# taz.de -- Linke Spitzenkandidatin Eva von Angern: Niederlage für die „Streberin“
       
       > Mit Eva von Angern ist die Linke in Sachsen-Anhalt bei nur rund 9 Prozent
       > gelandet. Trotzdem könnte sie Königsmacherin werden.
       
 (IMG) Bild: Habitus eher bürgerlich-konservativ: Eva von Angern beim Wahlkampfabschluss der Linkspartei in Halle am 4. September
       
       Von einem „schwarzen Tag für Sachsen-Anhalt“ sprach Eva von Angern
       angesichts des Erfolgs der AfD bei der Landtagswahl am Sonntagabend. Die
       Rechtsextremen hat die linke Spitzenkandidatin stets klar abgelehnt.
       
       Vor der Wahl weigerte sie sich sogar, dem Konkurrenten von der AfD bei
       einem Fernsehduell die Hand zu geben. „Siegmund quälen? Von Angern
       wählen!“, postete die Spitzenkandidatin der Linken in Sachsen-Anhalt noch
       kurz zuvor.
       
       Doch „enttäuscht“ dürfte sie nicht nur über den blauen Balken sein. Auch
       ihre eigene Partei hat im Vergleich zu den Prognosen der letzten Monate,
       die ihnen bis zu 13 Prozent vorhergesagt hatten, schlecht abgeschnitten:
       Sie holte nur rund 9 Prozent.
       
       Eine Erklärung dafür sei, so meinen manche Linke, die Kampagne fürs
       taktische Wählen gewesen. [1][Diese hatte Menschen aufgefordert], für
       kleine Parteien wie Grüne oder SPD zu stimmen, damit diese in den Landtag
       einziehen – und so eine absolute Mehrheit der AfD unwahrscheinlicher
       machen.
       
       Im Vergleich zur letzten Wahl sind allerdings nur wenige Linken-Wähler zu
       diesen kleinen Parteien abgewandert, vielmehr verloren hat die Partei an
       BSW und AfD. Ein anderer Grund für das verhältnismäßig schlechte
       Abschneiden der Linken könnte die hohe Wahlbeteiligung gewesen sein,
       während die AfD viele Nichtwähler mobilisieren konnte.
       
       ## Schuld sei die CDU
       
       In ihrer Analyse zum AfD-Erfolg teilt die Linke ausgerechnet die gleiche
       Einschätzung, die wenige Minuten vorher der Chef der Rechtsextremen im
       ZDF-Interview abgegeben hatte: „Die CDU hat die AfD so stark gemacht, bei
       der [2][Debatte über die Rente] oder die Krankenversicherung. Das waren ja
       keine Reformen, das waren Sozialkürzungen“, sagt von Angern.
       
       Bei aller Kritik hatte die Linken-Kandidatin vorab stets betont, dass sie
       zu einer Zusammenarbeit mit der CDU bereit sei, um eine AfD-Regierung zu
       verhindern. „Wir werden aber keine AfD-Politik im Gewand der CDU
       unterstützen.“ Für eine Koalition forderte von Angern bereits im Juni in
       der taz, dass die Konservativen Abstand von ihrem aktuellen Kurs nehmen
       müssten.
       
       Schon jetzt arbeite man in Sachsen-Anhalt an vielen Stellen mit den
       Konservativen aber zusammen. Das sei „gut und vernünftig“, findet von
       Angern. Mit dem CDU-Abgeordneten Tobias Krull betreibt sie zum Beispiel ein
       Netzwerk gegen Kinderarmut. Umso absurder findet sie es, wenn CDU-Politiker
       ihre Partei mit der AfD vergleichen. Doch auch am Wahlabend schloss die
       CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann eine Koalition mit
       „Linksextremen“ aus.
       
       ## Von Angern ist keine Linksextreme
       
       Dabei ist von Angern das genaue Gegenteil. Ihr Habitus wirkt [3][eher
       bürgerlich-konservativ]. Die 49-Jährige ist verheiratet und Mutter dreier
       Söhne, ihren Geburtsnamen „von Angern“ hat sie behalten. Er stammt von
       einem alten magdeburgischen Adelsgeschlecht, wie sie nicht ohne Stolz sagt.
       Auf ihren Wahlplakaten stand „Heimat“ – ein Begriff, der Konservativen
       gefallen könnte, aber den nicht alle mögen. Ihren Kater taufte sie „Herrn
       Böhmer“ – nach Wolfgang Böhmer, dem CDU-Ministerpräsidenten, der 2002 in
       Sachsen-Anhalt regierte, als von Angern erstmals in den Landtag einzog.
       
       Geboren wurde sie in Magdeburg, beim Mauerfall war sie 13 Jahre alt und
       ging noch zur Schule. Ihre Mutter war Lehrerin, ihr Vater arbeitete beim
       Ministerium für Staatssicherheit, zur Wendezeit habe sie sich von ihren
       Eltern abgewandt, sagt sie.
       
       Politisiert hätten sie die rechtsextremen Übergriffe in den 90er Jahren.
       Deshalb sei sie Mitte der Neunziger in die PDS eingetreten, die
       Vorgängerpartei der Linken. Nach dem Abitur studierte sie Jura an der
       Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Für die Linke zog die Frau mit
       der großen runden Brille, die sich selbst als „Streberin“ bezeichnet, 2002
       als damals jüngste Abgeordnete in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein.
       Fleißig und gut vernetzt, wie sie ist, gelang es ihr, 2020
       Fraktionsvorsitzende der Linken zu werden. 2006 machte sie sich als
       Rechtsanwältin in Magdeburg selbständig.
       
       Damals war die PDS in Sachsen-Anhalt noch zweitstärkste Kraft, nach der
       CDU. Vor vier Jahren war die Linke auf 11 Prozent gesunken, auch damals war
       von Angern Spitzenkandidatin. Dass sie nun sogar unter 10 Prozent landet,
       dürfte sie schmerzen. „Wir werden diese Demokratie verteidigen“, verspricht
       sie am Sonntagabend trotz allem.
       
       6 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Bax
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