# taz.de -- Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt: Bündnis gegen die Einsamkeit
> In den ländlichen Regionen Sachsen-Anhalts stellt sich Annekatrin Els vom
> Zerbster Bündnis für Demokratie gegen den Rechtsruck.
(IMG) Bild: Annekatrin Els ist Vorstandsmitglied im Zerbster Bündnis für Demokratie
Das sachsen-anhaltische Bornum, in dem Annekatrin Els aufgewachsen ist,
liegt „weit draußen auf dem platten Land“, so beschreibt sie es selbst. Der
Rechtsruck, der sich momentan deutlicher denn je angesichts der anstehenden
Landtagswahl manifestiert, ist hier schon lange spürbar.
Kurz vor den Europawahlen 2024 gründete sich als Gegenbewegung das
[1][Zerbster Bündnis für Demokratie]. „Es kann sich einsam anfühlen hier
draußen, weil man so vom Rechtsruck umgeben ist“, so Els. „Wir wollten
durch das Bündnis füreinander da sein und anderen zeigen, dass es hier auch
anders geht.“
Annekatrin Els ist seitdem nicht nur ein engagiertes Mitglied, sondern auch
Teil des Vorstands. Inzwischen besteht das Kernteam aus 16 Leuten,
insgesamt wird das Bündnis aber von über 100 Menschen unterstützt. Allein
im letzten Monat kamen 10 weitere Leute dazu. Seit seiner Gründung bringt
das Bündnis Menschen in der Region zusammen und miteinander ins Gespräch.
Mal durch öffentliche Mahlzeiten, mal durch Abendveranstaltungen. Im August
waren Gäste wie Monika Ehrhardt-Lakomy, Autorin des „Traumzauberbaums“, und
der Leiter einer KZ-Gedenkstätte eingeladen. In der Runde wurde diskutiert,
was Deutschland mit Blick auf die eigene Geschichte für die Zukunft lernen
kann.
## Gesicht zeigen trotz Risiko
Vor Kurzem hat das Bündnis mit anderen Organisationen aus Aken, Bitterfeld
und Köthen außerdem eine Posterkampagne gestartet. Sie porträtiert Menschen
mit unterschiedlichen politischen Überzeugungen und Berufen, die sich mit
einem persönlichen Statement für die demokratischen Parteien aussprechen.
Einige lehnten die Teilnahme an der Kampagne ab – [2][aus Angst vor
Angriffen und beruflichen Nachteilen im Fall eines AfD-Sieges].
Auch Annekatrin Els bekommt wegen ihres Engagements Gegenwind, besonders
auf Social Media. „Es geht einfach immer unter die Gürtellinie“, berichtet
sie. Was sich nach den Wahlen alles ändern könnte, möchte sie sich am
liebsten gar nicht ausmalen, nicht nur als Vorstand des Bündnisses, sondern
auch im Privaten. „Ich bin alleinerziehende Mutter von einem Schwarzen
Kind, das eine Behinderung hat. Schon im jetzigen System war es schwer,
eine gute Versorgung und Unterstützung zu finden.“
Auch in einer möglichen AfD-Niederlage in Sachsen-Anhalt sieht sie keine
Entspannung der Situation. „Egal wie die Wahl ausgeht, die AfD wird weiter
eine Rolle spielen.“ Umso wichtiger sei es daher, dass die anderen Parteien
die Unzufriedenheit der Menschen ernst nehmen und sich um echte Änderungen
bemühen.
## Was gegen die Unzufriedenheit hilft
Vorschläge, um der Unzufriedenheit entgegenzuwirken, hat Annekatrin Els
viele: die Vergütung von Care-Arbeit, Investitionen in Bildung und
Gesundheit. Außerdem müssen die Dörfer wieder lebendiger werden. Einsamkeit
sei ein großes Problem, das dem Rechtsruck in die Hände spielt.
„Hier gibt es kaum noch Dorfkneipen, kaum noch soziale Treffpunkte. Es
fehlt an Austausch und Anreizen von außen.“ Auch hier will das Bündnis
durch seine Angebote Abhilfe und gleichzeitig ein Bewusstsein dafür
schaffen, welche Rolle Politik im Leben jeder einzelnen Person spielt. „Für
viele Menschen ist Politik nur das, was ‚da oben‘ passiert. Dabei ist
[3][alles, was wir machen], in irgendeiner Form politisch“, so Els. Worauf
es ankomme, sei am Ende der soziale Zusammenhalt, den jede Gesellschaft
braucht. „Das, was wir eigentlich wollen, kann man ‚da oben‘ gar nicht
kreieren. Wir wollen Gemeinschaft, ein gutes Leben und dass es unseren
Kindern gut geht. Um das zu schaffen, müssen wir alle zusammenarbeiten und
anpacken.“
5 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://zerbster-buendnis-fuer-demokratie.de/
(DIR) [2] /Antifaschismus-in-Sachsen-Anhalt/!6204731
(DIR) [3] /Landtagswahlen-im-Osten/!6204801
## AUTOREN
(DIR) Evke Bakker
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