# taz.de -- Angriff auf CSD-Mahnmal: Der Baum steht wieder
       
       > Erst wurde am Anschlagsort des CSD die Regenbogenbank zerstört, dann noch
       > der Erinnerungsbaum. Die grüne Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger
       > wolle sich nicht einschüchtern lassen.
       
 (IMG) Bild: Im Tiergarten liegen Blumen, Kerzen und Regenbogenfahnen am beschädigten Gedenkbaum für das Opfer des CSD-Anschlags
       
       Fahrradfahrer sausen vorbei. Der Erinnerungsbaum am Rande des Ahornsteigs,
       der durch den Tiergarten führt, wird an diesem Montagmittag kaum eines
       Blickes gewürdigt. Das schmale Gitter, das den Ginkgo umgibt, ist mit einer
       Regenbogenfahne und einem Stoffhasen geschmückt. Das Erdreich ist
       festgestampft, auf dem Boden liegen vereinzelt Blumen. Alles sieht fast aus
       wie zuvor, nur ein bisschen nasser und schmuddeliger, was am Wetter und den
       Grabearbeiten liegt.
       
       Das Bezirksamt Mitte hatte am Sonntag schnell reagiert und den Baum wieder
       eingepflanzt. Unbekannte hatten ihn sowie das Schutzgitter aus der Erde
       gerissen. Die drumherum liegenden Erinnerungsstücke wurden zum Teil
       ebenfalls beschädigt und im Umfeld verstreut. Der Schaden war Sonntagnacht
       gegen 1:20 Uhr von einer Polizeistreife entdeckt worden. Der Staatsschutz
       ermittle wegen Sachbeschädigung, teilte die Polizeipressestelle mit.
       
       Es ist [1][bereits der zweite Akt von Vandalismus an der Stätte im
       Tiergarten], die an den Anschlag auf den CSD erinnern soll. Am Abend des
       25. Juli hatte ein mutmaßlicher islamistischer Attentäter einen
       Kleintransporter in den Tiergarten gelenkt und dort Menschen angefahren
       oder überfahren. Eine Frau wurde getötet, mehr als 30 Personen zum Teil
       schwer verletzt. An der Stelle, wo heute der Erinnerungsbaum steht, war der
       Wagen gegen einen Baum geprallt, der im Anschluss gefällt werden musste.
       
       Eine Parkbank in Regenbogenfarben, die auch an die Tat erinnern sollte, war
       bereits Anfang September von Unbekannten vollständig zerstört worden.
       Beides, Bank und Baum, war vom Bezirksamt Mitte veranlasst worden. Sie
       sollen daran erinnern, dass Vielfalt, Respekt und ein selbstbestimmtes
       Leben in Mitte und der gesamten Stadt Berlin selbstverständlich sind. Auch
       die Bank soll wieder aufgebaut werden. Wieder und wieder, sollte es zu
       weiteren Zerstörungen kommen. „Unsere Antwort ist klar: Wir lassen uns
       nicht einschüchtern“, teilte Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger
       (Grüne) mit.
       
       Der Anschlag auf den CSD beschäftigte am Montag erneut den Innenausschuss
       des Abgeordnetenhauses. Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe (SPD) und
       Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel bekräftigten, dass [2][der
       mutmaßliche Täter, Abdul B., als islamistischer Gefährder
       „hochpriorisiert“] gewesen und nach seiner Haftentlassung intensiv
       observiert worden sei.
       
       Man habe keinen Antrag auf Fußfessel gestellt, weil die Voraussetzungen
       nicht vorgelegen hätten. B. habe sich in der Zeit vor dem Anschlag
       normenkonform verhalten. [3][„Er hat nichts falsch gemacht.“] Um
       Nachahmungstaten auf den eine Woche später in Hamburg stattfindenden CSD zu
       verhindern, seien für andere in Berlin geführte Gefährder dann aber
       Fußfesseln beantragt worden. Einige der Anträge seien zufolge dann auch von
       den Gerichten genehmigt worden.
       
       Schnellen Schrittes nähert sich eine junge Fußgängerin an diesem Montag dem
       Erinnerungsbaum. Als sie angekommen ist, freut sie sich. „Er steht wieder.“
       Sie sei mit dem CSD aufgewachsen, erzählt die 24-Jährige. Berlin habe sich
       für sie immer wie ein sicherer Raum angefühlt. In Brandenburg habe sie die
       CSDs immer viel mehr als Demo empfunden. Und nun auch noch der Vandalismus
       – „das ist doch Symbolik“.
       
       7 Sep 2026
       
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