# taz.de -- Deutschlands Olympiabewerbung: Teure Politur für die Nation
> Der Deutsche Olympische Sportbund hat am Samstag über die
> Olympiabewerbung entschieden: München macht's. Der olympische Traum hat
> schon einiges gekostet.
(IMG) Bild: Auf und ab in den Ringen: der Olympia-Looping auf dem Oktoberfest in München
Die Meldung war nicht wirklich zum Lachen. Es wurde dennoch viel
geschmunzelt über die Nachricht, dass sich im Gewässer, das für die
Olympischen Ruderwettbewerbe 2032 im australischen Bundesstaat Queensland
Krokodile tummeln sollen. „Würden Sie hier rudern wollen?“, fragte die BBC
ihre Follower auf Instagram zu einem Video, in dem jede Menge bissiger
Reptilien zu sehen waren.
Doch schnell war wieder Schluss mit lustig. Die BBC nahm das Video von der
Seite, nachdem der australische Politiker Matt Canavan von der Liberal
National Party sich beschwert hatte, dass es sich bei dem Fluss in dem
Video nicht um den Fitzroy Rover in Queensland handle, sondern um ein
Gewässer gleichen Namens in Western Australia. Die BBC hatte sich um 3.500
Kilometer vertan. Canavan bezichtigte den Sender, Lügen zu verbreiten. Und
schon war aus einer harmlosen Meldung ein Politikum geworden.
So ist das, wenn es um Olympische Spiele geht. Alles, was mit den fünf
Ringen zu tun hat, ist derart mit Bedeutung aufgeladen, dass sich auch an
kleinsten Details große Debatten auftun können. Eine falsche Bebilderung in
sozialen Medien kratzt da schnell mal am Nationalstolz. Dass auch im
richtigen Fitzroy River regelmäßig Krokodile gesichtet werden, egal. Es
geht ums große Bild der Nation, das der Welt bei Olympischen Spielen
gezeigt wird. Das soll möglichst makellos sein.
Vor fünf Jahren hat die australische Küstenmetropole Brisbane den Zuschlag
für die Spiele 2032 erhalten. Auch in Deutschland hatte man Interesse an
der Austragung dieser Spiele. Doch die Bewerbung aus Rhein und Ruhr hatte
es verpasst, sich bei der zuständigen Kommission des Internationalen
Olympischen Komitees (IOC) rechtzeitig in Stellung zu bringen. Deutschland
war raus.
## Neue Bewerbung mit langem Anlauf
Das soll sich ändern. Die Ausrichtung von Olympischen und Paralympischen
Spielen ist als Staatsziel in Deutschland längst festgeschrieben. Im
Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist die Unterstützung einer
deutschen Olympiabewerbung ausdrücklich erwähnt. Auch in der Begründung für
das eben vom Deutschen Bundestag verabschiedete Sportfördergesetz ist vom
Nutzen einer Olympiabewerbung die Rede.
Der Sport soll Deutschland im internationalen Wettbewerb zu Glanz
verhelfen. Erklärtes Ziel in der Begründung zum Gesetzestext ist Platz fünf
in der Nationenwertung bei Olympischen Sommerspielen. Platz zehn bei den
Olympischen Spielen 2024 in Paris galt als Desaster. Der deutsche Sport
soll schleunigst besser werden und der Nation zur Ehre gereichen.
Olympische Spiele in Deutschland sollen dabei als Katalysator für
sportliche Erfolge dienen. Der für eine Bewerbung zuständige Dachverband,
der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), verspricht sich von Olympia im
eigenen Land noch einmal einen kräftigen Schub für die
Spitzensportförderung. Die steht schon jetzt unter besonderem Schutz.
Für die Leistungssportförderung im Haushaltsentwurf der Bundesregierung für
2027 sind so viele Mittel vorgesehen wie nie zuvor – 361,7 Millionen Euro.
An den Kosten für eine deutsche Olympiabewerbung sind noch einmal 6
Millionen Euro extra eingeplant. Leistungssport und Olympische Spiele als
Investment in den Nationalstolz. Gespart wird woanders.
## Geöffnete Kassen
Wenn es um den Spitzensport geht, wird erstaunlich wenig gefeilscht.
Hamburg, Berlin, München und die Region Rhein/Ruhr mit Köln – alle vier
deutschen Bewerbungen, die ins nationale Rennen um die Rolle als Gastgeber
für das Megaevent gegangen sind, haben bei ihren Kampagnen die sonst so
wichtige Haushaltsdisziplin hintangestellt. So sind Millionenbeträge in
Bewerbungen für die Rolle eines Bewerbers geflossen.
In Hamburg weiß man [1][seit dem gescheiterten Bürgerschaftsreferendum im
Mai], dass das Geld, das für die Kampagne investiert wurde, schlicht perdu
ist. In Berlin hatte man mit Kosten von 6 Millionen allein für die
Erstellung einer Bewerbung beim IOC geplant. Das Geld kann man sich nun
sparen, nachdem die Hauptstadt die Bewerbung für die Spiele zwei Tage vor
der entscheidenden Abstimmung bei einer außerordentlichen
Mitgliederversammlung des DOSB in Baden-Baden zurückgezogen hat.
