# taz.de -- Verlängerung der Grenzkontrollen: „Gefühl des Nichtwillkommenseins“
> Innenminister Dobrindt (CSU) will die Grenzkontrollen verlängern. Warum
> eine Industrie- und Handelskammer enttäuscht ist und was neue Asylregeln
> bringen sollen.
(IMG) Bild: Ein Beamter der Bundespolizei überwacht am frühen Morgen die Einreise am deutsch-polnischen Grenzübergang
dpa/taz | Eine erneute Verlängerung der stationären Grenzkontrollen zur
Eindämmung illegaler Migration stößt bei der Industrie- und Handelskammer
Ostbrandenburg auf wenig Begeisterung. Brandenburgs Sozialminister René
Wilke (SPD), der für Migration zuständig ist, sagte auch mit Blick auf die
Umsetzung der europäischen Asylreform: „Grenzkontrollen müssen eine
Maßnahme auf Zeit bleiben.“
Der Leiter Regionalpolitik bei der IHK Ostbrandenburg, Robert
Radzimanowski, teilte der dpa auf Anfrage mit: „Die IHK Ostbrandenburg ist
enttäuscht von der erneuten Verlängerung der Grenzkontrollen zu Polen.“ Man
hätte sich einen Wegfall in diesem Jahr gewünscht.
Die Kontrollen an den deutschen Außengrenzen sollen um ein weiteres halbes
Jahr bis Mitte März verlängert werden. Dies meldete Bundesinnenminister
Alexander Dobrindt (CSU) offiziell bei der EU-Kommission an. An der Grenze
zu Polen gibt es die Kontrollen bereits seit Oktober 2023.
## „Gefühl des Nichtwillkommenseins“
Um die bisherigen [1][Erfolge beim Zurückdrängen] der illegalen Migration
zu erhalten, müssten flexible und angepasste Binnengrenzkontrollen
aufrechterhalten werden, hatte Dobrindt Ende Juli nach der Ankunft
Zehntausender Flüchtlinge in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta
gesagt.
Nach wie vor seien die Kontrollen eine große Belastung für die
Logistikbranche, sagte dagegen Radzimanowski. Fahrzeiten über die Grenze
und in der Grenzregion seien durch Grenzstaus nicht kalkulierbar und mit
erheblichen Mehrkosten für Fahrer und Fahrzeuge verbunden. Zwar habe sich
die Situation in diesem Jahr durch veränderte Fahrspuren auf der A12 bei
der Einreise nach Deutschland verbessert. Aber es komme durch die
Kontrollen weiterhin zu langen Staus.
„Im Umkehrschluss wird deshalb wohl auch Polen die Grenzkontrollen zu
Deutschland verlängern“, sagte der IHK-Experte in Frankfurt (Oder). „Die
Anwesenheit von bewaffneten Grenzschützern trägt zu einem Gefühl des
Nichtwillkommenseins auf beiden Seiten der Grenzregion bei, bei Einwohnern,
Arbeitspendlern, Touristen, Studierenden und nicht zuletzt Unternehmern.“
In Europa gelten seit Juni verschärfte Regeln für Asylsuchende – mit
Inkrafttreten des [2][Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Gea]s). Es gibt
vermehrt Rufe, die deutschen Grenzkontrollen zu beenden. Die Zahl der
unerlaubten Einreisen an den deutschen Grenzen ist stark zurückgegangen.
## Ministerium: neue EU-Regeln erst in Anlaufphase
Nach Ansicht von Minister Wilke muss es eines der wesentlichen Ziele des
neuen europäischen Asylsystems sein, die innereuropäischen Grenzkontrollen
überflüssig zu machen. Das teilte seine Behörde mit. [3][Geas sei
allerdings erst seit kurzer Zeit] in Kraft und damit in der Anlaufphase.
„Minister Wilke hat daher Verständnis dafür, dass das bestehende System nur
mit größtmöglicher Gewissheit über das Funktionieren des neuen Systems
abgelöst werden kann.“ Er erwarte daher, dass gemeinsam konsequent an der
Umsetzung des neuen europäischen Asylsystems gearbeitet und der Zeitpunkt
für die Beendigung der Kontrollen klug gewählt werde.
Die EU-Asylreform sieht unter anderem vor, dass Asylverfahren an den
EU-Außengrenzen durchgeführt werden sollen, wo Schutzsuchende erstmals
ankommen. Menschen mit geringen Aussichten auf Schutz sollen dort
festgehalten und bei einem negativen Bescheid abgeschoben werden.
20 Aug 2026
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