# taz.de -- Öffentlich-Rechtliche werden rechter: Die Medienmänner für die neue Medienwelt
> Neubesetzungen beim ZDF wie der Comedian Florian Schroeder zeigen: Der
> ÖRR ist kein Bollwerk gegen den Rechtsruck. Er ermöglicht ihn vielmehr.
(IMG) Bild: Florian Schröder soll jetzt beim ZDF lustig sein, also das neue Lustig, bei dem man nach unten tritt und die oben in Ruhe lässt
Die Aufregung um die neuen Männer des ZDF lässt sich schnell von der Hand
schreiben, aber ich sehe in der Besetzung von Wyn Matthiesen bei „13
Fragen“ oder Florian Schroeder mit eigener Late-Night-Show ein viel
größeres Problem. Die beiden sind Symptome einer Medienlandschaft, die den
Rechtsruck in ihrer Passivität akzeptiert hat. Der öffentlich-rechtliche
Rundfunk hält den Ruck nicht auf – er ermöglicht ihn.
Man kann von Jan Böhmermann als Person halten, was man will. Das „[1][ZDF
Magazin Royale]“ ist mehr als er. Hinter dem Format steckt ein Mammut-Team
an Investigativjournalist*innen, die Hintergrundrecherche und Konfrontation
bis auf die Knochen beherrschen. Auch wenn dem ÖRR ohne Böhmermann eine
Galionsfigur der Satire fehlt, so war es unwahrscheinlich, dass die
Sendezeit mit ähnlich kritischen Inhalten gefüllt wird.
Wer ist jetzt Florian Schroeder? Schroeder ist ein Mann, der eine bestimmte
Form deutscher Satire betreibt und von seinem Schreibtisch aus Videos
aufnimmt, in denen er die Berliner Linke als „deutschen Ableger der Hamas“
bezeichnet. Oder in einem anderen Video über „Jammer-Ossis“ redet. Also
eine Satire, die es nicht schafft, gegen die Herrschenden zu schießen,
sondern nach unten tritt.
Als Florian Schroeders Show vorgestellt wird, versichert der Sender, das
sei keine direkte Nachfolge für das „Magazin Royale“. Medienjournalist
Stefan Niggemeier [2][schreibt in der <i>SZ</i>] über das interne
Konzeptpapier der Sendung, das ihm vorliege. Darin stünde, Schroeders Show
soll vor allem die treffen, „die sonst selten kritisiert werden: Grüne,
Linke und Co.“
Laut einer Mail, die der SZ vorliege, soll Nius-Chefredakteur Julian
Reichelt erst für die Aufzeichnung einer Sendung im Oktober erst ein- und
dann wieder ausgeladen worden sein. Weitere Themen, aus denen Niggemeier in
seinem Artikel zitiert: Warum werden NGOs vom Staat finanziert („Ist NGO
die Abkürzung für Nur vom Geld der Obrigkeit?“), oder „die Linke und der
Iran“ („Wo bleiben die Proteste? Segelt ‚Queer for Iran‘ gerade in den
Gaza-Streifen und hat keinen Empfang?“).
## Augenaufreißsmiley
Wyn Matthiesen auf der anderen Seite ist ein weitaus jüngerer,
Gen-Z-tauglicher Moderator, der bei „funk“ ein eigenes Debattenformat
bekommen hat. Einer seiner Gäste ist Nius-Journalist Julius Böhm. Das Video
titelt „Linke gefährlicher als AfD?!*Augenaufreißsmiley*“. Auch Lena
(„Lenas JF Update“), die für die Junge Freiheit schreibt, ist eingeladen
und spricht sich für Abschiebung von Migrant*innen aus.
Das Gefühl, dass weder Schroeder noch Matthiesen mit Berechtigung auf ihren
ÖRR-Positionen sitzen, sitzt tiefer als jugendlicher Neid. Es entspringt
der frustrierenden Beobachtung, dass vor allem Journalist*innen, die in
ihrer Arbeit tatsächlich fair, differenziert und emotional reguliert
kommunizieren können, gegenüber den Kollegen verlieren, die es nicht tun.
Satire und Journalismus können ja durchaus ohne Entmenschlichung oder
Diskriminierung auskommen.
So wie Schroeder und Matthiesen sind es höchstens mittelmäßig witzige, aber
vor allem entgrenzte Männer, die ihre Witze oder journalistischen Takes als
gesunde Provokation verkaufen. Dabei ist das Barometer, das schon seit
Jahren heftig nach rechts ausschlägt, schon völlig erschöpft. Der ÖRR
legitimiert hier eine Sprache, die sich dem politischen Klima in
Deutschland angepasst hat und nicht eine, die dem etwas entgegensetzt.
Und die beiden Shows konstruieren das Bild, dass den Konservativen zu wenig
zugehört wird. Ich glaube ehrlich nicht, dass der Konservatismus mit seinen
rechten Verwandten im Jahr 2026 zu wenig Sendezeit hat.
16 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Aus-fuer-ZDF-Magazin-Royale/!6211126
(DIR) [2] https://www.sueddeutsche.de/medien/zdf-florian-schroeder-satire-boehmermann-politisch-linke-gruene-li.3558450
## AUTOREN
(DIR) Yasemin Said
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