# taz.de -- Russische Einschüchterungsversuche: Haftbefehl gegen „FAZ“-Korrespondenten
> Wegen einer Frage auf einer Pressekonferenz in Belgrad hat Russland
> Michael Martens, den Balkan-Korrespondenten der „FAZ“, zur Fahndung
> ausgeschrieben.
(IMG) Bild: Russische Behörden haben den Journalisten Michael Martens (FAZ) zur Fahndung ausgeschrieben
Russland hat den Balkan-Korrespondenten der [1][Frankfurter Allgemeinen
Zeitung (FAZ)], Michael Martens, zur Fahndung ausgeschrieben. Der Kreml
hatte gegen den Journalisten Haftbefehl erhoben, wegen „öffentlicher
Anstiftung zu Hass und Feindseligkeit“. Der Deutsche Journalistenverband
(DJV) und Reporter ohne Grenzen verurteilen das scharf.
Hintergrund war eine Frage, die Martens bei einer Pressekonferenz in
Belgrad Anfang August stellte. Er wollte vom ukrainischen Präsidenten
Wolodymyr Selenskyj wissen, was die Europäer tun könnten, um mehr russische
Soldaten zu töten. Dabei sagte er zunächst nur „Russen“, verbesserte sich
aber gleich in „russische Soldaten“.
Russische Staatsmedien und Vertreter:innen der Regierung griffen
Martens nach der Pressekonferenz scharf an. Sie bezeichneten die Frage des
Journalisten als „kriminell“. Der ehemalige russische Präsident und
aktuelle stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates,
[2][Dmitri Medwedjew], sagte einer russischen Nachrichtenagentur: Wer
solche Fragen öffentlich stelle, müsse damit rechnen, „dass es eine Antwort
geben wird“.
## Die FAZ bedauert die Frage
Zwei Tage nach der Pressekonferenz drückte die FAZ in einem Statement ihr
Bedauern aus: Die Frage ihres Korrespondenten sei „missverständlich
formuliert“ gewesen. Es entspreche nicht der redaktionellen Linie, dass
„möglichst viele russische Soldaten getötet“ werden sollen.
Vergangene Woche wurde dann öffentlich, dass die russischen Behörden
Martens zur Fahndung ausgeschrieben haben. Als Grund wird laut der
russischen Nachrichtenagentur TASS ein Strafverfahren wegen „Anstiftung zum
Hass“ gegen den Journalisten genannt. Demzufolge sei ein Verfahren nach
Artikel 282 des russischen Strafgesetzbuchs eröffnet worden. Eine
Verurteilung könnte eine Haftstrafe von bis zu sechs Jahren bedeuten.
Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV), Mika
Beuster, sieht Martens einem besonderen Risiko ausgesetzt: Als
Balkan-Korrespondent müsse Martens regelmäßig in Staaten in Südosteuropa
reisen. „Da besteht die Gefahr, dass der Haftbefehl in Staaten mit engen
Beziehungen zu Russland vollstreckt wird“, sagt Beuster.
## Mehr politische Unterstützung gefordert
Der DJV fordert nun, dass Außenminister Johann Wadephul den russischen
Botschafter einbestellt. „Ein Haftbefehl gegen einen Journalisten aufgrund
der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit ist ein inakzeptabler Angriff auf
die Pressefreiheit“, sagt DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster.
Das Auswärtige Amt teilte der taz auf Anfrage mit, die Entwicklungen in dem
Fall aufmerksam zu beobachten. Man stehe mit Martens in engem Austausch.
Weiter heißt es, man fordere von Russland weiterhin in allen geeigneten
Foren und über alle geeigneten Kanäle ein, „die Kriminalisierung und
Verfolgung von freier Meinungsäußerung einzustellen“.
Die russische Botschaft hatte sich unterdes an die Berliner
Staatsanwaltschaft gewandt, um prüfen zu lassen, ob gegen Martens auch nach
deutschem Recht vorgegangen werden könnte. Auf taz Anfrage bestätigt die
Berliner Staatsanwaltschaft, dass ein entsprechendes Schreiben bei ihnen
eingegangen ist. Zunächst müsse geprüft werden, ob ein Anfangsverdacht
vorliege. Damit sei aber nicht die Aufnahme von Ermittlungen verbunden,
sagt ein Sprecher der taz.
Auch die Nichtregierungsorganisation [3][Reporter ohne Grenzen] verlangt
nach politischer Unterstützung für Martens: „Die Bundesregierung und die
Europäische Union müssen klarmachen: Russische Repression gegen unabhängige
Medien darf nicht international verlängert werden“, sagt Christian Mihr,
Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen.
Mittlerweile stellt sich auch die FAZ deutlicher hinter ihren
Korrespondenten. In einem aktuellen Statement verurteilt die Zeitung die
Fahndung als „Einschüchterungsversuch gegenüber einem deutschen
Journalisten und der freien Presse“. Man weise den Versuch zurück,
unabhängige Berichterstattung durch strafrechtliche Drohungen zu behindern.
Seit 2002 berichtet Martens für die FAZ über Südosteuropa, zeitweise lebte
er auch in Belgrad.
25 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Clara Dünkler
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