Der Rückzug kam nach dem bescheidenen Urteil der Evaluierungskommission des
DOSB, die die Berliner Olympiabewerbung im Vergleich zu den beiden anderen
schlechter bewertet hatte. Zudem hatte Elif Eralp, die die
olympiaskeptische Linkspartei zum Sieg bei der Abgeordnetenhauswahl geführt
hatte, das Thema Olympia in Berlin mal eben als erledigt bezeichnet.
[2][In München] und der [3][Region Rhein/Ruhr] mit Köln als Aushängeschild
gingen Referenden positiv aus. Das Land Nordrhein-Westfalen hat 11,5
Millionen Euro ausgegeben, um Bürgerentscheide in Köln und den anderen
Bewerberkommunen im Land durchzuführen. Auch im Wissen um eine mögliche
Niederlage bei der finalen Abstimmung des DOSB am Samstag galt das in der
Landesregierung als sinnvolle Investition.
## Klandestine Geschäfte
In der bayerischen Landeshauptstadt hat man sich gerade gefreut, [4][dass
der Internationale Leichtathletikverband Word Athletics die
Weltmeisterschaften 2031 an die Stadt vergeben hat]. Für die hatte sich die
derzeit klamme Kommune beworben, obwohl sie sich das eigentlich gar nicht
leisten kann. Als den Verantwortlichen die Ausrichterverträge vorlagen, hat
das zuständige Referat für Bildung und Sport darauf hingewiesen, dass World
Athletic alle Risiken auf die Ausrichterstadt abwälzen will. Das erinnert
an die Knebelverträge, durch deren Unterzeichnung sich Olympiastädte dem
IOC-Regime zu unterwerfen haben.
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet hat, sollen sich auch das Referat für
Arbeit und Wirtschaft sowie die Stadtkämmerei kritisch zu den WM-Verträgen
geäußert haben. Am Ende sind sie ohne Veränderungen unterschrieben worden.
Der Ruf Münchens als Ausrichterstadt großer Sportereignisse sollte nicht
gefährdet werden. Klar, man will die Olympischen Spiele. Es geht um ein
Ereignis von nationaler Tragweite. Da sind Dinge möglich, die sich aus
buchhalterischer Sicht eigentlich verbieten.
Die Beratungen zu den Verträgen mit World Athletic in den Gremien des
Münchner Stadtrats fanden übrigens unter Ausschluss der Öffentlichkeit
statt. An verschlossene Türen wird man sich gewöhnen müssen, wenn bald eine
deutsche Olympiabewerbung offiziell ins Rennen beim IOC geschickt wird.
Nach welchen Maßstäben die Bewerbungen für die nächsten vakanten
Sommerspiele 2036 aus aller Welt in der im IOC zuständigen Future Host
Commission bewertet werden, bleibt intransparent.
[5][Bis März 2027 müssen alle Bewerberstädte einen ausführlichen
Fragenkatalog beantworten], der neben konkreten Planungen für Sportstätten
und ein Olympisches Dorf, einem nachvollziehbaren Finanzierungskonzept und
staatlichen Garantien auch erklären soll, welches Erbe die Spiele in den
Ausrichterstätten hinterlassen sollen. Die ganz große Nummer also.
Die Kommission wählt aus den Interessenten die nach ihren Maßstäben Besten
aus und schickt sie in die nächste Phase des Bewerbungsprozesses. Wer es
auf diese Shortlist geschafft hat, wird nun bei der Schärfung des Konzepts
beraten. Ende 2028 treten dann die Bewerber, die als würdig gelten, in
einen „Targeted Dialogue“ mit dem IOC, um letzte Fragen zu klären. Mitte
2029 entscheidet dann die IOC-Vollversammlung über den Gastgeber für 2036.
Offiziell ihren Hut in den Ring geworfen haben bislang die katarische
Hauptstadt Doha, das indische Ahmedabad, Südafrika mit Kapstadt, Durban und
Johannesburg sowie Santiago de Chile und Istanbul, das sich seit 2000
bereits fünfmal vergeblich um die Spiele bemüht hat. Dazu gibt es
Interessenbekundungen aus Ägypten, Ungarn, Italien, Südkorea und Kanada.
Eine Bewerbung aus Indonesien wurde bereits vom IOC abgewiesen, nachdem das
Land sich geweigert hatte, Sportlerinnen und Sportler aus Israel zur
Turn-WM 2025 ins Land zu lassen.
Auch angesichts dieser großen Liste an Konkurrenten hat man im DOSB früh
festgelegt, dass die deutsche Bewerbung im Falle eines Scheiterns im ersten
Anlauf für die Spiele 2040 oder 2044 noch einmal ins Rennen geschickt wird.
Eines steht schon vor dem ersten Votum im IOC fest. An der Fauna in den
deutschen Ruderrevieren wird die deutsche Bewerbung gewiss nicht scheitern.
Weder an der Regattastrecke in Unterschleißheim bei München noch in
Duisburg-Wedau sind in der jüngeren Vergangenheit Krokodile gesichtet
worden.
25 Sep 2026
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(DIR) [5] https://www.olympics.com/ioc/news/olympic-games-host-selection-process-made-fit-for-the-future
## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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