# taz.de -- Bürgerentscheide zu Olympia: Ja mit deutlichem Aber
       
       > Nordrhein-Westfalen spricht sich für eine Olympiabewerbung aus. In Köln,
       > dem geplanten Zentrum der Spiele, ist die Zustimmung am geringsten.
       
 (IMG) Bild: Ja-Sager: NRW-Minsiterpräsident Hendrik Wüst und Kölns OB Torsten Burmester am Abend nach der Olympiaabstimmung
       
       Die Macher der Olympia-Bewerbung Nordrhein-Westfalens planten zum Abschluss
       ihres großen Tages etwas Besonderes – doch kaum jemand bekam es mit. 112
       Strahler beleuchteten um 23 Uhr die Hohenzollernbrücke nahe dem Dom in den
       Olympia-Farben, weil das Land an Rhein und Ruhr mit Ja gestimmt hatte.
       Vorausgegangen war ein langer Tag, an dem Tausende Freiwillige in den 17
       Kommunen 1,4 Millionen Wahlbriefe gezählt hatten.
       
       Parallel dazu versammelten sich zahlreiche Prominente und Politiker
       feierlich im zweithöchsten Hochhaus der Stadt, in das die Auszählungen aus
       den Kommunen einliefen. Der geplante Ablauf mit der feierlichen Verkündung
       aller Ergebnisse, vor allem desjenigen aus der „Leading City“ Köln, platzte
       – für Köln lagen die Ergebnisse erst um 3 Uhr in der Nacht vor. Viele
       Interessierte zeigten sich zudem verwundert, dass der Livestream der
       Staatskanzlei über Stunden inaktiv geblieben war.
       
       Insgesamt haben 1,4 Millionen Wahlberechtigte in Nordrhein-Westfalen
       entschieden, dass sich die Region KölnRheinRuhr für die Ausrichtung der
       Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben soll.
       68 Prozent stimmten dafür, die Wahlbeteiligung lag bei 31 Prozent. In
       Aachen fiel das Ergebnis am besten aus, mehr als drei Viertel stimmten
       dafür. Das Quorum in Herten war zu gering, die Stadt fällt daher raus. Den
       geringsten Zustimmungswert hatte mit 57 Prozent ausgerechnet Köln.
       
       Ministerpräsident Wüst war seit Beginn der Kampagne im Januar durchs Land
       gereist, hatte Sportstätten besucht und mit Sportlerinnen und Sportlern
       gesprochen. Nach den ersten Auszählungen hatte Wüst von einem
       „beeindruckenden Ergebnis“ gesprochen. „Es ist die größte
       direktdemokratische Beteiligung in der olympischen Geschichte und es ist
       zugleich die größte Bürgerbefragung in der Geschichte unseres Landes. Dass
       der Rückhalt so phänomenal ist, damit hätte ich nicht gerechnet“, sagte er
       bei der Veranstaltung auf der rechtsrheinischen Seite am Abend. Zu diesem
       Zeitpunkt waren die Ergebnisse aus Köln allerdings noch nicht final
       bekannt.
       
       ## Zufriedener OB
       
       Ob in Nordrhein-Westfalen damit wirklich die größte Sportveranstaltung der
       Welt stattfinden wird, ist noch unklar – bis Juni sollen beim Deutschen
       Olympischen Sportbund (DOSB) die Konzepte der Bewerber eingereicht werden.
       Im September wird dann die finale Entscheidung fallen, ob Deutschland mit
       Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg oder München in den Bewerbungsprozess
       beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) einsteigen wird. Die
       Münchnerinnen und Münchner hatten sich im vergangenen November mit 66,4
       Prozent für die Bewerbung ausgesprochen.
       
       [1][Im Interview mit dem Deutschlandfunk betonte Kölns Oberbürgermeister
       Torsten Burmester (SPD)], dass er „sehr zufrieden“ mit den Ergebnissen sei.
       Für ihn sei es eine Befreiung, dass Nordrhein-Westfalen ein klares Votum
       bekommen habe, und er sei „zuversichtlich, dass wir Schwung aufnehmen für
       die nächsten Schritte der Bewerbung“. Die Ausrichtung der Spiele könne ein
       „Booster für Infrastruktur und Teilhabe“ sein.
       
       [2][Den geringen Zustimmungswert in Köln] bewertet der ehemalige
       Vorstandsvorsitzende des DOSB so: „Köln ist Hauptaustragungsort und
       deswegen gibt es hier eine höhere Betroffenheit und intensivere Debatten.“
       In den nächsten Tagen wolle er auf Kritiker zugehen, darunter [3][die
       Initiative NOlympia Köln] und Jan Böhmermann, der sich kürzlich klar gegen
       die Bewerbung ausgesprochen und dabei auch Kritik an Burmester geäußert
       hatte.
       
       Als Vertreter der Initiative zeigte sich auch Jörg Detjen (Die Linke) im
       Gespräch mit dem Deutschlandfunk zufrieden. NOlympia habe das Ziel
       erreicht, 40 Prozent Nein-Stimmen zu erzielen – ein „Arbeitssieg“. Die
       Abstimmung sei eine „Gefühlsentscheidung“. Detjen betonte, es fehle an
       finanziellen Rücklagen, es sei unklar, wie sich die Lage in den kommenden
       Jahrzehnten entwickeln werde.
       
       Beide Seiten, ob dafür oder dagegen, sind also zufrieden. Und mit dem Votum
       beginnt jetzt erst die eigentliche Bewährungsprobe: ob auf die Zustimmung
       im Land auch die Akzeptanz des DOSB und vor allem des IOC folgen.
       
       20 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.deutschlandfunk.de/koelns-oberbuergermeister-sieht-breiten-rueckhalt-fuer-olympiabewerbung-102.html
 (DIR) [2] https://wahlen.stadt-koeln.de/prod/RBE2026/05315000/praesentation/index.html
 (DIR) [3] /Abstimmung-ueber-Olympia/!6169893
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Arne Steinberg
       
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