# taz.de -- Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt: Egal, was kommt
> Tausende feiern am Samstag in Magdeburg die Demokratie und
> Zivilgesellschaft. Vor der Wahl fassen sie Mut und versprechen sich
> Zusammenhalt – egal, was kommt.
(IMG) Bild: Mehr als 10.000 Menschen feierten am Samstag vor der Landtagswahl die Demokratie und die Zivilgesellschaft in Magdeburg
Jubel vor dem Landtag in Sachsen-Anhalt. Etwa 24 Stunden bevor die
Wahllokale in Sachsen-Anhalt schließen, ist der Platz zwischen dem
Parlamentsgebäude in Magdeburg und dem Dom komplett voll. Auf einer großen
Bühne steht die Autorin Carolin Emcke und trägt ihre Gedanken zur Frage
vor: „Was für ein Land wollen wir sein?“ Tausende hören ihr zu. Und nicht
nur ihr.
Über fünf Stunden tritt an diesem Samstagnachmittag ein Act nach dem
anderen auf. Lokale Aktivist:innen wie der Antifaschist Max Schneller,
die DDR-Bürgerrechtlerin Angela Kunze-Beiküfner und der Sprecher des
Flüchtlingsrats Sachsen-Anhalt, Saaeid Saaeid, erzählen von ihren
Erlebnissen und sprechen Mut zu. Die Holocaust-Überlebende Henriette Kretz
betont: „Hass hat noch nie etwas Gutes getan.“ Deutschlandweit bekannte
Musiker:innen wie die Schlagersängerin Kerstin Ott und der Popstar Berq
sorgen mit ihren Liedern für Stimmung.
Seifenblasen schweben über der Menge und im Wind flattern hektisch ein paar
Antifa-Fahnen. Immer wieder ziehen dunkle Wolken auf, Regen fällt. Doch die
Besucher:innen des Demokratiefestivals der Zivilgesellschaft in
Sachsen-Anhalt bleiben unbeirrt auf dem Domplatz.
Landesweit haben sich Aktivist:innen, Vereine und Bündnisse in den
Wahlkampf in Sachsen-Anhalt eingemischt. Die viel beschworene
„Schicksalswahl“, aus der zum ersten Mal in der Geschichte der
Bundesrepublik eine rechtsextreme Regierung hervorgehen könnte, überließen
sie nicht den Parteien. Deren Fahnen sind auf dem Domplatz an diesem
Samstag unerwünscht. Koalitionen? Prozente? Auf der Bühne ist das kein
Thema. Hier geht es um die Menschen und ihre Zukunft.
## Radeln gegen den Faschismus
In jeder Ecke von Sachsen-Anhalt gab es in den vergangenen Wochen Aktionen,
um auf die Landtagswahl aufmerksam zu machen. Der „NoAfD-Fonds“ des
Kampagnen-Vereins Campact sammelte in seiner bislang größten Spendenaktion
Hunderttausende Euro für Initiativen in Sachsen-Anhalt. Das half zum
Beispiel dem [1][Landesverband der Migrant:innenorganisationen in
Sachsen-Anhalt (Lamsa)] dabei, Haustürgespräche in Dessau zu führen, in
denen sie nicht für eine Partei warben, sondern für die Demokratie.
Und auch ohne Campact-Geld: In der Altmark organisierten die Omas gegen
Rechts eine zehntägige Fahrradtour, [2][die „Mut- und Mitmach-Karawane“],
in Dörfer und Städte der ländlichen Region. Gemeinsam Zeit verbringen,
kochen, zelten. Sich vernetzen.
Etwas länger unterwegs war die „DemokRadtour“. Sie startete am 7. August in
Mecklenburg-Vorpommern, wo in zwei Wochen ebenfalls ein neuer Landtag
gewählt wird. Das Ziel? In beiden Bundesländern für Demokratie werben. Von
der Landeshauptstadt Schwerin fuhren die Aktivist:innen rund 1.700
Kilometer, besuchten unter anderem Greifswald, Rostock und Halle. An diesem
Samstag kommen sie parallel zum „Demokratiefestival“ in Magdeburg an.
