# taz.de -- Nach BSW-Austritten in Thüringen: Wie geht es weiter für die Brombeer-Koalition?
       
       > Neun weitere BSW-Abgeordnete in Thüringen verlassen die Partei – darunter
       > auch die Finanzministerin. Der Ministerpräsident bedankt sich für die
       > „Klarheit“.
       
 (IMG) Bild: Katja Wolf, Finanzministerin von Thüringen (Foto von August 2026)
       
       Schulter an Schulter gingen Ministerpräsident Mario Voigt (CDU),
       Innenminister Georg Maier (SPD) und Finanzministerin Katja Wolf (Ex-BSW)
       auf die Mikrofone im Thüringer Landtag zu. An diesem Freitag sind neun
       weitere BSW-Abgeordnete aus ihrer Partei ausgetreten. Sie wollen vorerst in
       ihrer Fraktion verbleiben. Was bedeutet das für die Brombeer-Koalition?
       Voigt gab sich gelassen: „Wir stehen gemeinsam verlässlich für eine
       Politik, die Menschen im Land müssen sich keine Sorgen machen.“ Es sei ein
       Tag der „Klarheit“.
       
       Die drei Minister:innen der Thüringer Regierung, die das BSW gestellt
       hat, würden auch nach ihrem Austritt aus der Partei im Amt bleiben,
       erklärte Voigt. Neben Finanzministerin Wolf sind das: Digitalminister
       Steffen Schütz und Umweltminister Tilo Kummer. Alle drei erklärten, sie
       stünden weiterhin hinter dem Koalitionsvertrag. „Wir arbeiten als Regierung
       stabil zusammen“, betonte Voigt. Seine Koalition sei weiter
       regierungsfähig.
       
       Dabei ist bislang unklar, wie es genau weitergeht. Da die Landesregierung
       bis zum BSW-Kollaps immer nur über die Hälfte der Stimmen im Landtag
       verfügte, 44 von 88, brauchte sie für Entscheidungen mindestens eine Stimme
       von anderen Fraktionen. Da es einen Ausschluss mit der AfD gab, blieb da
       nur die Linke. Der dafür vorgesehene „Konsultationsmechanismus“ bestehe
       weiter fort, erklärte Voigt am Freitag.
       
       [1][Die Linke] schien das anders zu sehen: „Mit dem heutigen Tag ist aus
       unserer Sicht die Regierungskoalition geplatzt“, sagte Linken-Fraktionschef
       Christian Schaft der dpa am Freitag in Erfurt. Ein Koalitionspartner habe
       sich verabschiedet. Der Koalitionsvertrag sei zwischen Parteien geschlossen
       worden und nicht zwischen Einzelpersonen. „Wir können nicht einfach so zur
       Tagesordnung übergehen“, betonte Schaft. Damit das Parlament weiterarbeiten
       könne, bedürfe es klarer und fester Verabredungen.
       
       ## Verbliebenen fordern Rückgabe der Mandate
       
       Insgesamt 13 von 15 BSW-Landtagsabgeordnete haben im Laufe der Woche ihren
       Austritt aus der Partei erklärt. Mitte der Woche waren bereits vier
       Abgeordnete aus dem BSW ausgetreten, drei dieser Abgeordneten – Stefan
       Wogawa, Roberto Kobelt und Dirk Hoffmeister – verließen auch die
       Landtagsfraktion. Die drei Ex-BSW-Politiker wollen mit einer eigens
       gegründeten Partei „Deine Stimme zählt“ eine parlamentarische Gruppe
       bilden.
       
       Nach dem Parteiaustritt neun weiterer Abgeordneter am Freitag sind von den
       12 Mitgliedern der BSW-Fraktion nur noch zwei auch Mitglieder des BSW. Die
       anderen zehn wollen zunächst in der Fraktion verbleiben, wie
       Fraktionsvorsitzende Sigrid Hupach erklärte. Über den Fortbestand soll bei
       einer Fraktionssitzung in der kommenden Woche beraten werden.
       
       Die beiden verbliebenen BSW-Abgeordneten im Thüringer Landtag, Anke Wirsing
       und Sven Küntzel forderten indes ihre ehemaligen Parteikolleg:innen
       auf, ihre Mandate zurückzugeben. „Wer auf BSW-Ticket im Landtag sitzt, muss
       BSW-Politik machen oder den Platz räumen“, hieß es dazu in einer
       Pressemitteilung. Diese war überschrieben mit „Mandatsdiebstahl ist
       Wählerbetrug“.
       
       „Hier regiert bald eine Gruppierung mit, die niemand gewählt hat und deren
       einzige Perspektive in der Absicherung von Abgeordnetendiäten und
       Ministerposten bis zum Ende der Wahlperiode besteht“, sagte Wirsing. Sie
       ist Beisitzerin im Bundesvorstand der Partei und gilt mit Küntzel als
       einzige Vertreter:in des Lagers von [2][Parteigründerin Sahra
       Wagenknecht].
       
