# taz.de -- Afghan*innen in Iran: Im Visier des Regimes
> Afghanische Migrant*innen, die in Iran leben, hatten sich Protesten
> gegen das Regime angeschlossen. Nun wurden manche von ihnen hingerichtet.
(IMG) Bild: Protest in Frankfurt gegen Hinrichtungen im Iran
Am frühen Donnerstag wurde im Zentralgefängnis von Isfahan Ghaem Hosseini
hingerichtet. Der 20-jährige Afghane war während der Anti-Regime-Proteste
im Januar in Iran festgenommen worden, berichtete die
[1][Menschenrechtsorgsanisation Hengaw]. Den Behörden zufolge war er am
„Fall vom Alichani-Platz“ beteiligt, wo in einem
Arbeiter*innenviertel der Großstadt Demonstranten eine Polizeistation
in Brand gesetzt, 4 regierungstreue Milizangehörige getötet und [2][deren
Leichen geschändet hätten]. Danach seien mindestens 35 Menschen verhaftet,
12 von ihnen zum Tode und weitere 23 zu Freiheitsstrafen verurteilt worden.
Schon im Januar hatten Staatsmedien ihre „unter Folter erzwungenen
Geständnisse“ gesendet, [3][so die in Oslo ansässige Organisation Iran
Human Rights].
Hosseini ist bereits der fünfte Hingerichtete in diesem Fall, darunter war
im Juli ein weiterer Afghane, der 23-jährige Gul Muhammad Muhammadi.
Todesstrafen erhielten auch 3 weitere Landsleute. Auch bei den Protesten
selbst wurden mehrere Afghan*innen getötet, darunter unbeteiligte
Passant*innen.
Festgenommen wurden auch mindestens 2 afghanische Frauen. Hamira Scharifi
wurde im Juni in Teheran zu fünf Jahren Haft verurteilt, ohne dass konkrete
Anklagepunkte gegen sie veröffentlicht wurden. Seitdem habe sie mindestens
[4][sechsmal versucht, sich das Leben zu nehmen]. Die 21-jährige Sahra
Musavi, Tochter afghanischer Immigrant*innen, erhielt im Mai im
ostiranischen Maschhad zehneinhalb Jahre Haft, weil sie Molotow-Cocktails
hergestellt habe. [5][Laut Hengaw] erklärten die Behörden danach ihre
iranische Geburtsurkunde für ungültig und drohen ihr mit Abschiebung nach
Afghanistan.
## Alltagsrassismus und Entrechtung
Die Beteiligung von Afghan*innen an den Protesten ist bemerkenswert, da
sie in Iran oft halblegal und prekär leben und sich politisch zurückhalten
müssen. [6][Exilafghanische Medien beklagen „Hassreden“ gegen sie]. Der
iranische Autor [7][Paniz Musavi Natanzi schrieb], dass selbst
reformorientierte Journalist*innen „ähnlich wie die deutsche AfD“ von
einer „Migrationsflut aus Afghanistan“ sprechen.
Viele erleben [8][Alltagsrassismus und Entrechtung]. Die öffentliche
Meinung kehre sich weiter gegen sie, nachdem die staatliche Propaganda
einige Afghanen beschuldigt hatte, sie hätten für Israel Bombenziele
ausgekundschaftet. Stimmen aus der Zivilgesellschaft versuchten, dem
entgegenzuwirken, würden jedoch „von populistischer Wut und
wirtschaftlicher Frustration übertönt“, so Natanzi.
## 3,9 Millionen Afghan*innen abgeschoben
Auch andere afghanische Aktivist*innen in Iran sehen sich Repressionen
gegenüber. Im Juli vorigen Jahres wurde [9][Exilmedien zufolge] Sara
Gohari, eine 29-jährige afghanische Soziologiestudentin an der Universität
Teheran, inhaftiert, nachdem sie versucht hatte, Zwangsabschiebungen zu
dokumentieren. Seit 2023 schob Iran rund 3,9 der bis zu 6 Millionen dort
lebenden Afghan*innen ab.
Etwa zur gleichen Zeit verschwand Ehsan Hosseini, ein afghanisch-iranischer
Doppelstaatler aus seiner Wohnung in Qom. Er hatte sich für arbeitende
Kinder, Frauenrechte und Migrant*innen eingesetzt und dabei mit
akademischen und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen in Iran kooperiert.
Der Verbleib beider ist zurzeit unbekannt.
## Auch Regimeunterstützende unter Afghan*innen in Iran
Viele Afghan*innen unterstützen aber auch das Regime. Tausende schlossen
sich der Fatemiun-Division an, die an der Seite iranischer Streitkräfte in
Syrien kämpfte. Einige Beobachter*innen bezeichnen die Miliz als
afghanische Mini-Hisbollah. Nach dem Sturz des Assad-Regimes wollten sich
viele Mitglieder dem bewaffneten Kampf gegen die Taliban in Afghanistan
anschließen. Aus Rücksicht auf sein Verhältnis mit Kabul verhindert Iran
das bisher.
21 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://hengaw.net/en/news/2026/08/article-124
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(DIR) [5] https://hengaw.net/en/news/2026/07/article-59
(DIR) [6] https://8am.media/eng/afghan-refugees-in-iran-enduring-humiliation-and-deportation/
(DIR) [7] https://www.merip.org/2025/06/banned-from-the-game-working-class-masculinity-and-anti-afghan-racism-in-iran
(DIR) [8] https://8am.media/eng/afghan-refugees-in-iran-enduring-humiliation-and-deportation/
(DIR) [9] https://www.iranintl.com/en/202507283974)
## AUTOREN
(DIR) Thomas Ruttig
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