# taz.de -- Hinrichtungen in Iran: Tödliches Kontrollinstrument
> Für das Mullah-Regime sind Exekutionen ein Mittel zum Machterhalt,
> einzelne Menschenleben zählen nichts. Seit den Protesten im Januar 2026
> nimmt ihre Zahl weiter zu.
(IMG) Bild: Protest gegen die Hinrichtungen im Iran. Für das Regime ein Mittel die Bevölkerung maximal einzuschüchtern
Nachdem US-Präsident Donald Trump im Januar noch „help“, also „Hilfe“, für
die gegen das Mullah-Regime Demonstrierenden in Iran versprach, spielt das
Wohl der iranischen Bevölkerung in seinen jüngsten Äußerungen längst keine
Rolle mehr. Eine Ausnahme waren acht Frauen, deren Foto Trump letzte Woche
auf seiner Online-Plattform Truth Social teilte. Die acht Iranerinnen
hätten die Todesstrafe bekommen, behauptete Trump in seinem Post, doch die
iranische Regierung habe das Urteil „aus Respekt“ vor ihm wieder
aufgehoben.
Der Fall zeigt, wie die iranische Regierung [1][Hinrichtungen] strategisch
als innen- und außenpolitisches Instrument nutzt. Seit Jahren gilt Iran als
das Land mit der zweithöchsten Zahl an Hinrichtungen nach China, doch 2025
brach das Regime neue Rekorde – 1.639 Menschen wurden exekutiert, 58
Prozent mehr als 2024.
Laut Beobachtern hat dies direkt mit dem 12-Tage-Krieg im Juni 2025 zu tun.
Volker Türk, Hoher Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte,
sprach von einem „Instrument der staatlichen Einschüchterung“. Nachdem das
iranische Regime eine militärische Demütigung erlitten hatte, wollte es
durch die Todesstrafen wieder ein Signal der Kontrolle und Stärke
aussenden.
Normalerweise betrifft der größte Teil der Anklagen, die mit einer
Todesstrafe enden, Drogendelikte oder Morde. Marginalisierte Gruppen, wie
Migranten und ethnische Minderheiten, sind unter den Angeklagten
überdurchschnittlich vertreten.
[2][Wenn aber Demonstranten zum Tod verurteilt werden], fällt auf, dass
junge Sportler überdurchschnittlich oft betroffen sind. Diese Menschen
werden vor allem von Jüngeren als Role Models wahrgenommen. Dadurch soll
gerade unter jüngeren Regimegegnern Terror und Angst verbreitet werden. Der
letzte Fall ist nur wenige Tage alt: Am 30. April wurde der 21-jährige
Karate-Champion Sasan Azadvar gehängt.
## Beide Seiten lügen über die Gefangenen
Der Fall der acht Frauen, die Trump online teilte, zeigt außerdem: Auch die
USA versuchen, das Schicksal iranischer Gefangener für ihre Zwecke zu
nutzen.
Kurz nachdem Trump das Foto der acht Frauen hochlud, herrschte zunächst
Verwirrung. Reichweitenstarke iranische Accounts auf Social Media –
darunter die Accounts mehrerer Botschaften der Islamischen Republik –
bestritten, dass die Frauen überhaupt existierten. Ihre Gesichter seien
KI-generiert. Mizan News, das offizielle Medium der iranischen Justiz,
gestand dann zwar ein, dass die Frauen sehr wohl reale Menschen seien. Sie
seien jedoch nie zum Tode verurteilt worden und mehrere seien bereits
freigelassen worden.
Faktenchecker von Euronews belegten mithilfe zweier iranischer
Menschenrechtsorganisationen, dass sowohl Trump als auch die iranische
Justiz über die Frauen gelogen haben.
Eine der Frauen, Bita Hemmati, habe gemeinsam mit ihrem Mann, ihrem Bruder
und zwei Freunden tatsächlich die Todesstrafe erhalten. Der Grund: Sie
hatte im Januar an den Protesten teilgenommen. Laut dem unabhängigen Medium
IranWire sei das Todesurteil noch nicht rechtskräftig.
Zu den übrigen Frauen liegen aber nur lückenhafte Informationen vor.
Während etwa einer Frau, Mahboubeh Shabani, die Todesstrafe drohe, seien
die übrigen Frauen wohl weiterhin in Haft – wobei unsicher blieb, welches
Urteil ihnen droht. Von einer weiteren Frau, Panah Movahedi, fehle seit
ihrem Verschwinden während der Proteste am 9. Januar jede Spur, so
IranWire.
## „Justiz-Limbo“ als politisches Machtinstrument
Dass so wenige Informationen über die Inhaftierten nach außen dringen, ist
kein Zufall, sondern Taktik seitens des iranischen Regimes. Oft wissen
nicht einmal die Betroffenen und ihre Angehörigen, weshalb sie festsitzen
und welche Anklage gegen sie erhoben wird.
„Wir sprechen in solchen Fällen von ‚Barzakh‘, was so viel wie ‚Limbo‘
bedeutet. Die Menschen sitzen oft monate- oder sogar jahrelang ohne
offizielles Urteil in den Gefängnissen“, sagt ein iranischer Aktivist
gegenüber der taz. Der Mann, der anonym bleiben möchte, sammelt unter
anderem Spendengelder für die Familienangehörigen verhafteter
Demonstranten.
Betroffene, die im [3][iranischen Justiz-Limbo] festsitzen, sind dem Staat
völlig ausgeliefert. Manchmal folgt tatsächlich ein Todesurteil – ohne dass
die Angeklagten die Möglichkeit haben, sich zu verteidigen. Oder die
Betroffenen werden plötzlich willkürlich freigelassen, als Teil einer
Generalamnestie, die die Güte des Obersten Führers unter Beweis stellen
soll. Das Schicksal dieser Menschen hängt davon ab, was die politischen
Verhältnisse gerade erfordern.
4 May 2026
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(DIR) Teseo La Marca
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die tatsächliche Anzahl wohl höher. Die Gerichtsverfahren sind oft unfair.