# taz.de -- Wohnungsnot und Kommunalwahlen: Menschen sind unsere einzige Hoffnung
> Die Wohnungsnot in Hamburg und Kommunalwahlen in Niedersachsen und die
> Menschen, die einem helfen – es hängt letztlich alles miteinander
> zusammen.
(IMG) Bild: Bei einem Umzug braucht es helfende Hände
Ich ziehe um. Es ist ja nicht leicht, in einer Stadt wie Hamburg eine
Wohnung zu finden, aber jetzt hat es sich ergeben, durch einen Zufall oder
eine glückliche Fügung, dass ich recht kurzfristig umziehe. Und das
verschafft mir schlaflose Nächte, ich kann mich einfach nicht beruhigen.
Ich wache jede Nacht zwischen drei und vier Uhr auf und kann nicht mehr
einschlafen. Was muss ich noch tun? Das Kautionskonto, Wasser, Strom,
Internet und packen. Ich wusste nicht, [1][dass ich so viel besitze].
Allein mein Bücherregal nimmt, in Kisten gemessen, mein ganzes Wohnzimmer
ein. Und der Keller! Oh, der Keller!
Am Wochenende haben wir gestrichen. So viel Hilfe habe ich und bin dafür so
dankbar.
Wenn es irgendwas auf der Welt gibt, wofür man dankbar sein kann, dann für
Freund*innen, die bereit sind, einem zu helfen. Mein Freund hilft mir,
meine Kinder, meine liebsten Freundinnen und zwischendrin höre ich, die AfD
hat [2][in Niedersachsen bei den Kommunalwahlen] ihr Ergebnis verdreifacht.
Das dringt durch meine Übermüdung wie ein dunkler Schatten. Das eine ist
das Ich, das Private, das mich in Anspruch nimmt und mich nicht schlafen
lässt, das andere ist das Wir, und das bin ja auch ich, das vielleicht
alles verändert, mehr verändert, als meine neue Wohnung mein Leben
verändert.
Aber es wird durch das Private nach hinten gedrängt. Und so geht es
sicherlich vielen, in ihrem Alltag, dass sie ein privates Leben leben, das
durchaus Schwieriges bereithält, Krankheiten, Sterbefälle, Trennungen,
Existenzängste, Geldsorgen – Dinge, die einen vollkommen beanspruchen.
Das ist schwierig genug, aber dann, durch all das hindurch, die Sorge um
unsere Gemeinschaft, um die Menschen, die weniger geschützt sind noch als
ich, um die Welt. Das ist viel, und heute scheint ja noch die Sonne und
draußen keckert ein Vogel und vielleicht wird es ein schöner Herbst.
Ich habe ja auch keine Lösung. Ich brauche einen Küchentisch und einen
Kleiderschrank. Ich brauche ein Zuhause. Dies hier war ja nur ein Übergang,
ich habe zur Untermiete gewohnt, zwei Jahre lang und jetzt muss ich
ausziehen.
Diese Untermietverhältnisse in Hamburg, sie sind symptomatisch für die
katastrophale Wohnungssituation. Die Leute wollen ihre Wohnungen einfach
nicht abgeben, auch wenn sie nicht mehr drin wohnen, weil sie ihnen so
kostbar vorkommen. Bezahlbare Wohnungen sind ein Schatz. Deshalb werden sie
untervermietet und nicht abgegeben.
Immerhin wohnt dann ja jemand drin, so wie ich, die ich jetzt zwei Jahre
zur Untermiete gewohnt habe und nie richtig hier angekommen bin, weil es
immer mal wieder hieß, ich muss wieder ausziehen, und letzten Endes musste
ich jetzt auch ausziehen und habe zum Glück eine Wohnung gefunden. Es gibt
noch nette Menschen auf der Welt und manchmal hat man auch einfach Glück.
Dass ich jetzt, wo ich dringend eine brauche, eine Wohnung gefunden habe,
in der ich gut wohnen kann, das macht mich sehr froh und dankbar.
Menschen sind unsere einzige Hoffnung. Auch wenn zunehmend einige von ihnen
eine Partei wählen, die mir ganz und gar keine Hoffnung macht. Alles hängt
miteinander zusammen, und es werden Menschen mit Migrationshintergrund
sein, die in wenigen Tagen meine Waschmaschine in die neue Wohnung tragen.
Sie werden meinen Küchenschrank in den zweiten Stock wuchten und die
vielen, schweren Bücherkisten. Ich bezahle sie, aber ich bin auch dankbar,
dass es sie gibt, dass sie hier in meinem Leben sind. In meiner Stadt.
1 Oct 2026
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## AUTOREN
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