# taz.de -- Berliner Datenleak: Der Senat wirkt leicht nervös
       
       > Die Kommunikation zum Hackerangriff auf das Landesnetz wird immer
       > defensiver. Und überhaupt: Alles, was man weiß, trägt das Label „Stand
       > heute“.
       
 (IMG) Bild: Leicht ungehalten angesichts bohrender Nachfragen: der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU)
       
       So dünnhäutig hat man den Regierenden Bürgermeister von der CDU zuletzt
       i[1][m Rahmen der „Tennis-Affäre“] erlebt: Bei der Senatspressekonferenz am
       Dienstagnachmittag wird Kai Wegner mehrfach nach einem mutmaßlichen
       Datenleak bei einem privaten Dienstleister des Landes im vergangenen Jahr
       gefragt, das – wer weiß – in irgendeinem Zusammenhang mit dem aktuellen
       [2][Hackerangriff und den geleakten Daten von zwei Senatsverwaltunge]n
       stehen könnte.
       
       „Wir haben hier ein Thema, das wir abarbeiten müssen“, sagt Wegner hörbar
       genervt, „und wir müssen wahnsinnig aufpassen, dass wir nicht über
       spekulative Berichterstattung alles noch schlimmer machen.“ Die Medien, so
       seine Botschaft, sollten jetzt nicht „die Geschäfte der Hacker
       unterstützen“.
       
       Der Datenklau durch die Hackergruppe Rhysida und deren Öffentlichmachung
       einer Unmenge an Dateien, nachdem das Land nicht auf ihre Lösegeldforderung
       einging, treibt den Senat weiter heftig um. Und so gut wie alles, was
       Wegner am Dienstag dazu sagt, klingt nach Rechtfertigung.
       
       Die Landesregierung, so der Regierende, habe nach Bekanntwerden dieser
       „sehr, sehr schweren Straftat“ umgehend „sehr konkrete Schritte“
       eingeleitet. Jetzt arbeite man „unter Hochdruck“ daran, das Landesnetz zu
       schützen, die Schadenslage aufzuklären, die Kriminellen aufzuspüren und die
       potenziellen Betroffenen – seien es MitarbeiterInnen, Partnerunternehmen
       oder BürgerInnen – zu informieren.
       
       ## „Die Wahlen sind – Stand heute – sicher“
       
       Bislang sei es dem Land immer gelungen, Angriffe auf das Landesnetz
       abzuwehren, sagt Wegner, „und jetzt ist einer durchgekommen“, der „sehr
       professionell und mit hoher krimineller Energie“ vorgegangen sei. Das ist
       vermutlich richtig, klingt aber irgendwie danach, dass hier filmreife
       Masterminds am Werke waren, gegen deren Machenschaften man beim besten
       Willen nicht hätte gewappnet sein können. Dabei werden die Ermittlungen ja
       noch ergeben müssen sein, [3][ob es auf Landesseite Versäumnisse und
       Schwachstellen gab], die zum Missbrauch quasi einluden.
       
       Irgendwie klingen dann auch die beruhigend gemeinten Versicherungen Wegners
       nur bedingt vertrauenerweckend. „Wir wissen aus dem Austausch mit den
       Bundesbehörden, dass die militärische Verteidigungsfähigkeit Deutschlands
       nicht gefährdet nicht“ – na gut, das war bei den angezapften Behörden auch
       nicht unbedingt zu erwarten. Aber was genau bedeutet „Die Wahlen sind –
       Stand heute – sicher“? Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat diesen Satz
       im selben Zusammenhang schon mehrfach geäußert, nun fügt Wegner „Stand
       heute“ hinzu.
       
       Was der Regierende und sein „Chief Digital Officer“ Florian Hauer definitiv
       wissen: Die Sichtung der im Darknet veröffentlichten Dateien wird noch eine
       ganze Weile dauern. Schließlich handele es sich um rund 1,2 Millionen
       Einzeldateien, die alle erst einmal in eine „sichere Umgebung“
       heruntergeladen werden müssen, bevor sie geöffnet und auf ihre Relevanz
       untersucht werden können.
       
       Vielleicht kommt es aber auch anders, denn laut Hauer haben die
       ermittelnden Gruppen, darunter auch eine extra eingerichtete Stabsstelle im
       Roten Rathaus, zurzeit große Probleme mit dem Download von den
       Hacker-Servern. „Ich weiß nicht, warum die Ladevorgänge so langsam sind“,
       sagt Hauer, „ob es vielleicht daran liegt, dass es so viel Interesse daran
       gibt.“
       
       ## Kommt da noch mehr?
       
       Was Wegner und Hauer definitiv nicht wissen und bei ihren Antworten
       erfolgreich umschiffen: ob die Hacker überhaupt schon das gesamte gekaperte
       Material ins Netz gestellt haben oder taktisch noch mehr zurückhalten. Denn
       der Abfluss, den die Forensiker von Land und Bund selbst identifiziert
       hatten, bezog sich auf lediglich 200.000 Datensätze – nach Ablauf des
       Ultimatums ging dann überraschenderweise die sechsfache Menge online.
       
       Noch einen Seitenhieb teilt Kai Wegner aus – an die Adresse des
       Bezirksbürgermeisters von Treptow-Köpenick, Oliver Igel (SPD). Der wollte
       das vom Senat beauftragte US-Unternehmen Crowdstrike, das in einer
       Technologiepartnerschaft mit dem höchst umstrittenen Sicherheitskonzern
       Palantir steht, nicht seine Bezirksserver durchstöbern lassen.
       
       Offenbar hat Hauer ihn mittlerweile umstimmen können, wie es hieß. Wegner
       dazu: „Es geht jetzt nicht um die Interessen von Bezirken oder von
       Einzelnen, sondern um die Sicherheit von uns allen.“ Und in Zukunft müsse
       man die Landes-IT viel stärker zentralisieren.
       
       8 Sep 2026
       
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