# taz.de -- Niedersachsens Verfassungstreue-Check: Wohin der Rundblick auch blickt, erblickt er arme AfDler
> Das Niedersachsen-Magazin „Rundblick“ erkennt im Wahlzulassungsverfahren
> nur Widersprüche. Deshalb darf dort der AfD-Fraktionschef darüber
> schimpfen.
(IMG) Bild: Immer nur Opfer: Zur anstehenden Kommunalwahl sind einige niedersächsische AfDler nicht zugelassen
Zu den 100 üblichen Methoden, die AfD als Opfer darzustellen, hat das
niedersächsische Online-Politikmagazin „Rundblick“ nun die 101.
hinzugefügt: Klaus Wallbaum findet nämlich, auch da, wo sie sich nicht als
Opfer fühlen kann, ist sie Opfer, gerade weil sie nicht Opfer ist. Und zwar
moniert der „Rundblick“-Chefredakteur, dass es seitens des
Innenministeriums von Daniela Behrens (SPD) überhaupt Zweifel an der
Verfassungstreue der hannoverschen Wahlamts-Kandidat*innen Jessica Schülke
und Nicolas Lehrke, beide gesichert AfD, gegeben hatte.
Anders [1][als vier AfD-Bewerber*innen in Wilhelmshaven, Ostfriesland,
Lüneburg und Herzberg] sind sie zwar zugelassen worden. Schülke will
Oberbürgermeisterin werden, Lehrke Regionspräsident. Und sie stehen auch
auf den jeweiligen Wahlzetteln, weil die Beweislage den mit den Fällen
befassten ehrenamtlichen Prüfer*innen zu dünn war. Sie haben, wie
Schöffen im Schwurgericht, nach bestem Wissen und Gewissen geprüft, was
dran ist an der vom Ministerium vorgetragenen und begründeten
Negativ-Prognose.
Dabei ist Schülke immerhin Landtagsabgeordnete und Nicolas Lehrke war bis
vor vier Jahren Generalsekretär der sich radikalisierenden
Niedersachsen-AfD. In beider Verhalten ist also „eine aktive inhaltliche
Mitwirkung oder Mitgestaltung von Politik oder Programm“ der als
rechtsextrem geltenden Partei zu erkennen. Das wird im „Leitfaden zur
Prüfung der Verfassungstreue“ ausdrücklich als Kriterium benannt, um einen
Verdacht zu begründen.
Im Artikel leugnet Wallbaum das. Dort tut er so, als ob es sich in den
Fällen Schülke und Lehrke um „bloße Mitgliedschaften“ gehandelt hätte – und
eben nicht um Mandats- oder Funktionsträger*innen. Auf Nachfrage der taz
relativiert er das. Dass eine Funktion oder ein Mandat auszuüben
tatsächlich einer Person zuzuordnende Verhaltensweisen sind, scheint er
nicht kapieren zu wollen. Und ansonsten deutet er den Leitfaden so um, als
würde er über diese Mitwirkung hinaus noch „eine spezielle
Einzelfallprüfung“ verlangen.
Klar, die muss es geben – aber eben durch die Wahlausschüsse, die über
Zulassung oder Nichtzulassung entscheiden. Sonst bräuchte man sie ja nicht.
Dass diese nun wiederum „von den Empfehlungen des Innenministeriums
abgewichen sind“, benennt der „Rundblick“-Chef der taz als weiteren
Widerspruch. Dabei ist doch genau das bei rechtsstaatlichen
Einzelfallprüfungen zu erwarten: dass sie unterschiedlich ausgehen und
nicht wie vom Führer oder der Ministerin befohlen. Nicht so für Wallbaum.
Für ihn ist klar: Schülke und Lehrke sind Opfer einer willkürlichen
Negativ-Einstufung geworden, weil die Wahlausschüsse diese verworfen haben.
Und die ausgeschlossenen AfDler sind es, weil die jeweiligen Wahlausschüsse
der Negativ-Einstufung gefolgt sind.
Hat er es einfach nicht kapiert? Dagegen spricht, dass der „Rundblick“-Chef
dann ganz exklusiv den Vorsitzenden der niedersächsischen Landtags-AfD den
Vorgang kommentieren lässt. Klaus Wichmann sehe in den Wahlausschuss-Regeln
nämlich einen „handfesten Skandal“, zitiert ihn Wallbaum. Und lässt ihn
dann auch das Schlusswort seines als „Analyse“ bezeichneten Beitrags
sprechen.
Aber egal, wie energisch sich Wallbaum hier um einen Job im künftigen
Propagandaministerium bewirbt, interessanter ist doch [2][der anhaltende
Zorn der AfD übers Prüfverfahren]. Denn dass in Niedersachsen ein von
Gerichten bislang nicht beanstandeter Weg gefunden wurde, ausgesprochene
Feinde der Demokratie wenigstens vom Wahlbeamt*innentum
auszuschließen, kann Rechtsextremist*innen nicht schmecken. [3][Könnte
der Rechtsstaat also wirklich seine demokratische Verfasstheit schützen?]
Es scheint so. Und für alle, die das wollen, ist das eine gute Nachricht.
Das sind, zeigen die Demos in Göttingen und Osnabrück am Montag, am
Mittwoch in Hannover, Lingen und Bleckede sowie am Freitag in Oldenburg, so
wenige nicht. Und das immerhin ist tröstlich.
8 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Zu-rechts-fuer-lokale-Spitzenaemter/!6200289
(DIR) [2] /Kommunalwahl-in-Niedersachsen/!6196771
(DIR) [3] /Kommunalwahl-in-Niedersachsen/!6198456
## AUTOREN
(DIR) Benno Schirrmeister
## TAGS
(DIR) Landtag Niedersachsen
(DIR) Landtagswahl in Niedersachsen
(DIR) AfD Niedersachsen
(DIR) Niedersachsen
(DIR) Grüne Niedersachsen
(DIR) Clans
(DIR) Göttingen
(DIR) AfD Niedersachsen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kommunalwahl in Niedersachsen: CDU bleibt trotz Verlusten stärkste Kraft
Verluste für CDU, SPD und Grüne, Gewinne für AfD und Linke: So lief die
Wahlnacht in Niedersachsen.
(DIR) Lagebild „Clankriminalität“: Niedersachsen lässt nicht locker
Das Lagebild Clankriminalität in Niedersachsen verzeichnet im dritten Jahr
in Folge einen Rückgang der Straftaten.
(DIR) Nach Messerangriff durch Rechtsextremen: Göttinger Antifaschist lebensgefährlich verletzt
In Göttingen schwebt ein Antifaschist in Lebensgefahr. Ein bekannter
Rechtsextremer soll ihm knapp neben das Herz gestochen haben.
(DIR) Verfassungsschutzbericht Niedersachsen: Junge Rechtsextreme jetzt noch unberechenbarer
Der niedersächsische Verfassungsschutz veröffentlicht seinen jährlichen
Bericht. Er sieht strukturelle Veränderungen in der rechtsextremen Szene.