# taz.de -- US-Außenminister in Südamerika: Rubio besucht Kolumbien
> Marco Rubio trifft den neuen ultrarechten kolumbianischen Präsidenten
> Abelardo de la Espriella. Kernthemen sind Rohstoffe und militärische
> Zusammenarbeit.
(IMG) Bild: Der kolumbianische Präsident Abelardo de la Espriella (l.) neben US-Außenminister Marco Rubio: Sein Besuch steht im Zeichen von Trumps nationaler Sicherheitsstrategie
Umarmungen und viel Lächeln: Kolumbiens neuer Präsident Abelardo de la
Espriella tut beim Besuch von US-Außenminister Marco Rubio alles, um die
Beziehungen mit den USA aufzuhübschen. Erklärtes Ziel: Kolumbien zum
Hauptalliierten der USA in Südamerika machen – mit einem „Patriotischen
Plan 21. Jahrhundert“.
Dafür wolle Kolumbien investieren in modernere Flugzeuge, Drohnen,
Hubschrauber, Radarsysteme sowie Luft- und Cyberabwehr, kündigte de la
Espriella am Dienstag an. Die USA sollen dabei unter anderem mit
Ausrüstung, Ausbildung, Geheimdienstinformationen und finanzieller Hilfe
unterstützen.
US-Außenminister Marco Rubio traf am Dienstag als erste Station seiner
Südamerika-Reise in der kolumbianischen Karibikstadt Barranquilla mit
seiner Frau ein. Rubio sprach dort von einer neuen Phase der
Zusammenarbeit, die „noch stärker“ sei als zuvor. Damit würden die
„natürlichen Beziehungen“ zwischen den beiden Ländern wiederhergestellt.
Kolumbien ist seit Jahrzehnten der wichtigste Alliierte der USA in
Südamerika. Für den sogenannten War on Drugs pumpten die USA Milliarden ins
Land – ohne den Drogenhandel und das Morden stoppen zu können.
Während der Amtszeit des linken Präsidenten Gustavo Petro waren die
Beziehungen abgekühlt. Petro legte sich mit US-Präsident Donald Trump an,
lieferte sich Machtkämpfe und Wortgefechte in den sozialen Medien. Trump
bezeichnete Petro ohne Beweise als „Drogenboss“ und ließ ihn auf die
Sanktionsliste setzen. Darauf steht der Ex-Präsident bis heute, obwohl er
eigentlich gegen Ende seiner Amtszeit die Beziehungen gekittet hatte.
## Verteidigung und Rohstoffe
Die neue Regierung habe „eine Reihe von Katastrophen geerbt“ und sei mit
„den Fehlern der vergangenen vier Jahre konfrontiert“, fasste Rubio es in
Barranquilla zusammen. [1][Fragen durfte die Presse bei dem Auftritt keine
stellen.]
Rubios Besuch steht im Zeichen von Trumps nationaler Sicherheitsstrategie.
Demnach gilt Lateinamerika als strategischer Ort für die Sicherheit und
Rohstoffbeschaffung der USA. Die Außenminister der beiden Länder
unterzeichneten Abkommen über Lieferketten für kritische Mineralien und die
zivile nukleare Zusammenarbeit. Vor wenigen Tagen hatte der [2][Fund des
teuren Rüstungsmetalls Wolfram] im Departamento Caldas durch die Firma
Collective Mining für Schlagzeilen gesorgt.
Kurz vor seiner Ankunft hatten kolumbianische Medien ein [3][Schreiben
Rubios] veröffentlicht, in dem er konkreter wurde: Kolumbien, Ecuador und
Peru sieht er als Alliierte im Kampf gegen Drogenhandel, für
Migrationskontrolle und gegen den zunehmenden Einfluss von China. In der
[4][nationalen Drogen-Kontroll-Strategie] der USA für 2026 nimmt Kolumbien
einen zentralen Platz ein. Nach dem verheerenden Erdbeben im August haben
die USA 27 Millionen Dollar Hilfsgelder geschickt. De la Espriellas Bitte,
die Strafzölle von 12,5 Prozent aufzuheben, wurde bisher nicht erhört.