       ## Sahra Wagenknecht: Austritte sind kalkuliert
       
       Diese äußerte sich am Freitagnachmittag auch selbst auf Social Media zu den
       Austritten. Auch Wagenknecht erklärte zunächst betont optimistisch: „Das
       ist ein Befreiungsschlag für das BSW!“ Das Agieren der Thüringer
       Landtagsfraktion störte sie schon seit Jahren. Allerdings sei der
       Austrittszeitpunkt gewählt, um dem BSW „vor der Wahl in Sachsen-Anhalt
       maximal zu schaden“, glaubt die Parteigründerin. Die Wahl ist am Sonntag,
       das BSW liegt dort in Umfragen bei 4 Prozent.
       
       Warum die BSW-Abgeordneten aus ihrer Partei ausgetreten sind? Bei der
       Pressekonferenz der Landesregierung am Freitagmittag erklärte Katja Wolf,
       [3][es seien mehrere „rote Linien“ vom BSW-Bundesvorstand] um Wagenknecht
       überschritten worden.
       
       Erstens sei da „ein für mich nicht mehr erträglicher Flirt mit Herrn Höcke
       im Landtag“ gewesen. Zweitens sei das BSW in Thüringen „zum Spielball“ für
       den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt geworden. Und drittens: „Dass der
       Bundesvorstand beschlossen hat, dass wir in Thüringen nicht nur einen
       Ministerpräsidenten abzuwählen haben, sondern die Regierungskoalition
       verlassen müssen“, erklärte Wolf.
       
       Schon bei einer vorhergehenden Pressekonferenz der BSW-Fraktion hatte Wolf
       gesagt, die Abgeordneten stünden weiterhin zum Gründungskonsens des BSW. In
       den vergangenen Jahren hatte die Bundesspitze des BSW um Gründerin
       [4][Sahra Wagenknecht allerdings immer wieder kritisiert, dass das
       Thüringer BSW mitregiert]. „Nicht wir haben uns von der Partei entfernt,
       sondern die Partei hat sich von uns entfernt“, so die bisherige
       Landeschefin Wolf. Hinter ihr standen dabei die zehn
       Ex-BSW-Parteimitglieder.
       
       ## Fraktion bleibt bestehen
       
       Neben den Landtagsabgeordneten erklärte auf der BSW-Pressekonferenz auch
       der geschäftsführende Vorstand in Thüringen seinen Austritt aus der Partei
       und seinen Rücktritt. In einem kurzen Videostatement äußerte BSW-Landeschef
       Gernot Süßmuth, auch er trete aus der Partei aus. „Das BSW Thüringen ist
       nicht mehr zu retten.“ Das sei in den letzten Tagen klar geworden.
       
       Digitalminister Steffen Schütz erklärte lachend, derzeit plane die Gruppe
       der Ausgetretenen keine neue Parteigründung. „Wir werden mit Sicherheit
       denselben Fehler nicht zweimal machen und Parteien, die nach Menschen
       benannt sind, sicherlich nicht neu aufleben lassen.“ Und was bedeutet das
       für die Wahl in Sachsen-Anhalt? Die Wähler:innen sollten sich genau
       überlegen, bei welcher Partei sie ihr Kreuz machen, sagte Schütz.
       
       4 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /BSW-Austritte-in-Thueringen/!6206572
 (DIR) [2] /Thueringen-Wie-Sahra-Wagenknecht-das-BSW-zerlegt/!6205275
 (DIR) [3] /BSW-Streit-um-Brombeer-Koalition/!6205203
 (DIR) [4] /Eskalation-in-der-Wagenknecht-Partei/!6204464
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) David Muschenich
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Thüringen
 (DIR) Brombeer-Koalition
 (DIR) BSW
 (DIR) GNS
 (DIR) Schwerpunkt Thüringen
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) BSW
 (DIR) BSW
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) BSW-Austritte in Thüringen: Wer die AfD verhindern will, muss auf die Linke setzen
       
       In Thüringen stützt die Partei jetzt eine CDU-geführte
       Minderheitsregierung. Bald auch in Sachsen-Anhalt? Das widerlegt die
       Klischees über die Linke.
       
 (DIR) Krise der Wagenknecht-Partei: BSW-Fraktion in Thüringen bricht auseinander
       
       Vier BSW-Abgeordnete treten aus der Partei aus, weil ihre Bundesspitze
       „immer verrückter“ agiere. Für Thüringens CDU-Ministerpräsident Voigt wird
       es noch enger.
       
 (DIR) Misstrauensvotum in Thüringer Landtag: Höcke schon wieder gescheitert
       
       AfD-Fraktionschef Björn Höcke hat Thüringens CDU-Ministerpräsidenten Mario
       Voigt zum zweiten Mal erfolglos herausgefordert. Warum die Abstimmung ein
       Test war.
       
 (DIR) Linkspartei in Sachsen-Anhalt: Mit einem „Zukunftsfonds“ gegen die AfD
       
       Zwei Wochen vor der Landtagswahl stellt die Linke einen Neun-Punkte-Plan
       für Sachsen-Anhalt vor. Damit unterstreicht sie ihren Gestaltungsanspruch.