# taz.de -- Teuer, unökologisch und krankmachend?: Sind Klimaanlagen böse?
       
       > Über Klimaanlagen gibt es viele Vorurteile. Wie schlimm ihr Einsatz
       > wirklich ist, warum Kriminelle sie lieben und was eine Physiotherapeutin
       > rät.
       
 (IMG) Bild: Wenn Markise und Sonnenschirm nicht reichen, kann dann die Klimaanlage eine Lösung sein? Hitzeschutz im Seniorenheim
       
       Mythos 1: Der Betrieb von Klimaanlagen ist eine Ökosauerei
       
       Klar: [1][Kein Stromverbrauch ist besser als Stromverbrauch]. Wer eine 24
       Grad warme Wohnung auf 19 Grad kühlen will, sollte sich den Einbau also
       besser noch mal überlegen. Anders sieht es aus, wenn eine Wohnung mit 38
       Grad Innentemperatur über sommerliche Wochen unbewohnbar wird. Laut ADAC
       benötigt eine Anlage mit der besten Effizienzklasse A+++ rund 0,3 bis 0,5
       Kilowattstunden pro Stunde. Zum Vergleich, was man mit 0,5 Kilowattstunden
       noch machen kann: eine halbe Stunde Haare föhnen oder die Waschmaschine
       einmal bei 40 Grad laufen lassen. Entscheidend für den Gesamtverbrauch ist
       aber auch das Verhalten der Bewohner:innen: Die üblichen
       Hitzeschutzmaßnahmen – von nachts lüften bis Sonneneinstrahlung abschirmen
       – sollten auch mit Klimaanlage umgesetzt werden. Fenster und Türen sollten
       geschlossen bleiben und die Innentemperatur nicht mehr als 8 Grad unter der
       Außentemperatur liegen. Das ist auch aus Gesundheitsgründen sinnvoll. Die
       klimaschädliche Wirkung lässt sich zudem deutlich verringern, wenn die
       Wohnung mit Ökostrom versorgt wird – oder gleich mit der Energie von einer
       Solaranlage auf Dach oder Balkon. Laut Stiftung Warentest arbeiten erste
       Modelle bereits mit Propan als Kältemittel. Andere Mittel, die im Einsatz
       sind, wirken, falls sie versehentlich austreten, extrem klimaschädlich.
       Propan nicht.
       
       Mythos 2: Klimaanlagenluft macht krank
       
       Eine Klimaanlage macht einen Raum nicht nur kühler. Sie verursacht auch
       einen Luftzug und tendenziell trockenere Luft. Darauf reagieren Menschen
       unterschiedlich sensibel. Wer etwa [2][Asthma hat] oder eine andere
       chronische Lungenkrankheit, kann unter stärkeren Symptomen leiden. Wenn
       eine Person sich bereits einen Virus eingefangen hat, können Kälte und
       Zugluft den Ausbruch eines Infekts begünstigen, unter anderem weil bei
       Kälte die Durchblutung der Schleimhäute und damit die Immunabwehr in der
       Nase abnimmt. Manche Menschen klagen nach einem Tag im klimatisierten Büro,
       Zug oder Auto auch über Verspannungen. Der Mechanismus dahinter: Zugluft
       kühlt die Körperstelle aus, die Gefäße ziehen sich zusammen, und durch die
       mangelnde Durchblutung der Muskeln ist ihre Funktion eingeschränkt, erklärt
       Ute Repschläger, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands selbstständiger
       Physiotherapeuten. „Am häufigsten ist von diesem Prozess die Schulter- und
       Nackenmuskulatur betroffen“, sagt sie. Als Vorbeugung empfiehlt sie, sich
       regelmäßig zu bewegen. Und wenn es doch passiert ist: Wärme, sanfte Dehn-
       und Bewegungsübungen.
       
       Mythos 3: Klimaanlagen sind heute schon billig zu haben
       
       Sie heißen „Cooler“ oder „Breeze“ und werden gern mit dem Schlagwort
       „Nasa-Technologie“ beworben oder damit, dass hier eine neuartige
       Entwicklung dahinterstecke, die die Industrie geheim halten wolle. Und dann
       dieser wahnsinnig günstige Preis! Mit zwei- bis maximal dreistelligen
       Summen sind sie so billig, dass der hitzegeplagte Kopf allzu gern das
       Kaufen-Signal sendet. Aber Achtung! Das ist höchstwahrscheinlich ein Fake.
       Anbieter solcher Fakeshops passen ihr Angebot perfekt saisonal an: Im
       Winter Heizlüfter und Heizöl, vor Silvester Feuerwerk, im Frühjahr
       Gartenzubehör – und wenn es heiß wird, Klimaanlagen. Gerade bei erstaunlich
       günstigen Preisen gilt: Seriosität der Seite überprüfen, zum Beispiel
       anhand von Impressum, Siegeln wie [3][Trusted Shops] und dem
       [4][Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen].
       
