/taten/projekte/hoehenwindrad
 (DIR) [6] https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/479/publikationen/2026-03/UBA_Erneuerbare%20Energien%20in%20Deutschland%202025.pdf
 (DIR) [7] /UN-Vollversammlung/!6215919
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nick Reimer
       
       ## TAGS
       
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