# taz.de -- Wie Menschen unter Klimawandel leiden: Städter fühlen Hitzestress ab 25 Grad
       
       > Sie sind erschöpft, schlafen schlecht, fühlen sich von den Blicken
       > anderer belästigt: Eine Studie zeigt, wie Menschen den Klimawandel
       > erleben.
       
 (IMG) Bild: Wenn Bäume und Grünflächen in der Stadt fehlen, hilft manchmal nur noch Abkühlung, wie hier in Hameln
       
       Wie erleben Städter den Klimawandel im Sommer? Sie schwitzen, sind
       erschöpft, können nachts nicht schlafen, fühlen sich leichterbekleidet
       unwohl unter den Blicken anderer. Wie Menschen unter urbaner Hitze leiden,
       zeigt eine [1][Studie] der Universität Würzburg, des Deutschen Zentrums für
       Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Universität Brünn in Tschechien.
       
       Die Forschenden identifizierten einen Schwellenwert, ab dem die Menschen
       die klimawandelbedingt zunehmende Wärme als Hitzestress empfinden. „Sobald
       die Lufttemperatur 25 Grad überstieg, nahm die Zahl hitzebezogener Beiträge
       aus Mexiko-Stadt in den sozialen Medien exponentiell zu“, sagt Hauptautor
       Richard Lemoine-Rodríguez. Durch die Verknüpfung von Klima-, Satelliten-
       und demografischen Daten mit einem sozialen Medium stellten die Forschenden
       aus dem Forschungsbereich „Geolingual Studies“ zudem fest, dass aus den
       heißeren und dichter bebauten Teilen von Mexiko-Stadt mehr Beiträge zum
       Thema [2][Hitze] veröffentlicht wurden.
       
       Am häufigsten ging es in den hitzebezogenen Beiträgen um gesundheitliche
       Probleme und Hitzestress – konkret wurden insgesamt 2,1 Millionen Posts von
       90.000 Twitter-Usern (heute „X“) aus dem Jahr 2022 aus Mexiko-Stadt
       ausgewertet. Fast 9 Prozent der Nutzer*innen twitterten über
       Erschöpfung, Schlaflosigkeit, körperliches Unwohlsein und emotionale
       Belastung durch die Hitze.
       
       Auch Arbeitsbedingungen und Kleidung waren ein wichtiges Thema: 2,7 Prozent
       der Tweets beklagten eine schlechte Kühlung am Arbeitsplatz und berichteten
       zu Beispiel, dass sie trotz extremer Hitze keine kurzen Hosen tragen
       durften. „In einigen Fällen forderten sie sogar, dass die Arbeit unter
       solchen Bedingungen eingestellt werden sollte“, erzählt Lemoine-Rodríguez.
       
       ## Frauen fühlen sich belästigt
       
       Vor allem Frauen berichteten von unerwünschter Aufmerksamkeit und
       Belästigung, wenn sie leichtere Kleidung trugen, um mit den hohen
       Temperaturen zurechtzukommen. 1,8 Prozent der Tweets behandelten dieses
       Thema. Eine eigentlich der Anpassung an die Hitze dienende Strategie wurde
       für sie dadurch zu einer belastenden Erfahrung.
       
       Viele Beiträge beschäftigten sich auch mit dem Hitzestress in öffentlichen
       Verkehrsmitteln (2,4 Prozent), etwa durch Verspätungen, unangenehme
       Fahrten, schlechte Belüftung oder Klimatisierung. „Nutzerinnen und Nutzer
       beschrieben außerdem Situationen, in denen sie sich zwischen zwei Übeln
       entscheiden mussten“, so Coautorin Carolin Biewer: „Hitze oder
       Luftverschmutzung. Öffneten sie ein Fenster, um sich abzukühlen, mussten
       sie gleichzeitig verschmutzte Luft einatmen.“
       
       Diskutiert wurden außerdem Möglichkeiten zur Abkühlung wie Klimaanlagen
       (2,5 Prozent) sowie die Frage, wie Vögel, Haustiere und andere Tiere bei
       Hitze ausreichend mit Wasser versorgt werden können (1,8 Prozent).
       
       Trotz der zunehmenden Belastungen nimmt der Hitzestress in fast allen
       deutschen Städten zu. Während die Temperaturen in diesem Sommer erneut
       Rekordniveau erreichten, haben sich die Bedingungen für
       Stadtbewohner*innen verschlechtert. In den vergangenen sieben Jahren
       sind laut Deutscher Umwelthilfe (DUH) 900.000 Bäume aus den untersuchten
       195 Städten mit mehr als 50.000 Einwohner*innen in Deutschland
       verschwunden.
       
       Beim „[3][Hitze-Check]“ der DUH schnitten im Juni die Städte Offenburg,
       Lahr und Mannheim besonders schlecht ab. Positiv bewertet wurden Kiel und
       Wuppertal. Die DUH forderte von der Bundesregierung die Umsetzung der
       3-30-300 Regel: Bürger*innen sollten von ihrem Zuhause aus mindestens
       drei Bäume sehen können, in einem Umfeld mit 30 Prozent Baumbeschirmung
       leben und die nächste Grünfläche sollte höchstens 300 Meter entfernt sein.
       
       1 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://ieeexplore.ieee.org/stamp/stamp.jsp?arnumber=11668678
 (DIR) [2] /Klimaresilienz-in-der-Stadt/!6212981
 (DIR) [3] https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/hitze-check-2026-der-deutschen-umwelthilfe-fast-eine-million-baeume-aus-deutschen-staedten-verschwund/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai Schöneberg
       
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