# taz.de -- Mieten, Kabinettsklausur, Social Media: Ein Nietendeckel tut's auch
       
       > Die Bauministerin mag Mietendeckel nicht, Merz träumt von KI-Deutschland
       > und Migrant:innen streiken in Magdeburg. Und Meta soll Milliarden
       > zahlen.
       
 (IMG) Bild: Bauministerin Verena Hubertz hält den Mietendeckel für unrealistisch. Angesichts des Wohnungsmangels steht die Politik unter Druck
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Missmut, Verdrießlichkeit, Verdruss.
       
       taz: Und was wird besser in dieser? 
       
       Küppersbusch: „Sacksen-Anhalt“ bekommt ein „k“ geschenkt.
       
       taz: Die Bundesministerin für Bauen und Wohnen Verena Hubertz (SPD) hält
       den von der Linken geforderten Mietendeckel für unrealistisch. Haben sie
       einen realistischeren Vorschlag? 
       
       Küppersbusch: Vielleicht tut's auch eine Schwallmauer oder eine
       Nietenobergrenze. Der gesellschaftliche Skandal des Wohnungsmangels
       erzeugte allerlei medizinisch zweifelhafte Schonhaltungen wie Bremsen,
       Deckel, Obergrenzen, die dann wiederum dazu führten, dass der Skandal
       einfach anhält und man aber echt was dagegen unternommen hat. Ergebnis: 1,8
       Millionen Wohnungen fehlen in Deutschland, neuer Rekord, Zahlen des
       „Sozialen Wohn-Monitors“ von Mieterbund, IG Bau und anderen. Let's call it
       „Marktinfarkt“, das reimt sich und führt zum Punkt: Wenn etwas so umfassend
       scheiße läuft, könnte es der Staat überhaupt noch schlechter? Ja! Linke und
       SPD haben 2004 den [1][Berliner gemeinnützigen Wohnungsbestand] gemeinsam
       verscherbelt und wohnen beide eher intellektuell zur schlecht möblierten
       Untermiete, wenn sie das Publikum heute mit noch mehr improvisiertem
       Bastelkram begeistern wollen. Der Staat muss bauen. Punkt.
       
       taz: Bundeskanzler [2][Merz möchte, dass Deutschland „der führende Ort für
       industrielle KI“] wird. Wird hier Wettbewerb vor Umweltfragen und
       kritischem Umgang mit KI gesetzt? 
       
       Küppersbusch: Auf der Höhe der NSA-Affäre 2013 forderte Kanzlerin Merkel
       „europäische soziale Netzwerke“. Die könnten, wie dunnemals „Airbus gegen
       Boeing“, überraschend erfolgreich sein. Beim Stichwort „Merkels
       Airbus-Vergleich“ notierte das Protokoll heitere Häme und
       „Neuland!“-Zurufe. Nichts geschah. Merz fokussiert „industrielle KI“ und
       trifft damit genauer die durchaus wenigen deutschen Firmen und Institute,
       die anwendungsnahe Lösungen erforschen und anbieten. Ohne dem CDU-Chef
       abseitige Neigungen wie Datenschutz, Umwelt und Regulierung zu
       unterstellen, würden europäische und deutsche Projekte doch in den hiesigen
       gesetzlichen und moralischen Grenzen verlaufen –können, sagen wir mal.
       Sprich: KI-Lösungen, die nach dem Kollaps der Techbros-Diktatur gefragt
       sein werden. Beides müsste jetzt nur noch kommen. (KI kann Fehler machen.
       Ich aber auch.)
       
       taz: In Magdeburg blieben bei einem „[3][Migrantenstreik]“ 160 Läden
       geschlossen, um auf die Gefahr durch die AfD aufmerksam zu machen. Denken
       Sie, das rüttelt Leute wach? 
       
       Küppersbusch: Blödes Paradox: Die Partei mit der krassesten
       Fremdenfeindlichkeit reüssiert besonders da, wo es die wenigsten Fremden
       gibt. Sacksen-Anhalt liegt bei 7,9 % Ausländeranteil, die anderen Ostländer
       zwischen 6,5 und 8,4 % – verglichen mit einem Bundesschnitt von 14,9 %.
       Deshalb staune ich erst mal über die stattliche Zahl der streikenden
       migrantischen Unternehmer, gratuliere zu ihrem Mut – „unser Dorf soll döner
       werden“ auch im Osten, und schaue etwas beschämt auf die nichtmigrantische
       Wirtschaft dort: Was müsste denn mal so passieren, damit die auch streiken?
       
       taz: Meta einigt sich in einem Prozess mit US-Bundesstaaten auf einen
       milliardenschweren Vergleich und verspricht mehr Jugendschutz. [4][Ist das
       gut genug?] 
       