Der ultrarechte de la Espriella war erklärter Wunschsieger Trumps bei der
Präsidentschaftswahl im Mai und Juni, besitzt die US-Staatsbürgerschaft und
hat lange in Miami gelebt. Als Anwalt verdiente er früher unter anderem
Geld mit der [5][Verteidigung von kolumbianischen Narcos und Paramilitärs].
Diese Flexibilität scheint Trump nicht zu stören.
## Harte Hand gegen FARC-Dissidenz und ELN
Schon im ersten Monat im Amt kopiert de la Espriella Trump: Er hat die
Deportation „illegaler“ Migrant:innen angeordnet, was faktisch vor allem
Venezolaner:innen trifft. Kolumbien werde gemeinsam mit den USA an
der regionalen Stabilität arbeiten und die Zusammenarbeit in den Bereichen
Grenzschutz, Migration und Sicherheit vertiefen, kündigte er in
Barranquilla an. Rubio sprach von möglichen [6][gemeinsamen Operationen an
der kolumbianisch-venezolanischen Grenze]. Diese wird von FARC-Dissidenz
und ELN-Guerillas kontrolliert.
US-„Kriegsminister“ Pete Hegseth hatte im August verkündet, dass die
kolumbianische Regierung gemeinsame Militäroperationen mit den USA in
Kolumbien erlaubt habe. [7][Am Dienstag wurde bekannt,] dass das zuständige
Gericht (Consejo de Estado) verfassungswidrig nicht vorab dazu befragt
wurde.
In Sachen bewaffnete Gruppen spricht de la Espriella wie Trump von
„Narkoterrorismus“. Kolumbien ist seit de la Espriella Teil des „Shield of
the Americas“ von Trump. Im ersten Monat im Amt hat er mehrere
Bombardierungen durchführen lassen. Dabei wurden Anführer bewaffneter
Gruppen getötet, aber auch Zivilisten, darunter Kinder. De la Esperiella
hat außerdem angekündigt, FARC-Anführer in die USA auszuliefern.
Nächster Schritt soll ein Treffen zwischen Trump und de la Espriella sein –
wofür der US-Präsident nach Kolumbien reisen müsste. De la Espriella hat
angekündigt, Kolumbien während seiner Amtszeit nicht zu verlassen. Bis
Donnerstag ist Rubio in Südamerika unterwegs. Nach Kolumbien stehen Ecuador
und Peru auf dem Reiseplan – alles Länder, die als Verbündete der USA
gelten.
9 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://elpais.com/america-colombia/2026-09-08/de-la-espriella-y-rubio-relanzan-las-relaciones-entre-colombia-y-estados-unidos-con-una-agenda-de-seguridad-e-inversion.html
(DIR) [2] https://www.bluradio.com/economia/nos-ganamos-la-loteria-asi-encontro-colombia-uno-de-los-metales-mas-caros-del-mundo-rg10
(DIR) [3] https://www.semana.com/opinion/articulo/un-hemisferio-que-cumple/202600/
(DIR) [4] https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2026/05/National-Drug-Control-Strategy-2026-1.pdf
(DIR) [5] https://www.nytimes.com/2026/07/25/world/americas/colombia-president-de-la-espriella-trump-us-investigation.html
(DIR) [6] https://www.elespectador.com/politica/rubio-aseguro-que-gobierno-trump-esta-dispuesto-a-dotar-de-capacidades-a-colombia-tras-cita-con-de-la-espriella/
(DIR) [7] https://www.lasillavacia.com/en-vivo/gobierno-no-ha-consultado-ingreso-de-tropas-gringas-con-consejo-de-estado/
## AUTOREN
(DIR) Katharina Wojczenko
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