# taz.de -- Lizenzentzug für niederländischen Sender: Hitler-Relativierung als letzter Tropfen
       
       > Der rechte öffentliche Sender Ongehoord Nederland sieht sich als die
       > Stimme der Ausgeschlossenen. Die Regierung will ihm nun die Lizenz
       > entziehen.
       
 (IMG) Bild: Ist weit im rechten Spektrum angesiedelt: der niederländische Sender „Ongehoord Nederland ON“
       
       Dem öffentlich-rechtlichen Sender Ongehoord Nederland (ON) soll die Lizenz
       entzogen werden. Das teilte Rianne Letschert, Ministerin für Bildung,
       Kultur und Wissenschaft, am Dienstagnachmittag mit. Letchert, die den
       liberalen Democraten66 (D66) von Premier Rob Jetten angehört, sagte zur
       Begründung, für Sender, die mit Steuergeldern Programme machten, gebe es
       klare Regeln. „Wenn man sich an diese konstant nicht hält, ist das Maß
       irgendwann voll.“
       
       Stein des Anstoßes ist ein Ausschnitt aus einer Sendung namens „Let’s Twist
       Again“, die Ende Juli auf dem weit im rechten Spektrum angesiedelten Sender
       ausgestrahlt wurde. In der Sendung gab es einen Einspieler von Adolf
       Hitler, in dem er über eine „entwurzelte internationale Clique, die Völker
       gegeneinander aufhetzt“ spricht. Eine Person aus dem Publikum rief an
       dieser Stelle: „Juden.“ Anlass war eine Diskussion über Hitlers Kampf gegen
       den Globalismus – ein Begriff, der in Kreisen, die Ongehoord Nederland
       schauen und unterstützen, seit Jahren ein rotes Tuch ist.
       
       Die populäre Präsentatorin Raisa Blommestijn und Chefredakteur Joost
       Niemöller sollten im weiteren Verlauf Stellung beziehen zur Aussage: „Die
       kosmopolitische Elite steht dem einfachen, verwurzelten Volk
       notwendigerweise feindlich gegenüber.“ Beide stimmten zu. Niemöller
       resümierte zudem, Hitler sage bestimmte Dinge „einfach sehr gut“. Dass sie
       nicht sein vollständiges Gedankengut teilen, betonten Niemöller wie
       Blommestijn.
       
       Der 2022 gegründete Sender sieht es als seine Aufgabe, den Teil der
       Bevölkerung zu repräsentieren, der sich im öffentlichen Rundfunk nicht
       vertreten und daher in der gesellschaftlichen Debatte nicht gehört fühlt.
       Der Name ist auch ein Verweis auf ein Standardargument im
       rechtspopulistischen Diskurs des Landes, wonach vermeintlich missliebige
       Perspektiven zu Migration oder [1][Klimawandel] von einer linksliberalen
       oder „woken“ Einheitsmeinung nicht zu Wort kämen und somit „unerhört“
       blieben.
       
       ## Nicht den Mund verbieten lassen
       
       Insofern ist ON sowohl Lautsprecher als auch Akteur im Kulturkampf und ein
       Podium für Debatten über Bevölkerungsaustausch, Überfremdung und Identität.
       Bezeichnungen wie blanken, ein aus der südafrikanischen Apartheidsperiode
       belastetes altes Wort für Weiße, wird dort selbstverständlich verwendet.
       Angelehnt an die gemeinsame Überzeugung, dass einem die vermeintlich
       globalistisch gesinnte und politisch korrekte Regierung nicht den Mund zu
       verbieten habe. Moderatorin Blommestijn verglich den Lizenzentzug, der sich
       in den vergangenen Tagen abzeichnete, mit einem totalitären Staat wie
       Nordkorea.
       
       Der Entschluss der Ministerin ist historisch, da nie zuvor einem
       öffentlich-rechtlichen Sender die Lizenz entzogen wurde. Schon in den
       vergangenen Jahren gingen bei der zuständigen Ombudsfrau wiederholt Klagen
       gegen den Sender wegen Rassismus und Diskriminierung ein. Ministerin
       Letschert sagte am Dienstag, es sei „keine leichte Entscheidung“, doch
       komme sie nicht um das Fazit herum, dass Ongehoord Nederland sich nicht
       mehr an die gesetzlichen Vorschriften halte.
       
       Auch das Medienkommissariat, zuständig für die Einhaltung der
       Mediengesetzgebung, sprach sich nach der [2][Hitler-Relativierung] für ein
       Lizenzentzugsverfahren aus. Letschert unterrichtete inzwischen das
       Parlament davon, dass es gestartet sei. Der Sender kann sich in diesem
       Verfahren verteidigen. Direktor Peter Vlemmix sagte, man werde schauen, wie
       man gegen den Beschluss vorgehe. Solange das Verfahren läuft, kann ON
       weiterhin senden.
       
       9 Sep 2026
       
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