# taz.de -- Kitas und Co nach dem Hitzesommer: Soziale Kälte wird heißes Thema
> Die Klimakrise macht keinen Halt vor Kitas, Heimen und Beratungsstellen.
> Soziale Einrichtungen berichten von Ausnahmezuständen – und fordern
> Hilfe.
(IMG) Bild: Notlösung: Ventilatoren in einem Pflegeheim-Zimmer
Heiß wurde es zum Beispiel in den Kinderheimen. Julia Köster ist
Geschäftsführerin eines Trägers, der in Ostfriesland mehrere Wohngruppen
betreibt. Manche der dafür gemieteten Häuser seien auf dem neuesten Stand
der Technik, andere auf dem der Achtzigerjahre. „Nach mehreren
Tropennächten hintereinander kann man keinem mehr zumuten, im Zimmer unter
dem ungedämmten Dach zu schlafen“, sagt sie. „Dann machen wir
Übernachtungsparty im Wohnzimmer.“
Diskussionen gebe es nach solchen Hitzeperioden bisweilen mit Eltern: Sie
würden zu Recht erwarten, dass es ihren Kindern im Heim gut geht. Die
Behörde haben die Kinder schließlich mit der Begründung aus den Familien
genommen, dass es ihnen dort nicht gut geht.
Über solche Erfahrungen tauscht sich Köster am Mittwoch mit Personal aus
anderen sozialen Einrichtungen in einer Videokonferenz des Paritätischen
Wohlfahrtsverbands aus. Das „Hitze-Hearing“ schließt an [1][eine Umfrage
des Verbands an]: Nach den [2][Rekordtemperaturen Ende Juni] hat er
deutschlandweit 2.900 Einrichtungen nach ihren Problemen in der Klimakrise
gefragt.
Die Antwort helfen dem Paritätischen laut deren Geschäftsführerin Katja
Kipping schon jetzt bei Lobbygesprächen mit der Politik: Die Schilderungen
gingen nahe. „Die Umfrage gibt dem Thema noch mal eine andere Autorität“,
so Kipping.
## Popcorn und Ventilatoren
Die Bandbreite der Herausforderungen wird im Austausch der Betroffenen am
Mittwoch deutlich. So erzählt eine Kitaleiterin von 34 Grad im Schlafraum.
„Da kann man sich vorstellen, wie die Krippenkinder schlafen. Sie haben nur
noch Windeln an und schwitzen trotzdem ohne Ende. Die sind fix und fertig.“
Eine Mitarbeiterin der Lebenshilfe erzählt vom Angebot an Kinder einer
Einrichtung, ins Freibad zu gehen. „Aber schon die 20 Minuten Fußweg dahin
sind eigentlich zu viel.“ Die Alternative: einen Film anmachen und Popcorn
ausgeben – „damit die sich nicht so viel bewegen“.
Die Geschäftsführerin einer Beratungsstelle für Frauen, die Opfer von
Gewalt sind, berichtet von mehr häuslicher Gewalt und entsprechend mehr
Arbeit in diesem Sommer. Dabei falle es in der Hitze den Beraterinnen
schwer, in Gesprächen konzentriert zu bleiben. Zudem belasteten die
Temperaturen die Klientinnen zusätzlich. Bei Personen mit posttraumatischer
Belastungsstörung könnten zum Beispiel Stresssituationen schwere Symptome
auslösen. Wenn im Beratungsraum mehrere Ventilatoren laufen und Lärm
machen, könne das der entscheidende Faktor zu viel sein.
## Es geht ums Geld
Ähnlich breit wie die Probleme sind die Lösungsvorschläge aus den
Einrichtungen. Immer wieder geht es um bauliche Maßnahmen wie Dämmung,
Verschattung oder Klimaanlagen. Manche wünschen sich entsprechende
Verpflichtungen für Vermieter, andere mehr öffentliche Mittel für Umbauten
– oder einen leichteren Zugang zu schon [3][vorhandenen Fördertöpfen], die
bislang mit zu viel Bürokratie verbunden seien.
Aber auch mit Umbaumaßnahmen wird nicht alles gut. Der Leiter eines
Pflegeheims erzählt, wie seine Einrichtung vor drei Jahren aus eigenen
Mitteln den Einbau von Klimaanlagen finanzierte. Die Belastung sei zuvor
groß gewesen: Bei Hitze sei es vorgekommen, dass Mitarbeiter*innen
„regelrecht umgefallen“ sind.
Heute sei die Situation zwar besser. Die Bewohner*innen aber seien
„teilweise verwirrt“ und könnten mit der Technik nicht richtig umgehen.
Fürs Personal habe es aufwendige Schulungen gebraucht. Das Fazit des
Heimleiters: „Unsere Klimaanlage ist eine echte Bereicherung. Aber auch
eine Herausforderung.“
9 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/Fachinfos/doc/260907_Auswertung_Paritaetische_Hitzeumfrage_2026_%E2%80%93_fachliche_Spannungsfelder.pdf
(DIR) [2] /Hitzewelle-und-Uebersterblichkeit/!6195895
(DIR) [3] /Klimaanpassung-in-Kitas-und-Pflegeheimen/!6200614
## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
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