## Bündnisse mobilisieren im ganzen Bundesland
Auch in anderen Orten Sachsen-Anhalts gab es in den vergangenen Wochen
Feste der Demokratie mit Bühnenprogramm. Mitte August lud ein Bündnis zum
Dicken Turm nach Zerbst, zwei Wochen danach feierte in Wittenberg das
Bündnis „Wittenberg Weltoffen“. Einen Tag vor der Wahl: in Halberstadt das
„Fest der Vielstimmigkeit“.
Zeitgleich treten in Magdeburg an diesem Samstag auch Prominente aus dem
Bundesgebiet auf. Luisa Neubauer von Fridays for Future, die wohl
bekannteste Aktivistin Deutschlands, sagt auf der Bühne den Tausenden
Zuschauer:innen: „Wir geben nicht auf, wir bleiben füreinander da!“
[3][Jakob Springfeld, Antifaschist aus Sachsen], erinnert daran, das
Problem mit Rechtsextremen sei kein ostdeutsches Problem.
Etwa 24 Stunden bevor die Wahllokale schließen, fragt [4][Autorin Carolin
Emcke auf der Bühne] ein weiteres Mal: „Welche Gesellschaft wollen wir
sein?“ Sie wisse, dass sich viele zurzeit niedergeschlagen fühlten und müde
seien. Doch es sei wichtig, sich auf das zu konzentrieren, was Hoffnung
macht. „[5][Welche Gesellschaft wollen wir sein?] Eine, die weiter
leidenschaftlich und lustvoll die Würde des Menschen und die Weltoffenheit
in unserer Demokratie nicht nur verteidigt, sondern jeden Tag feiert und
lebt.“
6 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Verein-Lamsa-in-Halle-an-der-Saale/!6197985
(DIR) [2] /Omas-gegen-Rechts-setzen-Zeichen/!6204807
(DIR) [3] /Junge-Leute-in-Ostdeutschland/!6207646
(DIR) [4] /Neues-Buch-von-Carolin-Emcke/!5346942
(DIR) [5] /Richtig-gute-Leute/!t6196070
## AUTOREN
(DIR) David Muschenich
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
(DIR) Magdeburg
(DIR) Zivilgesellschaft
(DIR) Rechtsextremismus
(DIR) Sachsen-Anhalt
(DIR) Wahlen in Ostdeutschland
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
(DIR) Wahlen in Ostdeutschland
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) CDU verliert die Wahl in Sachsen-Anhalt: Zeitenwende für die CDU
Die CDU mit Spitzenkandidat Sven Schulze fährt ihr historisch schlechtestes
Ergebnis in Sachsen-Anhalt ein.
(DIR) Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Taktisch wählen wirkt – aber reicht es auch?
Grüne und SPD haben bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich besser
abgeschnitten als erwartet. Allerdings auf Kosten der CDU.
(DIR) Wahlen in Sachsen-Anhalt: Eine Zäsur auch ohne absolute Mehrheit
Nach dem deutlichen Votum für die AfD in Sachsen-Anhalt braucht es andere,
neue Antworten. Demokratische Kräfte müssen jetzt zusammenhalten.
(DIR) Sachsen-Anhalt: Tausende vor der Wahl auf der Straße
Am Vorabend der Wahl ziehen Tausende Antifas durch Halle und Magdeburg.
Immer dabei: das Ringen damit, vor Ort weiterzumachen – oder zu gehen.
(DIR) Kulturkampf in Sachsen-Anhalt: Drohung nach Orbáns Vorbild
Der Kulturkampf der AfD zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat
Modellcharakter. Aufgezogen ist er nach dem Vorbild Viktor Orbáns in
Ungarn.
(DIR) „Taktisch Wählen“ in Sachsen-Anhalt: Strategie gewinnt
Die Fünfprozenthürde könnte entscheiden, ob die AfD regiert oder nicht.
Eine Kampagne wirbt deshalb für kleine Parteien. Doch wer finanziert sie?