# taz.de -- Münchens Olympiabewerbung: Zwei für die Spiele
> Markus Söder und Dominik Krause haben eine gemeinsame Mission: Olympia
> 2036. Oder 2040. Oder 2044. Über die bayerische Bromance.
(IMG) Bild: Gemeinsam im Rennen um Olympia: Markus Söder und Dominik Krause in der Wiesnachterbahn namens Olympia-Looping
Stellen wir uns für einen kurzen Moment vor, es ginge bei den Olympischen
Spielen nicht nur um knallharten Wettkampf, sondern auch Harmonie wäre eine
olympische Disziplin: In diesem Fall hätten die beiden Herren dort vorne im
Großen Sitzungssaal des Münchner Rathauses sicherlich gute Chancen auf eine
Medaille. Natürlich gemeinsam.
„Seite an Seite“ hätten sie für die Münchner Olympia-Bewerbung gekämpft,
sagt der eine, „Stadt und Land Hand in Hand“, reimt der andere. Für das
„gute Miteinander“ bedankt sich der eine, „vorbildlich und toll“, nennt der
andere dessen persönlichen Einsatz. „Engstens“ habe man zusammengearbeitet
und alle Lügen gestraft, die anfangs gemeint hätten, die beiden würden sich
schon zerstreiten. „Mit Euch. Für Euch.“ steht hinter ihnen an der Wand,
„zusammen einzigartig“ auf den ausgeteilten Schreibblöcken.
Gut gelaunt sind Dominik Krause, Oberbürgermeister von München, und Markus
Söder, Ministerpräsident von Bayern, am frühen Montagnachmittag in den Saal
spaziert. Wo sonst die Stadträte tagen, haben die beiden heute zur
Olympia-Pressekonferenz geladen. Der Nürnberger darf an der Seite des
Stadtoberhaupts unter dem großen Wandgemälde Platz nehmen, das 128 Münchner
Persönlichkeiten aus 700 Jahren Stadtgeschichte zeigt. Es ist ein
Gegenbesuch. Vor wenigen Wochen erst hatte Krause, der seit knapp einem
halben Jahr OB der größten Kommune Deutschlands ist, an einer
Kabinettssitzung in der Staatskanzlei teilgenommen.
So innig scheint die Beziehung der beiden, [1][dass Ricarda Lang sie jüngst
als „Bromance“], also als enge Männerfreundschaft, bezeichnete, nachdem
Söder und Krause beim gemeinsamen Achterbahnfahren auf dem Oktoberfest
gesichtet wurden. Eine Vokabel, die seither zum festen Bestandteil
jeglicher Berichterstattung über das Duo gehört. Der Fairness halber muss
man freilich dazu sagen, dass es der Olympia-Looping war und Söders
Gesichtszüge keinen Hehl daraus machten, dass dies keine
Freizeitbeschäftigung war.
Nachdem München sich im nationalen Wettbewerb um die Olympia-Bewerbung für
2036, 2040 oder 2044 durchgesetzt hatte, präsentierten die Krause und Söder
nun die nächsten Schritte im Bewerbungsprozess. Die Entscheidung des IOC
falle zwar erst 2029, so Krause, man mache sich aber jetzt schon fit.
## 18 bis 20 Millionen Euro Bewerbungskosten
So soll beim Oberbürgermeister eine Stabsstelle eingerichtet werden, bei
der alle Fäden in Sachen Olympia zusammenlaufen. Eine gemeinsame
Bewerbungsgesellschaft von Bund, Land, Stadt und Deutschem Olympischen
Sportbund (DOSB) soll den Bewerbungsprozess begleiten.
Auch Söder verspricht für 2027 konkrete Entscheidungen. „München macht das
Konzept, wir geben den Rückhalt.“ Es werde ein eigenes bayerisches
Olympia-Gesetz geben, und auch auf Bundesebene sei etwas Vergleichbares
nötig. Das Ziel: Erleichterungen und Beschleunigungen vor allem bei
Vergabe- und Baurecht. Man müsse jetzt in jedem Fall für das Jahr 2036
planen. Die Chancen für 2036 stünden vielleicht auch gar nicht so schlecht,
weil viele Mitbewerber da noch nicht so weit seien. Aber: „Wir nehmen, was
wir kriegen, und machen das Beste daraus.“
Krause rechnet mit insgesamt 18 bis 20 Millionen Euro Bewerbungskosten.
[2][Die internationale Konkurrenz] sei stark, sagt er, München müsse sich
aber nicht verstecken. Besonders bei den Aspekten Nachhaltigkeit und
politische Stabilität könne die Stadt punkten. Mit im Rennen für 2036 sind
Istanbul, Budapest und Städte in Indien, Südkorea, Katar und Südafrika. Vor
allem Budapest, findet Söder, sei ein sehr starker Mitbewerber.
Apropos Mitbewerber: Die gibt es freilich auch in der Politik. Es ist
vielleicht auch kein Zufall, dass die beiden Parteien, denen
Ministerpräsident und Oberbürgermeister angehören, während dieses
Wohlfühltermins kein einziges Mal namentlich genannt werden. Krause ist
Münchens erster grüner OB. Zu leicht hätte es daran erinnern können, dass
Grünen-Bashing bis zuletzt auch eine der Disziplinen war, die CSU-Chef
Söder besonders gut beherrschte.
Doch heute kennen Söder und Krause keine Parteien mehr, sie kennen nur noch
Münchner und Bayern. „Das wird für München und Bayern, wenn alles klappen
sollte, einen Riesensprung nach vorn geben“, prophezeit Söder. Auch die
politische Bedeutung Olympischer Spiele könne man nicht hoch genug
schätzen. Gerade für junge Menschen seien sie ein positives Signal und
somit [3][die ideale Waffe im Kampf gegen extremistische Parteien]. „Sport
ist die beste Möglichkeit, junge Menschen an die freiheitliche Demokratie
zu binden.“
20 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Dominik Baur
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