# taz.de -- Workshop mit den USA: Das Innenministerium lädt zum Anti-Antifa-Treffen
> Im Herbst will das Innenministerium mit den USA einen „Workshop“ gegen
> Linksextremismus in Deutschland abhalten. Die Linke fordert die Absage.
(IMG) Bild: Hier gepflegt mit den Amis einen Anti-Antifa-Workshop abhalten
Bald soll es so weit sein: Noch diesen Herbst will das
Bundesinnenministerium zusammen mit Vertretern der US-Regierung einen
Workshop zum Thema „Linksextremismus/-terrorismus“ abhalten – ein
Folgetermin zu einer Art [1][Anti-Antifa-Gipfel am 16. Juli in Washington].
Die Veranstaltung in Deutschland sei derzeit in Vorbereitung, heißt es aus
dem Innenministerium von Alexander Dobrindt (CSU). Es werde ein
internationaler „Law Enforcement Workshop“, zur Strafverfolgung also. Mehr
aber will das Ministerium nicht preisgeben: Zu Ort, Zeit und Einzelheiten
könne man „leider“ keine Auskünfte erteilen, so ein Sprecher. „Aus Gründen
der Veranstaltungssicherheit und um einen vertraulichen Austausch zu
ermöglichen.“
Dabei wirft der Workshop eine Reihe Fragen auf. Nicht nur, was genau dort
passieren soll. Sondern auch, ob sich Deutschland für eine US-Kampagne
gegen die politische Linke einspannen lässt – und welche Folgen dieser
US-Austausch für deutsche Aktivist*innen hat, die sich antifaschistisch
engagieren.
Die US-Regierung fährt schon länger eine Kampagne gegen linke Bewegungen.
Bereits im November 2025 wurden dort Antifagruppen als Terrororganisation
eingestuft – [2][darunter die deutsche Antifa Ost]. Dann folgte im Juli der
internationale Anti-Linksextremismus-Gipfel in Washington – und die Töne
waren brachial. Gastgeber war US-Außenminister Marco Rubio, mit dabei auch
FBI-Chef Kash Patel. Aus 67 Ländern reisten Regierungsabgesandte an,
darunter auch ein deutscher Vertreter: Christian Klos, Abteilungsleiter im
Bundesinnenministerium. Rubio geißelte die linke Gewalt weltweit, verwies
auch auf den Anschlag auf das Berliner Stromnetz zu Jahresbeginn. Und
erklärte: „Es ist an der Zeit, dieses Übel für immer zu vernichten.“
## „Im eigenen sicherheitspolitischen Interesse“
Nun also steht das zweite Event bevor, in Deutschland. Es werde ein
Austausch auf Fachebene, antwortete das Innenministerium auf eine
Linken-Anfrage. Die Bekämpfung des Linksextremismus sei „ein prioritäres
Anliegen des Bundesinnenministeriums“. Auch Deutschland sei von diesem
Phänomen betroffen, wie der Anschlag auf das Berliner Stromnetz zeige.
Zudem verfügten deutsche Behörden „über umfangreiche Erfahrungen und
Analysekapazitäten in diesem Bereich“. Die Ausrichtung des Workshops sei
also „im eigenen sicherheitspolitischen Interesse“. Auch würde die
geografische Lage vielen Delegationen die Teilnahme erleichtern.
Mit dem Workshop-Plan ist das Innenministerium in der Regierung bisher
allein. Aus dem Bundesjustizministerium von Stefanie Hubig (SPD) etwa heißt
es, man sei in die Planung nicht involviert und werde keinen Vertreter
schicken.
In der Linken ist man entrüstet. Die Trump-Regierung breche routinemäßig
Völkerrecht, betreibe einen reaktionären Staatsumbau im Inneren, jage
Migranten und kriminalisiere regierungskritische Gruppen, sagte die
Innenpolitikerin Clara Bünger der taz. „Dass die Bundesregierung sich mit
dieser Politik gemein macht, kritisiere ich scharf.“ Dazu passten aber
Dobrindts Kampfansagen gegen eine angebliche linksextreme Gefahr. Der
CSU-Mann hatte nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz angekündigt,
[3][beim Kampf gegen den Linksextremismus „deutlich aufrüsten“ zu wollen].
Büngers Forderung: „Der Workshop im Herbst muss abgesagt werden. Sollte er
stattfinden, muss er sich auf antifaschistischen Protest gefasst machen.“
Auch der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz sagte der taz, mit Blick
auf die Politik der US-Regierung sei nicht davon auszugehen, dass durch die
Konferenz „auch nur ansatzweise sinnvolle Ergebnisse erwartet werden
können, die tatsächlich zu einer Erhöhung der inneren Sicherheit
beitragen“. Als Grüne dränge man die Regierung seit Jahren, sich mit
Gefahren des Linksextremismus auseinanderzusetzen, etwa im Kontext der
letzten RAF-Generation und deren untergetauchten Mitgliedern. Nötig sei ein
„an realen Gefahren orientierter seriöser Umgang mit dem Phänomenbereich“,
so von Notz. Der aber stehe bei dem Workshop infrage. „Die Bundesregierung
sollte sich sehr genau überlegen, ob sie sich an einem solchen Format ohne
erkennbaren sicherheitspolitischen Mehrwert beteiligt und damit die
stumpfe, pauschale und unterkomplexe Agitation der MAGA-Bewegung gegen ‚die
Antifa‘ aufwertet.“
## Staatssekretär soll in Prozess vorgeladen werden
Der geplante Workshop lässt auch die Verteidiger*innen von sechs
Beschuldigten der Antifa Ost aufhorchen. [4][Sie stehen derzeit in
Düsseldorf vor Gericht] mit dem Vorwurf, Angriffe auf Rechtsextreme in
Budapest im Februar 2023 verübt zu haben. Die offene Frage: Welche Folgen
hat die Terroreinstufung der Antifa Ost für sie und den laufenden Prozess?
Am Mittwoch nun beantragten die Verteidiger Sebastian Scharmer und Erkan
Zünbül, den Innenstaatssekretär Christian Klos, der in Washington war, als
Zeugen vorzuladen. Dort solle er befragt werden, ob er und sein Ministerium
in den USA und bei der Vorbereitung des Workshops Daten über die
Angeklagten und die Vorwürfe gegen sie an die USA weitergegeben haben –
oder ob sie Informationen über die Beschuldigten von dort erhielten. Es
wäre „fernliegend und lebensfremd“, davon auszugehen, dass dies nicht
geschehen sei, so Scharmer und Zünbül.
Die Verteidiger*innen hatten schon zu Prozessbeginn eine Auskunft der
Bundesanwaltschaft eingefordert, welche Kontakte es von deutschen Behörden
mit US-Stellen bezüglich der Antifa Ost gab. Das Gericht hatte die Anträge
zurückgewiesen: Es gebe keine konkreten Anhaltspunkte, dass deutsche
Behörden ausländische Stellen zu Maßnahmen gegen die Angeklagten angeregt
hätten.
Mit dem Workshop sehen die Verteidiger*innen diesen Verdacht
„erheblich verdichtet“. Denn Rubio habe in Washington explizit über einen
Austausch von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen und von koordinierten
Strategien in der Strafverfolgung gesprochen, so Zünbül und Scharmer. Eine
Entscheidung des Gerichts über den Antrag steht aus.
2 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Konrad Litschko
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