# taz.de -- Für Fracking, gegen Migrant*innen: Wie der rechte Präsident de la Espriella Kolumbien umbaut
> In nur zwei Wochen Amtszeit setzt der neue Hardliner in Bogotá
> tiefgreifende Veränderungen durch. Wegen des schweren Erdbebens bleiben
> sie fast unbemerkt.
(IMG) Bild: Kolumbiens Präsident Abelardo de la Espriella macht Politik gegen Migranten, gegen Umweltbestimmungen und für das Militär
Seit gut zwei Wochen ist der rechte Hardliner Abelardo de la Espriella nun
Kolumbiens neuer Präsident. Und hat in dieser kurzen Zeit den Kurs des
südamerikanischen Landes bereits deutlich verändert.
In Sachen Außenpolitik ist Kolumbien näher an die USA und an Israel
herangerückt: Unter de la Espriella wurden die diplomatischen Beziehungen
mit Israel wieder aufgenommen. Sein Vorgänger, der linke Präsident Gustavo
Petro, [1][hatte diese im Jahr 2024 ausgesetzt und dies mit dem Vorgehen
Israels im Gazastreifen begründet]. Mit der Wiederaufnahme der Beziehungen
wurde außerdem die Visumpflicht für israelische Bürger*innen
abgeschafft. Sogar [2][die annektierten Golanhöhen, völkerrechtlich
syrisches Staatsgebiet,] wurden als Teil des israelischen Territoriums
anerkannt.
Den USA hat de la Espriella die Erlaubnis erteilt, in Kolumbien
Militäroperationen durchzuführen. Eine Übergabe der Souveränität Kolumbiens
an einen anderen Staat – und das würden die US-Militäraktionen im Land
bedeuten – müsste eigentlich das kolumbianische Parlament erlauben.
## Deutliche Änderungen etwa bei Umweltschutz
Eine 180-Grad-Wendung nimmt auch der Umgang mit Migrant*innen. De la
Espriella hat die Behörden angewiesen, straffällig gewordene Ausländer ohne
gültige Papiere festzusetzen, um sie zu deportieren. In einem nächsten
Schritt sollen alle Ausländer*innen abgeschoben werden, deren
Aufenthaltsstatus nicht geregelt ist. Das Thema ist von besonderer Brisanz:
Von den knapp 3 Millionen Menschen, die aus Venezuela nach Kolumbien
geflohen sind, besitzt mindestens eine halbe Million keine gültigen
Papiere.
Schnell geht es außerdem mit der Erosion des Umweltschutzes zugunsten des
Bergbaus. Unter der Vorgängerregierung von Petro war Fracking verboten, nun
kündigt der Konzern Drummond für 2027 erste Bohrungen an. Und im
Hochgebirge von Parámo de Santurbán, das etwa die Stadt Großstadt
Bucaramanga mit Wasser versorgt, hat de la Espriella den Schutzstatus an
der Stelle aufgehoben, [3][wo die kanadische Aris Mining einen Bergbautitel
besitzt].
Auch in Sachen Gleichberechtigung und Minderheiten gibt es Rückschritte. So
hat Carolina Restrepo Cañavera, die neue Leiterin des Instituts für
Familienfürsorge, das Wort „Mädchen“ aus dem offiziellen Sprachgebrauch
gestrichen. „Mädchen, Jungen und Jugendliche“ („niñas, niños y
adolescentes“) ist dabei eine seit Jahren übliche Anrede.
Die Regierung wähnt sich in einem „Kulturkrieg“. Die neue
Bildungsministerin Viviane Morales will Lehrer*innen und Schulen
verfolgen, die „Gender-Ideologie“ verbreiteten. Gerade ist ein Dekret in
Vorbereitung, das Kirchen und privaten Organisationen das Managen
staatlicher Schulen ermöglichen soll.
## „Terroristen“ im Friedensprozess
De la Espriella nennt außerdem alle bewaffneten und kriminellen Gruppen
„Terroristen“. Schon im Wahlkampf hatte er das von US-Präsident Trump gern
genutzte Wort „Narcoterrorismus“ übernommen. Mit dieser Rhetorik sollen
unter anderem Angriffe wie Bombardierungen auf etwa bewaffnete Gruppen
normalisiert werden. Im Norte de Santander, an der Grenze zu Venezuela,
würden jüngst bei einem Einsatz, welcher der ELN-Guerilla galt, mindestens
drei Bauern verletzt.
Die 20 sogenannten „Friedensradiosender“ – ein Ergebnis des
Friedensabkommens zwischen Staat und Farc-Guerilla von 2016 – dürfen seit
Kurzem nur noch Musik spielen. Das wurde von vielen Seiten scharf
kritisiert.
Auch im staatlichen Erinnerungszentrum, das den Jahrzehnte währenden
bewaffneten Konflikt in Kolumbien dokumentiert und erforscht, stehen
Veränderungen ins Haus: Künftig wird es ein Gegner des Friedensabkommens
zwischen Staat und bewaffneten Gruppen leiten.
## Im Schatten des Erdbebens
Die kolumbianische Politologin Sandra Borda sagt: Diese Änderungen der
De-la-Espriella-Regierung seien während der Tage des Ausnahmezustands
[4][nach dem Erdbeben] Anfang August eher unbemerkt geblieben. Und oft
nicht einmal von der Regierung selbst verkündet worden.
Das Erdbeben hat de la Espriella außerdem für ein paar Deals genutzt: Zum
einen hat er per Notstandsdekret die Vergabe von Verträgen ohne
Ausschreibung und Direktzahlung ermöglicht – was potenziell Korruption und
Vetternwirtschaft erleichtert. In Sachen Nothilfe hat sich de la Espriellas
Gattin Ana Lucía Pineda hervorgetan. Sie sammelt Geld für die Opfer des
Bebens – [5][das aber direkt in den Kassen ihrer neuen Privatstiftung
landet].
26 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/NoticiasCaracol/status/1785721741462966500?s=20
(DIR) [2] /Raketenangriff-auf-den-Golanhoehen/!6023891
(DIR) [3] https://cuestionpublica.com/el-ministro-de-ambiente-pavimenta-el-camino-para-explotar-oro-en-santurban/
(DIR) [4] /Nach-dem-Erdbeben-in-Kolumbien/!6205484
(DIR) [5] https://cuestionpublica.com/ayudas-que-recoge-la-primera-dama-van-a-parar-a-su-propia-fundacion/
## AUTOREN
(DIR) Katharina Wojczenko
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