# taz.de -- Justizministerin Stefanie Hubig: Politik-Simulation
> Sie sind beliebt und zugleich gefürchtet: „PolitikerIn x fordert
> y“-Nachrichten. Sie füllen Sendezeit, haben aber meist keinerlei
> Erfolgsaussichten.
(IMG) Bild: Stefanie Hubig fordert neue Rechte für Mieter. Doch der mediale Vorstoß könnte eine politische Einigung sogar erschweren
Sie, liebe MedienkonsumentInnen, haben es sicherlich schon vergessen:
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch [1][hat Facharzttermine für
KassenpatientInnen innerhalb von drei Wochen] gefordert. Denn lange
Wartezeiten seien nicht gerecht gegenüber privat Versicherten. Oder das
hier: CSU-Bundesinnenminister Dobrindt hat [2][einen verpflichtenden
Zivilschutz an Schulen gefordert], denn, so Dobrindt: „Vorsorge schafft
Sicherheit.“
Die zwei Wortmeldungen stammen aus Medieninterviews von diesem März. Es
sind die bei NachrichtenredakteurInnen gefürchteten und zugleich beliebten
„PolitikerIn x fordert y“-Nachrichten. Beliebt, weil sie über eine
nachrichtenarme Zeit hinweghelfen, gefürchtet, weil sie in den meisten
Fällen eben nur eine Wortmeldung sind und allermeistens verpuffen.
Ähnlich in baldige Vergessenheit zu geraten droht der aktuelle Vorstoß von
SPD-Justizministerin Stefanie Hubig, die mehr Rechte von Mietern bei
Hitzeschutzmaßnahmen fordert: Klimaanlagen oder Markisen sollen sie, anders
als jetzt, ohne Genehmigung des Vermieters installieren dürfen. Ein
nachdenkenswerter Vorschlag, nur führt das „Fordern“ via Medien dazu, dass
sich der Koalitionspartner oder Interessengruppen, in diesem Fall die
Hauseigentümer, reflexhaft darauf einschießen können.
Strategisch klüger wäre es, erst einmal im Stillen die Handlungsspielräume
mit dem Koalitionspartner und eben jenen Interessengruppen auszuloten. Es
kann sein, dass das Thema bei [3][der nächsten Kabinettsklausur auf die
Tagesordnung] kommt – doch ist das Thema nun bereits öffentlich zerredet
worden.
Die Praxis, irgendwelche Vorschläge über die Medien zu lancieren, ist
meistens nicht Politik, sondern Politikinszenierung; Hauptsache, man zeigt
– oder simuliert – Tatkraft. PolitikerInnen sollten mit dieser Methode
sparsamer umgehen – und JournalistInnen ihre Instrumentalisierung durch die
Politik mehr hinterfragen.
21 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-03/facharzt-termin-anspruch-miersch-spd-vorschlag-gxe
(DIR) [2] https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/zivilschutz-schulen-minister-dobrindt-100.html
(DIR) [3] https://www.tagesspiegel.de/berlin/bundesregierung-kabinettsklausur-zur-wirtschaft-auch-klimafolgen-als-thema-15959634.html
## AUTOREN
(DIR) Gunnar Hinck
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