# taz.de -- Wahl in Sachsen-Anhalt: Die Alternative zur AfD heißt Sozialismus
       
       > Wer die AfD besiegen will, muss eine wirkliche Alternative zum
       > Kapitalismus anbieten. Ein anderes Wirtschaftssystem ist nicht nur
       > möglich – sondern nötig.
       
 (IMG) Bild: Der Kapitalismus ist nicht in Stein gemeißelt
       
       Der Schock über den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt sitzt der
       Bundesrepublik in den Knochen. In der direkten Reaktion darauf war aus
       Politik und Feuilletons wenig zu hören, was man nicht schon tausend Mal
       gehört hätte. Brandmauer? Jetzt erst recht. [1][AfD verbieten?] Jetzt erst
       recht. Sozialhilfeempfänger? Vielleicht doch ein bisschen weniger quälen
       (SPD) oder doch jetzt erst recht noch mehr quälen (Amthor).
       
       In einer [2][viel zitierten Umfrage] wählten zwei Drittel derer, die ihre
       finanzielle Lage als schlecht bewerten, die AfD. Der Regionalgeograf Tim
       Leibert [3][spricht im Surplus Magazin] über die „typisch ostdeutsche
       Kombination“ aus Deprivation bei gleichzeitig schrumpfender und alternder
       Bevölkerung. Doch der Osten ist als Testlabor des deutschen Neoliberalismus
       ja nur ein Gradmesser für Entwicklungen, die auch anderswo in Deutschland
       folgen werden. Und die bürgerlichen Parteien haben keine Antwort darauf.
       
       Es ist auch kein Geheimnis, dass sich Menschen zunehmend eine Alternative
       zu der herrschenden Politik wünschen. Immer mehr sehen diese Alternative in
       der AfD. Die Linkspartei schien diese Sichtweise im Wahlkampf bestätigen zu
       wollen, als sie sich offen und tapfer zur Mehrheitsbeschaffung für die
       Parteien bis zur CDU bereit erklärte – zur „Rettung der Demokratie“.
       
       Doch diese Formel von der Demokratierettung klingt hohl in den Ohren jener,
       die nicht glauben, dass sie im repräsentativen System der Bundesrepublik
       nennenswert über ihr eigenes Leben bestimmen können. Und das aus gutem
       Grund: Bei den Wahlen im Vierjahresturnus können sie sich zwar ihre
       Herrschenden aus dem Angebot der Parteieliten auswählen. Aber fundamentale
       Veränderungen im Land (Aufrüstung, Migration, Sozialabbau) vollziehen sich
       ohne das Votum oder Zutun einfacher Bürger.
       
       In Berlin, wo die Bevölkerung per Volksentscheid für die Enteignung von
       Wohnungskonzernen stimmte, ignorierten die Parteien die Entscheidung. Die
       „Rettung der Demokratie“ klingt da nur noch wie eine Chiffre für die
       Bewahrung des Bestehenden. Eine sozialistische Partei, wie die Linke sich
       selbst nennt, muss sich entscheiden: Will sie eine echte Alternative oder
       der linke Flügel der CDU sein?
       
       ## Die Arbeiter im Mittelpunkt
       
       Vielmehr sollte eine sozialistische Opposition zuerst einmal klarstellen,
       dass die AfD keine Alternative ist. Mit ihrem Austeritätsprogramm kann sie
       das Ausbluten des Ostens, von dem sie politisch profitiert, nur verstärken.
       Über die realen gesellschaftlichen Widersprüche (zwischen Arbeitgeber und
       Arbeitnehmerin, zwischen Vermieterin und Mieter) pinselt die AfD die
       Erzählung von Nation und Volksgemeinschaft. „Deutschland muss abschieben!“,
       sagt sie und meint: „Ein wenig mehr, als es die bürgerlichen Parteien und
       die EU heute schon tun!“
       
       Wer jedoch eine Alternative will, darf nicht nur die Parteien austauschen,
       die den Staat verwalten. Vielleicht werden die Wähler der „Alternative“ das
       nach ein paar Legislaturperioden auch merken. Doch bis dahin regieren in
       Deutschland waschechte Neonazis. Wenn das nicht passieren soll, dann muss
       sich eines ändern: das System.
       
       Eine echte Alternative für Deutschland bietet nur der Demokratische
       Sozialismus. Er stellt die Mehrheit der Bevölkerung – die arbeitende Klasse
       – in den Mittelpunkt seiner Politik. Er ermöglicht es den Arbeitenden,
       selbst über die Belange ihrer Betriebe zu bestimmen. Er erkennt, dass die
       [4][sozialen und ökologischen Krisen des Kapitalismus] dem System
       innewohnen und sich nur mit einer vernünftigen Politik jenseits der
       Profitlogik lösen lassen.
       
       Gerade in Ostdeutschland könnte eine echte sozialistische Opposition
       loslegen. Sie könnte der gekränkten Bevölkerung etwas sagen, das die AfD
       nicht sagen kann: dass die DDR sozialistische Errungenschaften
       hervorgebracht hat, auf die die Menschen stolz sein können. Und dass es ein
       Fehler war, dass die BRD den Osten nach dem Mauerfall mit Haut und Haaren
       geschluckt hat.
       
       „There is no alternative“, sagte Margaret Thatcher. „Alles ist möglich“,
       stand auf den Wahlplakaten der AfD in Sachsen-Anhalt. Da hat die Partei
       recht – aber nicht mit ihr. Möglich und notwendig ist eine Synthese aus
       Sozialismus, gesellschaftlicher Freiheit und radikaler Demokratie. Das ist
       die echte Alternative – und die einzige, für die es sich zu kämpfen lohnt.
       
       10 Sep 2026
       
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