       Küppersbusch: Mut zur Tücke: Teile des Vergleichs muss Meta, also Whatsapp,
       Insta, Facebook, Threads – nur umsetzen, wenn es „Industriestandard“ wird,
       also für alle Wettbewerber auch gilt. Bessere Altersüberprüfung,
       Zeitbegrenzung für Kinder, abschaltbare Suchfaktoren. Und das gilt nur in
       den US-Staaten, die geklagt haben. Im Grunde ruft der Zuckerberg-Konzern
       nach einer mindestens nationalstaatlichen Regulierung. In den USA kann er
       sich drauf verlassen, dass die nicht kommt.
       
       taz: Ein Gericht in Moskau hat den Balkan-Korrespondenten der FAZ, Michael
       Martens, international zur Fahndung ausgeschrieben. Erfährt Martens genug
       Solidarität? 
       
       Küppersbusch: Die EU hat einen deutschen Publizisten russischer
       Propaganda-Medien sanktioniert und damit berufs- und handlungsunfähig
       gemacht, Hüseyn Dogru. Wollen die tauschen oder wie bescheuert wird's denn
       noch?
       
       taz: Der Kriegsverbrecher [5][Ratko Mladić] ist in einer UN-Haftanstalt
       verstorben. Ist das Kapitel Jugoslawienkriege damit abgeschlossen? Und was
       wäre die historische Lektion? 
       
       Küppersbusch: Trump, Netanjahu und viele andere haben draus gelernt, dass
       man bei diesem universellen Menschenrecht besser nicht mitmacht.
       US-Außenminister Rubio betreibt eine Kampagne gegen den Internationalen
       Strafgerichtshof. Immerhin ohne Mladić als Testimonial.
       
       taz: Und was macht der RWE? 
       
       Küppersbusch: Dienstag 20 Uhr schließt das Transfer-Fenster. Bis dahin
       lerne ich den Kader noch nicht auswendig.
       
       Friedrich Küpperbusch ist Journalist, Produzent und grundlos optimistisch.
       
       Fragen: Selina Hellfritsch, waam
       
       30 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ausverkauf-der-Stadt/!6010700
 (DIR) [2] /Kabinettsklausur-nach-der-Sommerpause/!6207109
 (DIR) [3] /Migrantischer-Streik-in-Magdeburg/!6206957
 (DIR) [4] /Vergleich-fuer-Meta/!6204784
 (DIR) [5] /Nach-Tod-des-Kriegsverbrechers-Mladic/!6207951
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Friedrich Küppersbusch
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Die Woche
 (DIR) Friedrich Küppersbusch
 (DIR) Mietendeckel
 (DIR) Feinde der Pressefreiheit
 (DIR) Schwerpunkt Meta
 (DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Mietendeckel
 (DIR) Schwerpunkt Meta
 (DIR) Reporter ohne Grenzen
 (DIR) Bundesregierung
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Maßnahmen gegen den Mietenwahnsinn: 70 Initiativen für bundesweiten Mietendeckel
       
       Eine breit unterstützte Petition fordert von der Bundesregierung
       Preisgrenzen für Wohnungen. Trotz Wahlkampf glänzt die Berliner SPD mit
       Abwesenheit.
       
 (DIR) Milliarden-Vergleich von Meta in den USA: Sucht und Sühne
       
       Meta einigt sich im Prozess mit US-Bundesstaaten auf einen
       milliardenschweren Vergleich und verspricht mehr Jugendschutz. Die
       wichtigsten Fragen und Antworten.
       
 (DIR) Russische Einschüchterungsversuche: Haftbefehl gegen „FAZ“-Korrespondenten
       
       Wegen einer Frage auf einer Pressekonferenz in Belgrad hat Russland Michael
       Martens, den Balkan-Korrespondenten der „FAZ“, zur Fahndung ausgeschrieben.
       
 (DIR) Kabinettsklausur nach der Sommerpause: Deutschland künstlich intelligent
       
       Der erste Tag der Kabinettsklausur widmet sich der Wirtschaft: Viel
       Hoffnung richtet sich da auf künstliche Intelligenz. Zu Recht?