# taz.de -- Nach dem CSD-Anschlag: Nicht alle wussten alles
       
       > Fehlende Infos und unklare Regeln: Das Violence Prevention Network
       > analysiert das CSD-Attentat und fordert Maßnahmen für bessere Prävention.
       
 (IMG) Bild: Keine sechs Wochen hat die Bank gehalten
       
       Nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in
       Berlin machen Expert:innen für Deradikalisierung konkrete Vorschläge, um
       Anschläge künftig zu verhindern. Dazu gehört der verbesserte Austausch von
       Informationen. Denn der Täter war den Behörden als Teil der islamistischen
       Szene bekannt. Auch beim [1][Violence Prevention Network] (VPN), einem
       zivilgesellschaftlichen Träger, der sich bundesweit mit Deradikalisierung
       beschäftigt, war der mutmaßliche CSD-Attentäter vor der Tat zu Gesprächen.
       VPN hat den Fall nun analysiert.
       
       Am Abend des 25. Juli fuhr Abdul B. mit einem Auto im Berliner Tiergarten
       am Rande des CSD in eine Menschengruppe. Anschließend attackierte er
       Menschen mit einer Machete. 31 Menschen wurden teils schwer verletzt. Eine
       Person starb. Nach einer öffentlichen Fahndung entdeckte die Bundespolizei
       den Täter in einem Kleingartenverein in Spandau. Bei der Festnahme wurde er
       erschossen.
       
       ## Kein menschliches Versagen
       
       Der Fall des CSD-Attentäters in Berlin sei kein Zeichen von menschlichem
       Versagen gewesen, sagt Thomas Mücke, Geschäftsführer bei VPN. Die
       beteiligten Institutionen und Personen hätten im Vorfeld das gemacht, was
       ihre berufliche Aufgabe gewesen sei. „Das Problem war eher, dass nicht alle
       alle relevanten Informationen hatten“, sagt Mücke.
       
       So hatte ein Gericht den späteren CSD-Attentäter B. aufgrund seiner
       Sympathie für den Islamischen Staat bereits zu 26 Beratungsgesprächen bei
       VPN verpflichtet. Das Urteil sei aber noch nicht rechtskräftig gewesen. B.
       erschien freiwillig bei dem Netzwerk zur Extremismusprävention. Dem VPN sei
       nur gesagt worden, dass es sich bei B. um eine als gefahrenrelevant
       eingestufte Person handle. Wichtig wäre aber gewesen, zu wissen, dass B.
       sich schon seit Jahren radikalisierte.
       
       Auch sei VPN nicht informiert worden, dass B. auf einem seiner Accounts
       schrieb, dass er „etwas tun und nicht nur rumsitzen“ wolle, sagt Mücke. „Da
       wäre er in unserem System sofort als Hochrisikoperson eingestuft worden.“
       Das wiederum hätte andere Maßnahmen mit sich gebracht. Etwa, die betroffene
       Person auch in ihr familiäres und soziales Umfeld zu begleiten.
       
       ## Hürden, die über den Fall hinaus gehen
       
       Der Fall des CSD-Attentäters zeigt Hürden, die Deradikalisierung
       grundsätzlich betreffen. Mücke vermutet fehlende Rechtssicherheit als eines
       der Hauptprobleme: „Die verschiedenen Behörden und zivilgesellschaftlichen
       Akteure sind oft verunsichert, welche Informationen sie mit wem teilen
       dürfen.“ Auch der Austausch unter den Behörden auf Länder- und Bundesebene
       funktioniere nur bedingt.
       
       Das Netzwerk fordert deswegen, dass es bundesweite, einheitliche Regelungen
       brauche: „Extremismus kennt keinen Föderalismus“, sagt Mücke. Es brauche
       eine extra Schnittstelle aus Expert:innen, die die Informationen
       koordinieren. Ähnlich wie die frühere Taskforce Islamismus, die 2024 von
       der damaligen Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) einberufen wurde,
       mittlerweile aber [2][nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form] besteht.
       
       ## Unklare Finanzierung
       
       Neben schlechtem Informationsaustausch bemängelt Mücke die [3][fehlende
       Verstetigung der Präventionsarbeit]. Dadurch ist die Finanzierung unsicher.
       Wenn es plötzlich zu einem höheren Bedarf kommt – nach dem CSD-Anschlag
       bekam das Netzwerk etwa dreimal so viele Anfragen – können das zivile
       Träger kaum stemmen. In so einem Moment würde ein mobiles Einsatzteam
       helfen, das bundesweit bei Bedarf flexibel eingesetzt werden könnte, sagt
       Mücke. Das könnte dann aus Bundesmitteln bezahlt werden.
       
       Abschließend appelliert Mücke für eine [4][Altersbegrenzung ab 16 Jahren
       für soziale Medien]: „Radikalisierung findet heutzutage größtenteils im
       Internet statt“, sagt er. Eltern sollten stärker sensibilisiert werden und
       Präventionsmaßnahmen schon in der Schule eine Rolle spielen, fordert der
       VPN.
       
       3 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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