# taz.de -- Hinrichtungen in Iran: Protest gegen eine Machtdemonstration des Regimes
> In der iranischen Stadt Isfahan gehen Menschen gegen die Hinrichtung von
> Demonstranten auf die Straße. Eine junge Frau wird dabei laut Augenzeugen
> erschossen.
(IMG) Bild: Proteste gegen Hinrichtungen in Iran von Exil-Iraner:innen in London
Zwei Demonstranten – der 28-jährige Amir-Hossein Safari und der 23-jährige
Abolfazl Sepahi – wurden am Dienstagmorgen in der iranischen Stadt Isfahan
hingerichtet. Fotos, die in den sozialen Medien kursieren, zeigen Kräne,
die in der Nacht auf Dienstag auf einem öffentlichen Platz aufgestellt
wurden. Dort wurden die beiden Demonstranten beim ersten Gebetsruf am
Morgen gehängt.
Laut der in Oslo ansässigen Organisation Iran Human Rights hat Iran allein
in diesem Jahr [1][mindestens 424 Todesurteile] vollstreckt, die meisten
davon in Zusammenhang mit Drogendelikten. [2][Aber auch mehr als 50
Demonstrierende wurden hingerichtet]. Im Jahr 2025 fielen laut Amnesty
International 2.159 Menschen den staatlichen Hinrichtungen in Iran zum
Opfer – so viele, wie nirgends sonst auf der Welt.
Im Falle von politischen Häftlingen finden die Vollstreckungen der
Todesurteile in der Regel im Verborgenen statt. Die Öffentlichkeit erfährt
erst im Nachhinein davon. Doch im Falle von Amir-Hossein Safari und
Abolfazl Sepahi war es anders.
Den beiden Demonstranten warfen die Behörden vor, während des
Massenaufstands im Januar vier Regimekräfte getötet zu haben. Ihre
Geständnisse wurden laut Menschenrechtsorganisationen wohl unter Folter
erzwungen. Zwei weitere Männer wurden in Zusammenhang mit demselben Prozess
bereits hingerichtet.
An Safari und Sepahi wollte die iranische Justiz nun wohl ein Exempel
statuieren: Sie wurden öffentlich gehängt – und zwar direkt auf dem
Alikhani-Platz, dem Ort, an dem auch die Sicherheitskräfte ums Leben kamen.
Der Alikhani-Platz befindet sich im Norden Isfahans und verbindet
verschiedene Arbeiterviertel. In den letzten Jahren wurde er immer wieder
zum Schauplatz von Massenprotesten.
## Dann eröffneten die Sicherheitskräfte das Feuer
[3][Die öffentliche Hinrichtung] sollte wohl als Machtdemonstration und als
Abschreckung dienen. Doch in Iran treffen staatliche Hinrichtungen auf eine
Zivilgesellschaft, die die Todesstrafe seit Jahrzehnten aktiv bekämpft. Vor
zwei Wochen traten im Ghezel-Hesar-[4][Gefängnis] in der Stadt Karadsch
rund 1.500 iranische Häftlinge in den Hungerstreik, um gegen Hinrichtungen
zu protestieren.
Im Falle des Alikhani-Platzes mobilisierten sich sofort Hunderte Menschen.
Als die Regimekräfte in der Nacht auf Dienstag begannen, Kräne für die
bevorstehende Hinrichtung aufzubauen, verbreiteten sich die Bilder davon in
den sozialen Medien wie ein Lauffeuer. Binnen weniger Stunden versammelte
sich eine große Menschenmenge, um die Hinrichtung zu stoppen – trotz
Lebensgefahr für die Demonstranten selbst.
Das Regime hatte Reaktionen aus der Bevölkerung offensichtlich erwartet und
Hundertschaften an Sicherheitskräften zum Schutz der Hinrichtung
bereitgestellt. Videos von Augenzeugen zeigen, wie die Sicherheitskräfte
zuerst versuchen, die friedlichen Demonstranten durch Tränengas zu
vertreiben. Dann eröffneten sie das Feuer. Eine junge Psychologiestudentin
soll laut Augenzeugenberichten, die noch unbestätigt sind, dabei ums Leben
gekommen sein.
Im Augenblick droht drei weiteren Männern – Ali Daschti, Amir-Hossein
Maleki und Ghaem Hosseini – im Zusammenhang mit dem Alikhani-Platz-Prozess
die unmittelbare Hinrichtung. Ihre Familien wurden laut iranischen
Aktivisten zu einem letzten Besuch ins Gefängnis eingeladen.
29 Jul 2026
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## AUTOREN
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