# taz.de -- Abschied der Toten Hosen in Buenos Aires: „Wir wollen jetzt ‚Adiós‘ sagen, wo wir in Bestform sind“
       
       > Die Toten Hosen kommen im Oktober auf Abschiedstournee nach Argentinien.
       > Wohl keine andere deutsche Band hat so viele Fans im Land am Río de la
       > Plata.
       
 (IMG) Bild: Nächste Runde für Pinkys Abenteuer in Buenos Aires
       
       Unvermittelt fragt das Herrchen des Boxerrüden aus der Parallelstraße:
       „Und? Haben Sie Ihre Konzertkarte?“ „Wofür?“, frage ich zurück, während
       meine Hündin Pinky den Boxer schnuppernd begrüßt. – „Na, für das
       Abschiedskonzert der Toten Hosen in Buenos Aires“, sagt er. „Das habe ich
       verpennt, die Karten sind ausverkauft“, sage ich seufzend. Dabei hatte die
       Düsseldorfer Punkband [1][ihre Abschiedstour in Argentinien schon im
       November vergangenen Jahres angekündigt].
       
       „Wir wollen jetzt ‚Adiós‘ sagen, wo wir in Bestform sind, und hoffen, einen
       Abschied feiern zu können, der unserer unglaublichen Liebesgeschichte mit
       diesem Land und seinen Menschen würdig ist“, schrieben die Hosen auf ihrer
       Website. Das Motto der Abschiedstour lautet „Fútbol, asado, vino y adiós
       amigos“. „Fußball, grillen, Wein“ ist ein Zitat aus dem Song
       [2][„Represión“ der argentinischen ]Punkband Los Violadores. „Adiós
       amigos“, haben die Hosen hinzugefügt.
       
       Es gibt wohl keine zweite deutsche Band, die am Río de la Plata so viele
       Fans hat wie die Toten Hosen. Doch nach 16 Besuchen mit über 40 Auftritten
       soll jetzt Schluss sein. Anfang Oktober spielen los josen – das j wird als
       ch gesprochen – in Tandil und in Rosario. Am 10. Oktober heißt es dann
       wirklich adiós beim letzten Konzert in Buenos Aires.
       
       Begonnen hatte die wunderbare Freundschaft am 11. September 1992 mit dem
       ersten Auftritt der Band im Rockclub Halley in Buenos Aires. Innerlich auf
       ein paar Gestalten im Saal vorbereitet, spielten sie bei voller Hütte vor
       begeisterten Menschen. „Das Publikum in Argentinien hat eine besondere
       Leidenschaft und unglaubliche Energie. Es ist außerdem sehr loyal. Es kennt
       alle unsere Lieder, ist lustig und respektvoll“, beschrieb Gitarrist
       Michael „Breiti“ Breitkopf einige Jahre später die seither unverbrüchliche
       Verbundenheit.
       
       ## Ein Denkmal für eine argentinische Punk-Legende
       
       „2018 war ich beim ‚Hosen-Fest‘ im Club Ciudad de Buenos Aires dabei“,
       schwelgt jetzt das Boxerherrchen in Erinnerungen. „Das war ein irrer Ritt
       von Nachmittag bis in die späte Nacht“, erzählt er mit einem Leuchten in
       den Augen. Gemeinsam mit Bands wie Attaque 77, Cadena Perpetua und Pilsen
       sei es ein Fest der Fusion von argentinischer mit deutscher Punkkultur
       gewesen, sagt er.
       
       Eine zentrale Rolle spielte Pil Trafa, Sänger der Punkband Los Violadores.
       „Der ist hier in unserem Stadtviertel Villa Urquiza geboren“, sagt er.
       Trafa, mit bürgerlichem Namen Enrique Héctor Chalar, war maßgeblich dafür
       verantwortlich, dass die Hosen nach Argentinien kamen. Er starb am 13.
       August 2021. Auf der Plaza Echeverría, unweit seines Elternhauses, erinnert
       heute ein Denkmal an die argentinische Punklegende. „Welcher Punk in
       Deutschland hat so was?“, fragt das Boxerherrchen grinsend.
       
       Dem kann ich nur entgegnen, dass ich eines Sonntagmorgens auf der breiten
       Avenida 9 de Julio auf eine Gruppe von rund 50 übernächtigten Hosen-Fans
       traf, zu erkennen an ihrem punkigen Outfit mit dem typischen Hosen-Emblem
       des gerupften Adlers auf den T‑Shirts. Mit deutschem Akzent fragten sie
       nach einer coolen Frühstücksbar und erzählten, dass zu den Konzerten immer
       ein Fantross aus Deutschland anreise. Auch diesmal wird ein solcher dabei
       sein. Ein „Welcher Punk in Argentinien …?“ verkneife ich mir.
       
       „Meine Schwester hat Karten [3][für das Konzert in Rosario] bekommen“, sagt
       jetzt das Frauchen von Reina, der Colliehündin, als sie hört, worum es
       geht. Und während Pinky und der Boxerrüde Reina freudig begrüßen, erzählt
       sie, dass ihre Schwester schon beim ersten Konzert in Rosario dabei war:
       „1997, im Club Morrison war das, wenn ich nicht irre.“ Zusammen mit ihrem
       Schwager wird sie diesmal hingehen. „Da werden am Ende dicke Tränen
       fließen“, ist sie sich sicher. Doch jetzt heißt es erst mal: Bienvenidos,
       Tote Hosen, zu Fußball, Grillen und Wein.
       
       Und Pinky, Reina und der Boxerrüde? Die merken, dass sie heute nur
       Nebensache sind, und wollen nach Hause.
       
       28 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.dth.de/magazin/die-toten-hosen-zum-letzten-mal-live-in-argentinien
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=g0um5wqOGc8&t=6s
 (DIR) [3] /Organisierte-Kriminalitaet-in-Argentinien/!6003060
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jürgen Vogt
       
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