       Mythos 4: Klimaanlagen sind teuer
       
       Die Verbraucherzentralen beziffern die Kosten für ein Splitgerät, bei dem
       sich ein Teil der Klimaanlage im Raum befindet und ein großes, eckiges
       Gerät außen am Gebäude, auf bis zu 2.600 Euro. Wer ein Gerät in der
       Energieeffizienzklasse A+++ haben will – das ist die derzeit beste Klasse
       –, zahlt meist über 2.000 Euro. Gerade in den schlechteren Klassen geht es
       deutlich günstiger, aber dann leidet das Verhältnis von Kühlleistung zu
       Stromverbrauch. Achtung! Wer mit Preisvergleichsportalen nach einem Gerät
       sucht, sollte immer genau hinschauen. Nicht nur im Hinblick auf eventuelle
       Fakeshops. Sondern auch, weil bei einem besonders günstigen Angebot
       vielleicht nicht die ganze Anlage verkauft wird, sondern nur das Innenteil.
       Zu den Anschaffungskosten kommen noch die für die Installation. Der
       [5][ADAC rechnet für Anschaffung und Installation zusammen zwischen 2.000
       und 8.000 Euro]. Je mehr Innengeräte angebracht werden sollen, desto teurer
       wird es. Mal schnell selbst bohren, anschrauben und anschließen ist nicht
       erlaubt. Bei Splitgeräten muss ein Fachbetrieb die Montage übernehmen. Dazu
       kommt die Wartung, die in der Regel einmal im Jahr dran ist.
       
       Mythos 5: Ein Monoblockgerät mit Schlauch tut’s auch
       
       Gerade in Mietwohnungen kann es schwierig werden mit der Installation eines
       Splitgeräts – denn da muss der:die Eigentümer:in zustimmen. Als
       Alternative bewirbt der Handel Monoblockgeräte. Sie bestehen nur aus einer
       Gerätekomponente, von der ein Schlauch durch ein angekipptes Fenster nach
       draußen gelegt wird. Schon das verringert die Effizienz, weil durch den
       Fensterspalt wieder warme Luft nach innen strömt. Aber auch sonst schneiden
       die Anlagen so schlecht ab, dass etwa die Stiftung Warentest seit 2021
       keine Monoblöcke mehr testet. Wegen ihrer geringen Kühlleistung im
       Verhältnis zum Stromverbrauch seien die Geräte nicht über die Note
       ausreichend hinausgekommen. Die französische Verbraucherorganisation Que
       Choisir kommt nach einem aktuellen Test zu dem Schluss, dass Monoblöcke
       aber dann helfen können, wenn bei einer Hitzewelle eine Wohnung nur wenige
       Tage im Jahr etwas gekühlt werden soll.
       
       Mythos 6: Man braucht sie nur ein paar Wochen im Jahr
       
       Klimaanlagen sind im Prinzip Wärmepumpen. Und genau wie Wärmepumpen
       Wohnungen in einem gewissen Rahmen kühlen können, lassen sich Klimaanlagen
       zum Heizen nutzen. „Das Heizen mit einer effizienten Splitklimaanlage ist
       deutlich umweltfreundlicher als eine Gas- oder Ölheizung“, sagt Peter
       Schick, der bei der Stiftung Warentest eine aktuelle Untersuchung von
       Klimageräten geleitet hat. Beim Heizen mit der Klimaanlage entstünden kaum
       mehr als halb so viele Treibhausgase wie beim Heizen nur mit Gas.
       Berechnungsgrundlage war ein mäßig gedämmtes Haus und der deutsche
       Durchschnittsstrommix. Mit besserer Dämmung und/oder [6][Ökostrom] oder
       einer eigenen Solaranlage würde sich die Ökobilanz also weiter verbessern.
       „Die Ersparnis beim Treibhausgasausstoß im Winter überwiegt die zusätzliche
       Belastung durch den Stromverbrauch beim Kühlen im Sommer deutlich“, erklärt
       Schick. Auch finanziell lohne sich die Nutzung der Klimaanlage zum Heizen
       in der Regel. In einer Beispielrechnung für ein südlich ausgerichtetes
       25-Quadratmeter-Zimmer kommt die Stiftung zu dem Ergebnis, dass die
       jährliche Ersparnis beim Heizen die Stromkosten fürs Kühlen im Sommer
       übersteige. Aber: Für Haushalte, deren Hauptheizung bereits eine
       Luft-Wasser-Wärmepumpe ist, lohne das Heizen mit einer Klimaanlage eher
       nicht.
       
       8 Aug 2026
       
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