# taz.de -- BSW-Austritte in Thüringen: Wer die AfD verhindern will, muss auf die Linke setzen
       
       > In Thüringen stützt die Partei jetzt eine CDU-geführte
       > Minderheitsregierung. Bald auch in Sachsen-Anhalt? Das widerlegt die
       > Klischees über die Linke.
       
 (IMG) Bild: Das BSW dürfte bald Geschichte sein. Doch die Linke erweist sich als Fels in der Brandung
       
       Der Zerfall des BSW schreitet unaufhaltsam voran. Seit das Bündnis Sahra
       Wagenknecht bei der Bundestagswahl nur knapp an der Fünfprozenthürde
       gescheitert ist, wird es zwischen widerstreitenden Interessen zerrieben.
       Daran ist in [1][Brandenburg schon die Koalition] des BSW mit der SPD und
       der gesamte Landesverband zerbrochen. Und seit Sahra Wagenknecht vor der
       Wahl in Sachsen-Anhalt die Devise ausgegeben hat, dort mit der AfD
       zusammenzuarbeiten und ihr im Zweifel sogar an die Macht zu verhelfen,
       fällt auch ihr [2][Thüringer Landesverband], der dort mit CDU und SPD eine
       Regierung bildet, auseinander.
       
       Fast alle der einst 15 BSW-Abgeordneten haben nun mit [3][Katja Wolf die
       Partei verlassen], darunter ihre drei Minister. Sie wollen die Regierung
       weiter stützen. Nur ist diese schon jetzt auf Stimmen der Linken
       angewiesen, um handlungsfähig zu sein. Das Szenario könnte sich in
       Sachsen-Anhalt wiederholen. Dort dürfte es, wenn man den aktuellen Umfragen
       traut, ebenfalls zu einer Minderheitsregierung kommen, die sich im Zweifel
       auf die Linke stützen müsste, um zu verhindern, dass die AfD an die Macht
       kommt.
       
       Die Linke erweist sich im Osten als Fels in der Brandung. Sie widerlegt
       damit all jene Klischees, die über die Partei verbreitet werden: Sie habe
       sich radikalisiert, ideologisch verhärtet und sei nicht kompromissbereit.
       Das Gegenteil ist der Fall. Zwar hat die Linke ihr soziales Profil
       geschärft, und die [4][Haltung zu Israel] sorgt zuverlässig für interne
       Querelen. Doch in der Partei herrscht weitgehend Konsens, dass man zur Not
       auch eine CDU-Minderheitsregierung stützen muss, um eine AfD-Regierung zu
       verhindern – darüber sind sich von Heidi Reichinnek bis Luigi Pantisano
       alle einig.
       
       Auch wenn manchen eine Fundamentalopposition lieber wäre: Die Alternative
       wäre politisches Chaos und der AfD das Feld zu überlassen. Das will keiner.
       Die politische Konkurrenz sollte deshalb aufhören, die Linke zu
       dämonisieren. Die Empörung über den [5][Auftritt eines Rappers bei einem
       Linken-Fest] in Neukölln etwa ist billig. Schließlich haben CDU und SPD
       kein Problem damit, in Thüringen mit dem BSW zu koalieren, das gegenüber
       Israel wesentlich schrillere Töne anschlägt.
       
       ## Der Antisemitismus-Vorwurf ist vorgeschoben
       
       Das gespielte Entsetzen über angeblichen Antisemitismus in der Linkspartei
       hat ohnehin andere Gründe. In der Hauptstadt liegt die Linke in Umfragen
       vor Grünen und SPD, und dort wird auch bald gewählt. Weite Teile beider
       Parteien haben aber wenig Lust auf eine Enteignungs-Debatte, wie sie die
       Linke führen möchte, und darauf, unter einer linken Bürgermeisterin die
       zweite Geige zu spielen. Lieber bilden sie mit der CDU eine
       Weiter-so-Koalition. Dafür brauchen sie eine gute Ausrede. Der
       „Antisemitismus“-Vorwurf kommt da sehr gelegen.
       
       Das ist allerdings kurzsichtig. Denn es ist gerade dieses Weiter-so, dass
       AfD und Linken zusätzlichen Auftrieb verschaffen wird. Klüger wäre es,
       gegenüber der Linken verbal abzurüsten. Das BSW dürfte bald Geschichte
       sein. Doch auf die Linke wird es weiter ankommen.
       
       4 Sep 2026
       
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