# taz.de -- Rechtspopulisten in den Niederlanden: Meuterei auf der „MS Wilders“
       
       > Nach dem Abschied von sieben Abgeordneten ist die rechtspopulistische PVV
       > stark geschwächt. Die Dissident*innen erwägen eine eigene
       > Rechtspartei.
       
 (IMG) Bild: Gidi Markuszower führt die Dissident*innengruppe, die Geert Wilders (im Hintergrund) verlässt
       
       Es war nicht weniger als ein PVV-Beben, das sich da am Dienstag vollzog:
       Sieben der 26 Abgeordneten der rechtspopulistischen Partij voor de Vrijheid
       (PVV) verkündeten auf einen Schlag ihren Austritt aus der Fraktion. Der
       prominenteste von ihnen ist Gidi Markuszower, unter dessen Namen sich die
       Abtrünnigen zu einer neuen Fraktion zusammenschließen wollen. Begleitet
       wird er von Shanna Schilder, Annelotte Lammers und René Claassen, die bei
       den Parlamentswahlen im Oktober auf den Listenplätzen 3, 4 und 7 standen.
       Dazu Hidde Heutink, der die Wahlkampagne leitete, sowie Nicole Moinat und
       Tamara ten Hove.
       
       Der plötzliche Aderlass kostet die PVV ihren Status als größte
       Oppositionspartei der Tweede Kamer. Neben der zahlenmäßigen Schwächung
       verliert sie wichtige Funktionsträger*innen. Für die Partei, die im Oktober
       11 ihrer zuvor 37 Sitze verlor und damit der [1][liberalen Wahlsiegerin
       D66] knapp unterlegen war, ist das ein harter Schlag.
       
       In ihrer 20-jährigen Existenz hatte die PVV neben Geert Wilders, Gründer,
       Chef und Galionsfigur in Personalunion, kein anderes offizielles Mitglied.
       Auch reguläre Parteistrukturen hat sie nicht. Aktuell liegt ein
       Gesetzesantrag von D66 vor, der Parteien ohne ausreichende interne
       demokratische Praxis von Wahlen ausschließen soll.
       
       Auslöser der Meuterei, die während der wöchentlichen Fraktionssitzung
       stattfand, waren teils die besagten Strukturen. Denn die
       Dissident*innen um Markuszower forderten die Umwandlung in eine
       Mitgliederpartei. Hinzu kamen jetzt auch noch eine Evaluierung des
       schlechten Wahlergebnisses und eine Änderung des Standpunkts gegenüber der
       [2][künftigen Mitte-rechts-Minderheits-Regierung].
       
       ## Wilders sah Bruch „überhaupt“ nicht kommen
       
       Diese, bestehend aus der Wahlsiegerin D66, dem christdemokratischen CDA und
       der rechts-liberalen VVD, ist auf Unterstützung aus der Opposition
       angewiesen und führte Mitte Januar dazu Gespräche mit allen entsprechenden
       Parteien. Wilders verweigerte diese als einziger, was Markuszower laut der
       Tageszeitung Volkskrant „sehr unvernünftig“ nannte.
       
       Es ist nicht das erste Mal, dass unzufriedene Abgeordnete der PVV den
       Rücken kehren. Nie zuvor aber geschah das in dieser konzertierten Form als
       gemeinsam inszenierte Reaktion darauf, dass Wilders die Diskussion über die
       vorgebrachte Kritik verweigerte. Laut De Telegraaf, der größten und der PVV
       am nächsten stehenden Zeitung der Niederlande, sah der PVV-Chef, der von
       einem „schwarzen Tag“ für seine Partei sprach, den Schritt „überhaupt“
       nicht kommen.
       
       Dass Wilders sich in einer schwierigen Position befindet, ist indes
       offensichtlich: Zum Frust, dass er als Premierminister der letzten, von der
       PVV geführten Rechtsregierung nicht vermittelbar war, kam die Einsicht,
       dass die angestrebte härteste Asylpolitik Europas leichter versprochen als
       umgesetzt ist.
       
       Seine Entscheidung, die damalige Koalition zu verlassen, ging bei den
       Wahlen nach hinten los. Nicht unbedingt, weil die Wähler*innen genug vom
       rabiaten Antizuwanderungskurs der PVV hatten, sondern vielmehr standen
       genug andere Parteien zur Auswahl, die diesen ebenfalls fahren.
       
       ## PVV-Dissidentenführer zur Regierungsbildung eingeladen
       
       Dazu kommt nun mit den sieben ehemaligen PVV-Abgeordneten offenbar eine
       weitere Partei. So ließ der ausgetretene Hidde Heutink am Freitag eine
       Internetdomain für eine Niederländische Freiheits-Allianz registrieren. Als
       Markuszower im Sender BNR Nieuwsradio danach gefragt wurde, bestätigte er,
       man erwäge diesen Namen für eine neue Partei.
       
       „Wo Freiheit beginnt, blüht die Zukunft“, steht nun auf der entsprechenden
       Webseite. Unter „Neuigkeiten“ wird am Mittwoch vermeldet, dass Markuszower
       als Vorsitzender zu einem [3][Gespräch über die künftige
       Minderheitsregierung] eingeladen wurde.
       
       21 Jan 2026
       
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