# taz.de -- Fiasko nach Hackerangriff in Berlin: IT-Experten sehen kritische Infrastruktur bedroht
> Seit Freitag sind die durch einen Cyberangriff erbeuteten Daten der
> Berliner Senatsverwaltung öffentlich. Gegenüber Land und Bund gibt es
> scharfe Kritik.
(IMG) Bild: Auch Teil des Datenleaks: Inhalte, die für die Sicherheit der Bundesrepublik und der Hauptstadt relevant sind
asi/taz/dpa | Am Freitag kam es wie befürchtet: Drei Wochen nach dem
Cyberangriff auf die Berliner Senatsverwaltung hat die Hackergruppe Rhysida
die geklauten Daten wie angekündigt ins Darknet gestellt. Das Bundesamt für
Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor einem erhöhten Risiko
von Cyber-Bedrohungen. Den Umgang der Senatsverwaltung und der
Bundesregierung kritisieren Opposition und Sicherheitsexperten scharf.
## Inhalte relevant für die Sicherheit der Bundesrepublik
Seit der Veröffentlichung am Freitag gewinnen IT-Experten langsam einen
Überblick darüber, welche Daten in die Hände die Hacker gefallen sind. Wie
der Tagesspiegel berichtete, sollen manche Inhalte relevant für die
Sicherheit der Bundesrepublik und der Hauptstadt sein. So seien darunter
Daten zu besonders schützenswerten Einrichtungen wie Heizkraftwerken,
Tanklagern, Notstromanlagen und Umspannwerken sowie Daten über Gefängnisse,
Wasserwerke und Rüstungsunternehmen. Auch Informationen zur Bundeswehr und
zur Berliner Innenverwaltung, die die Verteidigung betreffen, sollen
geleakt worden sein.
Laut Spiegel sollen zahlreiche Bundesbelange von der Cyberattacke betroffen
sein. So befänden sich in dem Datenleak mehr als 550 Dateien zur
Erweiterung des Kanzleramts, darunter Gutachten, Pläne und Stellungnahmen
etwa des Landeskriminalamts.
## IT-Experte: „Land Berlin hat grob fahrlässig gehandelt“
„Das Land Berlin [1][hat grob fahrlässig gehandelt] und vorsätzlich die
Geheimschutz-Vorgaben nicht eingehalten“, sagte der IT-Experte Manuel Atug
gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er ist Gründer und Sprecher
der AG Kritis, einer unabhängigen Arbeitsgruppe, die sich mit sogenannter
kritischen Infrastrukturen beschäftigt.
Atug selbst war zweimal als Sachverständiger in den Berliner Innenausschuss
geladen und habe die Zuständigen auf eklatante Sicherheitslücken
hingewiesen: „Ihr betreibt desolate Cybersicherheit. Ihr müsst euch
dringend um eure Sicherheitsprozesse kümmern.“ Auch habe er andernfalls vor
schweren Konsequenzen gewarnt.
An der Aufklärung beteiligen sich nun auch das Bundesamt für Sicherheit in
der Informationstechnik (BSI), das Bundeskriminalamt (BKA) und das
Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), erklärte ein Sprecher des
Bundesinnenministeriums der dpa. „Im Gemeinsamen Cyberabwehrzentrum werden
alle Erkenntnisse zusammengetragen und geteilt“, so der Sprecher. Die
Gruppierung Rhysida sei den Sicherheitsbehörden bekannt und seit Mitte 2021
aktiv.
## Auf Lösegeldforderung ging die Senatsverwaltung nicht ein
Dass es eine Sicherheitslücke in der Berliner Verwaltung gegeben hat, wurde
bereits Mitte August bekannt. Die Hackergruppe hatte sich demnach vom 7.
bis zum 12. August unbemerkt Zugriff auf das Berliner Landesnetz beschafft
und so Daten aus den Senatsverwaltungen für Bauen und für Verkehr
abgeschöpft. 1,44 Millionen Dateien mit einem Umfang von 5,8 Terabyte
erbeuteten die Kriminellen. Ein Terabyte entspricht rund 1.000 Gigabyte.
[2][Am 18. August machte die Senatsverwaltung den Angriff öffentlich].
Nachdem der Berliner Senat [3][auf eine Lösegeldforderung von 30 Bitcoin –
umgerechnet rund 2 Millionen Euro – nicht einging], veröffentlichten die
Hacker die Daten am Freitag im Darknet. Als Darknet wird ein Teil des
Internets bezeichnet, das nicht auf herkömmliche Weise auffindbar ist. Die
Kommunikation dort wird verschlüsselt, die Urheber von Inhalten und
diejenigen, die darauf zugreifen, wollen möglichst anonym bleiben.
## Notz: „Ein Daten-Super-GAU“
Scharfe Kritik an der Berliner Senatsverwaltung und der Bundesregierung kam
auch von dem Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, [4][Konstantin von Notz].
Er sprach von einem „echten Daten-Super-GAU“. „Sollte sich herausstellen,
dass Schutzmechanismen bewusst nicht eingehalten wurden und der dringend
notwendige Geheimschutz nicht gewährleistet war, wären auch personelle
Konsequenzen unausweichlich“, sagte von Notz gegenüber dem Handelsblatt.
Der Fall rückt von Notz zufolge auch „die massiven Versäumnisse der
Bundesregierung in den Fokus“. Trotz wiederholter Warnungen seien „bekannte
Sicherheitslücken“ nicht geschlossen worden. Die finanziellen Folgen
könnten erheblich sein. „Der jüngste Fall in Berlin wird die Steuerzahler
Millionen kosten. Die Bundesregierung trifft eine direkte Mitschuld.“
6 Sep 2026
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