# taz.de -- Verfassungsschutzbericht Niedersachsen: Junge Rechtsextreme jetzt noch unberechenbarer
> Der niedersächsische Verfassungsschutz veröffentlicht seinen jährlichen
> Bericht. Er sieht strukturelle Veränderungen in der rechtsextremen Szene.
(IMG) Bild: Macht auf harmlos, aber taucht im Jahresbericht des niedersächsischen Verfassungsschutzes auf: Landesverband der AfD Niedersachsen
Wie verkauft man die neue Ausgabe eines jährlichen Berichts als brisant,
wenn sie in Wirklichkeit ziemlich erwartbar und seit Jahren bundesweit ganz
ähnlich ausfällt? Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens
(SPD) und der Chef des Landesamts für Verfassungsschutz (VS), Dirk Pejril,
geben sich am Donnerstag alle Mühe, während sie den aktuellen
Verfassungsschutzbericht für das Bundesland vorstellen.
Die Sicherheitslage sei nach wie vor sehr angespannt, die [1][Anforderungen
an den Verfassungsschutz hoch], sagt Behrens. Immer häufiger werde das
Internet als Tat- und Verbreitungswerkzeug für radikale Taten genutzt.
Guten Morgen! Ist das Internet noch Neuland für den Verfassungsschutz?
Aber [2][zum Inhalt]: Auch in Niedersachsen erkennt der VS
Rechtsextremismus als größte Bedrohung der Demokratie und des
gesellschaftlichen Zusammenhalts. Daran kommt man auch nicht vorbei: Die
Zahl der als extremistisch geführten Rechten ist um fast 40 Prozent
gestiegen, von knapp 2.000 auf gut 2.700.
Bei den Linken zählt der VS einen Anstieg von lediglich 15 Personen auf
1.290 Extremist*innen und beim Islamismus einen Zuwachs von 30 Personen
auf 1.325.
## AfD – vom Verdachtsfall zum Beobachtungsobjekt
Den Zuwachs bei Rechtsextremist*innen führt der Inlandsgeheimdienst
hauptsächlich auf das Wachsen der AfD zurück, die ihre Mitgliederzahl in
dem Bundesland von 4.000 auf 8.000 verdoppeln konnte. Das Land führt die
Partei mittlerweile als „Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung“,
nachdem sie sie vier Jahre lang nur als Verdachtsfall behandelt hatte. Aber
weil ein Verdacht sich irgendwann erhärten muss oder man lässt ihn fallen,
stufte der VS die AfD kurz vor Ablauf der Frist im Februar zum
Beobachtungsobjekt hoch.
Die AfD klagte dagegen, [3][verlor jedoch vor dem Verwaltungsgericht]. Das
Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, die AfD hat bereits
Beschwerde eingelegt. Daher sehe man bis zur endgültigen Klärung von
tiefgreifenden Überwachungsmaßnahmen wie V-Mann-Einsätzen ab, sagt
Innenministerin Behrens. Der Verfassungsschutz sieht den niedersächsischen
Landesverband im Einklang mit dem Bundestrend – er sei ein zunehmend
unterstützend agierender Teil einer sich weiter radikalisierenden
Gesamtpartei.
Außerhalb der AfD, im „traditionellen Rechtsextremismus“, setzt sich laut
dem Bericht eine strukturelle Veränderung der Szenen fort. „Die
Sozialisierung potenzieller Gewalttäter in traditionellen
rechtsextremistischen Organisationen steht nicht mehr im Vordergrund“,
berichtet der VS, Neonazi-Parteien wie „Die Heimat“ dümpelten in der
Bedeutungslosigkeit. Junge, gewaltbereite Rechtsextreme gingen eher
anlassbezogen auf die Straße und verhielten sich damit unberechenbarer.
Jeweils ein Sonderkapitel widmet der VS wie auch im vergangenen Jahr dem
Nahostkonflikt und dem russischen Krieg gegen die Ukraine. „Die hybride
Bedrohung durch Russland ist längst keine abstrakte Bedrohung mehr, sondern
akut und konkret“, sagt Pejril. Cyberangriffe und andere „hybride
Maßnahmen“ fänden tagtäglich statt.
11 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Verfassungsschutz/!6161433
(DIR) [2] https://www.mi.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/niedersachsischer-verfassungsschutzbericht-2025-hybride-bedrohungen-rechtsextremismus-und-jihadistischer-salafismus-sorgen-weiter-fur-hohe-anforderungen-an-den-niedersachsischen-verfassungsschutz-251581.html
(DIR) [3] /AfD---Eilantrag-abgelehnt/!6183592
## AUTOREN
(DIR) Katharina Schipkowski
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