# taz.de -- Auftritt von Danger Dan und Igor Levit: Verschweigen funktioniert nicht mehr
       
       > Das ZDF wollte einen Song streichen, daraufhin wurde der zum medialen
       > Mittelpunkt. Die Rundfunkanstalt muss ihr Verhältnis zum Antifaschismus
       > dringend überdenken.
       
 (IMG) Bild: Erfolgreich ausgedribbelt: Danger Dan (l.) und Igor Levit gewinnen das Spiel um die Aufmerksamkeit gegen das ZDF
       
       Und dann spielten sie ihn doch: Nach knapp 90 Minuten Show im ausverkauften
       Berliner Columbiatheater stimmt Pianist Igor Levit die ersten Töne von
       „Keine Angst“ an, dem Song, dessen Aufführung in der Satiresendung „Die
       Anstalt“ die Geschäftsleitung des ZDF wenige Tage zuvor unterbunden hatte.
       
       Eine Ersatzveranstaltung richteten die Künstler*innen kurzerhand selbst
       aus. Nachdem das Publikum unter anderem einen Brecht zitierenden Blixa
       Bargeld sowie eine Beethoven-Interpretation auf Weltniveau seitens Levit
       gesehen hatte, setzt nun [1][Danger Dan] zur Strophe an: „Es gibt jetzt
       zwei Optionen, beide machen Stress.“ Natürlich fehlen in den fortlaufenden
       fünf Minuten auch die umstrittenen Verse nicht, die übers „Langlegen“ von
       politischen Gegnern und die solidarischen Grüße an die Beteiligten im
       „Antifa-Ost“-Verfahren, Lina, Gucci, Maja und Nanuk.
       
       Gehört haben diese Zeilen in den vergangenen Tagen viele Menschen.
       Ironischerweise dürften es wesentlich mehr sein, als der Song ohne
       Cancelling seitens des [2][ZDF] erreicht hätte. Seit Tagen berichten die
       bundesdeutschen Medien über die Frage, ob und wie viel Antifaschismus von
       der Kunstfreiheit gedeckt ist, inwiefern ein linker Song im
       öffentlich-rechtlichen Rundfunk stattfinden kann und ob in diesem konkreten
       Song ein expliziter Aufruf zur Gewalt enthalten ist oder nicht.
       
       Den Kampf um die Aufmerksamkeit hat der ÖRR dabei verloren. Hunderte
       Menschen waren bei der innerhalb knapp einer Stunde ausverkauften
       Veranstaltung live vor Ort, 15.000 weitere sahen die Veranstaltung im
       Stream, Hunderttausende dürften von dem Skandal aus den sozialen Netzwerken
       erfahren haben.
       
       Die Einnahmen aus der Veranstaltung wurden an den Verein Opferperspektive,
       eine Beratungsstelle gegen rechte Gewalt, gespendet. Die beiden Künstler
       nutzten den Moment aber nicht nur, um sich zu erklären und diverse Lieder
       zu spielen. Sie luden auch Akteur*innen der Zivilgesellschaft ein, unter
       anderem die Journalistin Heike Kleffner und die Rechtsanwältin Kristin
       Pietrzyk.
       
       ## „Wegbereiter und Stichwortgeber“
       
       Die Perspektive der Opfer rechter Gewalt habe in den vergangenen Tagen
       gefehlt, sagt Danger Dan. Kleffner schilderte sie eindrücklich, nennt etwa
       die Namen der Opfer des OEZ-Anschlags vor recht genau zehn Jahren oder
       rekapituliert mehrere rechte Übergriffe innerhalb von zwei Tagen im April.
       Und sie benennt die „Wegbereiter und die Stichwortgeber“ der rechten
       Gewalt: „die rechtsextreme und verfassungswidrige AfD“.
       
       Anwältin Pietrzyk ordnet die rechte Gewalt in Deutschland in den größeren
       historischen Rahmen ein und verweist auf das Recht auf antifaschistischen
       Selbstschutz: „Wenn wir also darüber sprechen, warum Menschen Nazis nicht
       allein lassen, warum sie sich ihnen in den Weg stellen, warum sie aus ihrer
       Sicht nicht mehr nur auf staatliches Handeln warten wollten, dann reden wir
       nicht darüber, ob das Strafrecht abgeschafft werden soll.“ Natürlich sei
       Körperverletzung eine Straftat, so Pietrzyk. Aber ein Staat, dessen Gesetze
       Individuen nur auf dem Papier vor Faschismus schützt, versage auch.
       
       Am Ende bleibt von dem Abend vor allem ein Eindruck: Die mediale
       Aufmerksamkeitsökonomie hat sich verändert, auch und insbesondere bei
       Themen, die in juristische Grauzonen hineinragen. Innerhalb weniger Tage
       nach der kurzfristigen Ausladung haben Danger Dan, Igor Levit und ihr Team
       eine Veranstaltung auf die Beine gestellt, die nun sogar noch vor der
       Ausstrahlung von „Die Anstalt“ stattfand. Was danach im linearen Fernsehen
       lief, wurde von den beiden diskursiv längst eingeholt.
       
       Dabei hätte es der Sender besser wissen können: Schon 2021 wollte ein
       ZDF-Redakteur – so schilderte es kürzlich TV-Moderator Jan Böhmermann im
       Podcast „Fest und Flauschig“ – eine Stelle aus Danger Dans Lied „Das ist
       alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ streichen lassen. Böhmermann
       intervenierte scharf, der Song wurde schließlich in voller Länge gespielt.
       Ein vergleichbarer Skandal blieb aus.
       
       Sein Verhältnis zu Faschismus und Antifaschismus muss der
       öffentlich-rechtliche Rundfunk künftig also überdenken, die von rechter und
       konservativer Seite her geschürte Angst überwinden – wenn er relevant
       bleiben will. Denn, so viel hat der Fall gezeigt: Verschweigen lässt sich
       rechte Gewalt – und antifaschistische Gegenwehr – so leicht nicht mehr.
       
       22 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Konstantin Nowotny
       
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