# taz.de -- Lagebild „Clankriminalität“: Niedersachsen lässt nicht locker
> Das Lagebild Clankriminalität in Niedersachsen verzeichnet im dritten
> Jahr in Folge einen Rückgang der Straftaten.
(IMG) Bild: Der Begriff Clan ist ziemlich unscharf: Wer einen Schottenrock trägt, gehört nicht gleich dazu
Im dritten Jahr in Folge ist die sogenannte Clankriminalität in
Niedersachsen zurückgegangen. Insgesamt 2.691 Straftaten ordneten Polizei
und Justiz im Jahr 2025 diesem Bereich zu – der Anteil an der
Gesamtkriminalität liegt damit bei 0,53 Prozent. Gleichzeitig wurde so viel
Vermögen eingezogen wie noch nie: Die Polizei sicherte Vermögenswerte im
Wert von 5,35 Millionen Euro vorläufig. Auch das ist ein neuer Rekord.
Trotzdem wollen Innenministerin Daniela Behrens (SPD) und Justizministerin
Kathrin Wahlmann (SPD) natürlich auf keinen Fall Entwarnung geben. Dafür
sorgen schon so spektakuläre öffentliche Tumultlagen wie in Göttingen oder
Stade.
In Stade hat die immer wieder eskalierende Auseinandersetzung zwischen zwei
Gruppierungen in den Jahren 2023 und 2024 zu zwei Toten geführt, die in
beiden Fällen selbst dem Milieu angehörten. Weil der letzte dieser Fälle
2025 vor Gericht verhandelt wurde, taucht er auch in dem Lagebild für 2025
noch einmal auf.
Streng genommen nicht Teil des Lagebildes ist der Vorfall mit dem jungen
Polizisten in Göttingen, der im Juni 2026 angeschossen und lebensgefährlich
verletzt wurde. Aber für die öffentliche und politische Wahrnehmung des
Themas spielt er natürlich eine große Rolle.
## Beweislastumkehr kommt nicht vom Fleck
Die Statistik zu Verfahren mit dem umstrittenen Label „Clankriminalität“
umfasst allerdings auch viele andere Dinge: So plagt sich die
Schwerpunktstaatsanwaltschaft Braunschweig mit der Aufarbeitung der
Betrugsfälle mit Coronatestzentren, in Hildesheim stehen Metall- und
Ladendiebe im Vordergrund, in Osnabrück frisierte Glücksspielautomaten und
Einbrüche, wie Thomas Hackner aus dem Justizministerium referiert. Es gebe
da kein klares Deliktbild, aber wohl eine Verschiebung in Richtung eher
ökonomischer Delikte.
Kritiker monieren seit langem, dass diese Unklarheiten ein im Wesentlichen
selbst geschaffenes Problem sind: Weil Niedersachsen Clankriminalität in
erster Linie über die ethnische Herkunft und familiäre Zusammenhänge
definiert, fallen darunter ganz unterschiedliche Kriminalitätsphänomene.
56 Prozent der Tatverdächtigen haben einen deutschen Pass, bei den
ausländischen Tatverdächtigen führen rumänische, türkische und serbische
Abstammungen die Statistik an.
Nur vier Verfahren zählten zur Organisierten Kriminalität. In denen ging es
um Drogenschmuggel und Handel, illegales Glücksspiel und Betrug. Wie hoch
der politische Druck in diesem Bereich ist, zeigt sich auch an den Anklage-
beziehungsweise Einstellungsquoten: 33 Prozent der erfassten Verfahren
wurden bis zur Anklage geführt – bundesweit sind es bei allen
Kriminalitätsbereichen nur 21 Prozent. Verfahren aus dem Bereich der
Clankriminalität werden auch deutlich seltener aus Opportunitätsgründen
eingestellt.
Innenministerin Daniela Behrens (SPD) beklagt bei der Vorstellung des
aktuellen Lagebildes auch, dass sich andere Bundesländer der Erfassung und
Auswertung der [1][Clankriminalität] nicht recht anschließen mögen. Ein
eigenes Lagebild erstellen bisher nur Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen,
Berlin und Bremen.
Auch die schon lange angestrebte Beweislastumkehr bei der
[2][Vermögensabschöpfung] kommt auf Bundesebene nicht recht vom Fleck: Zwar
gibt es entsprechende Absichtserklärungen im Koalitionsvertrag und
mittlerweile sogar einen Gesetzesentwurf, aber auch erhebliche juristische
Bedenken.
Wenn künftig ein Verdächtiger nachweisen müsste, dass er Vermögenswerte auf
legalem Wege und nicht über Verbrechen erwirtschaftet habe, würde dies den
grundgesetzlichen [3][Schutz des Eigentums] und das rechtsstaatliche
Prinzip, wonach sich niemand in einem Strafverfahren selbst belasten muss,
aushebeln, gibt etwa die [4][Bundesrechtsanwaltskammer] zu bedenken.
24 Aug 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Nadine Conti
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