# taz.de -- Frauen im Landtag von Sachsen-Anhalt: Es lebe die neue alte Männerwelt
> Durch das starke Abschneiden der männerdominierten AfD gibt es im neuen
> Landtag von Sachsen-Anhalt weniger Frauen denn je. Das werden Frauen bald
> merken.
(IMG) Bild: Werden sich noch wundern: Teilnehmerinnen einer Wahlkampfveranstaltung der AfD im Ballsaal Bismarckhoehe in Werder (Havel)
Männer, Männer, Männer. Wohin man auch blickte am Wahlabend bei der AfD –
Anzugträger. So sieht auch die AfD-Fraktion im neuen Magdeburger Landtag
aus: Unter den 39 Abgeordneten finden sich nur zwei Frauen – und der
Frauenanteil im Parlament sinkt auf unter 22 Prozent. Damit hat der Landtag
von [1][Sachsen-Anhalt den niedrigsten Frauenanteil aller Landesparlamente]
in Deutschland. Und zugleich den niedrigsten in dem ostdeutschen Bundesland
seit dessen Entstehung nach der Wiedervereinigung. Zum Vergleich: Die
[2][Hamburgische Bürgerschaft ist nahezu paritätisch besetzt,] die
Bremische kommt auf über 40 Prozent weibliche Abgeordnete.
Dass Frauen jetzt weitgehend aus dem anhaltischen Parlament verschwinden,
liegt auch an ihnen selbst. Denn auch sie haben den Rechtsextremen massiv
zum Wahlsieg verholfen: 39 Prozent der Wählerinnen in Sachsen-Anhalt
stimmten für die AfD. In allen Altersgruppen plädierten Frauen am
häufigsten für die Partei mit dem rückwärtsgewandten Frauen- und
Familienbild, die auf die weiße Mutter-Vater-Kind(er)-Familie setzt sowie
Gleichstellungsrichtlinien und weibliche Selbstbestimmung abschaffen will.
Im AfD-Wahlprogramm ist das alles mal direkt, mal euphemistisch formuliert.
So soll das „Recht auf körperliche Unversehrtheit auch für ungeborenes
Leben gelten“ sowie „eine Ultraschalluntersuchung des ungeborenen Kindes“
durchgeführt werden – ein klares Nein zu Abtreibungen. „Funktionierende
Familien“ machten Schulsozialarbeit und Pflegeheime überflüssig, weil sie
„tüchtige junge Menschen“ hervorbrächten, „die ihren Lebensunterhalt selbst
verdienen“. Es ist von einer „Nachwuchsprämie“ und einer „Eigenheimprämie“
für Eltern die Rede und von einem „Baby-Begrüßungsgeld“, Kitas und
Schulessen sollen kostenfrei sein. Wie sie all das finanzieren will, verrät
die Partei allerdings nicht. Gleichwohl hat Sachsen-Anhalt laut dem Bund
der Steuerzahler die [3][höchste Pro-Kopf-Verschuldung aller
Flächenländer.] Ende 2026 dürfte der Schuldenstand 25 Milliarden Euro
erreichen.
Rechtsextremismus und Antifeminismus reichen sich die Hand – eine Binse,
gewiss. Aber eine, die die Frauen in Sachsen-Anhalt ab jetzt deutlich zu
spüren bekommen werden. Auch jene, die dafür ihr Kreuz in der Wahlkabine
gemacht haben. Manche werden das reaktionäre Frauen- und Familienbild
bewusst in Kauf genommen, andere vielleicht nicht mal einen Blick ins
„Regierungsprogramm“ geworfen haben.
Sie mögen sich in Sicherheit wiegen, dass es kein Zurück in die 1950er
Jahre der Bundesrepublik geben wird. Denn Frauen dürfen ja weiterhin
arbeiten gehen, so wie das Ostfrauen gewohnt sind. Und die Einverdienerehe
trägt sich finanziell schon lange nicht mehr. Frauen dürfen auch weiterhin
in Politik, Medien, Wissenschaft, Verwaltung mitmachen. Aber ihr Anteil
wird sinken. Denn da, wo Männer das Sagen haben, rekrutieren sie
ihresgleichen – es lebe die neue alte Männerwelt.
11 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2026/PD26_36_p002.html
(DIR) [2] /Gleichstellung-in-der-Politik/!5883312
(DIR) [3] https://www.steuerzahler.de/aktuelles/detail/schulden-des-landes-sachsen-anhalt-wachsen-um-36-euro-pro-sekunde/
## AUTOREN
(DIR) Simone Schmollack
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