# taz.de -- Extremsommer in Deutschland: 14.000 Hitzetote – vielleicht auch ein paar Tausend mehr
> Laut RKI ist die Zahl der Hitzetoten um rund 1.500 weiter gestiegen.
> Mediziner gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl noch sehr viel
> höher liegt.
(IMG) Bild: Zu heiß?
Die Zahl der Hitzetoten in diesem Sommer ist weiter gestiegen. Das Robert
Koch-Institut schätzt mittlerweile, dass in Deutschland etwa 14.000
Menschen durch die extreme Hitze ums Leben gekommen sind. Das geht aus dem
am Donnerstag veröffentlichten [1][Wochenbericht zur hitzebedingten
Mortalität des RKI] hervor. Damit stieg die Zahl der Toten gegenüber der
Vorwoche nochmals um rund 1.500.
In den Vorjahren hatte das RKI nie mehr als 5.000 Hitzetote pro Jahr
geschätzt. Auch der Rekordwert aus dem Jahr 2018 ist längst übertroffen.
Damals hatte es laut RKI rund 9.000 Fälle gegeben.
Die tatsächliche Zahl der Hitzetoten in diesem Sommer könnte aber noch viel
höher liegen. Mehrere Mediziner, darunter der ehemalige
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), haben die Schätzungen des
RKI bereits als „zu konservativ“ kritisiert.
Die genaue Zählung der Hitzetoten ist ein schwieriges Unterfangen, da Hitze
nur in sehr wenigen Fällen als Todesursache auf den Sterbeurkunden vermerkt
wird. Wenn allerdings in einem bestimmten Zeitabschnitt deutlich mehr
Menschen sterben, als zu erwarten wäre, spricht man von Übersterblichkeit –
für die dann ein Grund vermutet werden kann.
## Modell stößt an Grenzen
In diesem Sommer war vor allem für die letzte Juni- und für die erste
Juliwoche eine extreme Übersterblichkeit beobachtet worden. In den beiden
Wochen wurden laut Statistischem Bundesamt rund 11.200 Tote mehr gezählt
als im Schnitt der Vorjahre. Ende Juni waren in Deutschland landesweit über
mehrere Tage hinweg die Temperaturen auf Rekordwerte von bis zu und über 40
Grad gestiegen.
Das RKI übernimmt für seine Schätzungen nicht die puren Zahlen des
Statistischen Bundesamtes, sondern bezieht zum Beispiel auch die
Durchschnittstemperaturen der einzelnen Bundesländer mit ein. Das Modell
konnte laut RKI die Entwicklungen der Hitzetoten bis zum Sommer 2025 sehr
gut abbilden.
In diesem Extremsommer scheint es aber an seine Grenzen zu stoßen. Den
[2][vom RKI selbst veröffentlichten Kurven] zufolge ist die Zahl der
beobachteten Sterbefälle in den Extremwochen Ende Juni deutlich höher, als
es das eigene Modell berechnet hat. Die Statistiker des Robert
Koch-Instituts kommen für diese Zeit auf nur 9.600 durch die Hitze
verursachte Todesfälle.
Auch in der nun neu in die Berechnung eingeflossenen ersten Augustwoche war
es bedingt durch den Klimawandel wieder sehr heiß. [3][Laut Daten der
Wetteranalyseseite mtwetter] lag die mittlere Tagestemperatur fast
durchgängig bei rund 22 Grad. Steigt dieser Wert über 20 Grad, ist davon
auszugehen, dass auch die Zahl der Hitzetoten steigt.
## Kritik an den Zahlen
Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach geht davon aus, dass in Deutschland
mehr Menschen an den Folgen von Hitze sterben als bislang geschätzt. Der
SPD-Bundestagsabgeordnete sagte der Rheinischen Post: „Das Robert
Koch-Institut fährt eine eher konservative Methodik. Das heißt, dass die
Zahl der Hitzetoten eher unterschätzt wird.“ Zugleich verteidigte er die
Methodik. Der Ansatz des RKI sei „gut vertretbar, denn die relativen
Veränderungen lassen sich so trotzdem gut abbilden“.
Ähnlich argumentiert der medizinische Geschäftsführer der Deutschen
Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Uwe
Janssens. „Es sind sicherlich mehrere Tausend Todesfälle mehr“, hatte der
Intensivmediziner bereits am Wochenende den Zeitungen der Funke
Mediengruppe gesagt. Viele Fälle würden nicht als hitzebedingt erfasst,
weil auf Totenscheinen etwa Organversagen stehe. Er gehe deshalb davon aus,
dass die RKI-Zahlen „nicht die gesamte Dramatik abbilden“.
Patientenschützer [4][haben daher bereits gefordert], die Zahl der
Hitzetoten besser zu erfassen und Hitze als Todesursache auf Totenscheinen
zu vermerken.
Anm. der Redaktion: In einer früheren Version hieß es versehentlich, die
Zahl der Hitzetoten sei auf 12.500 gestiegen. Das war die Zahl der
Vorwoche. Wir haben das korrigiert.
20 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html
(DIR) [2] https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html
(DIR) [3] https://www.mtwetter.de/regionales_tagesmittel.php?par=mo_ttc&datum=2026-08®ion=DE&klima=1961
(DIR) [4] /Hitzetote-in-Deutschland/!6204527
## AUTOREN
(DIR) Gereon Asmuth
## TAGS
(DIR) Hitze
(DIR) Hitzetote
(DIR) Robert Koch-Institut
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Hitze
(DIR) Nutztiere
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Klimakrise: Hitzefolgen kosten Wirtschaft 36 Milliarden Euro
Ernteausfälle und gestoppte Binnenschifffahrt sorgen für enorme Schäden.
Greenpeace warnt, die wahren Kosten des trockenen Sommers seien noch höher.
(DIR) Klimawandel in der Schweiz: Badespaß für Menschen, Lebensgefahr für Fische
Zürich wird zum mediterranen Badeparadies. Der Wasserpegel sinkt, die
Temperaturen steigen – und ein besonderes Phänomen beschleunigt die
Erwärmung.
(DIR) Hitzetoten-Statistik: Fatale Debatte
Karl Lauterbach hält die Hitzetoten-Zahlen des RKI für zu niedrig.
Inhaltlich hat er recht – für die Diskussion ist die Kritik dennoch fatal.
(DIR) Hitzetote in Deutschland: Patientenschützer wollen Hitze als Todesursache erfassen
Das Robert-Koch-Institut unterschätze die Zahl der Hitzetoten in
Deutschland, sagen Patientenschützer. Hitze gehöre als Todesursache auf den
Totenschein.
(DIR) Wenn es Nutztieren zu warm wird: Die Hitze und das liebe Vieh
Mindestens zehntausend Nutztiere starben während der Hitzewelle im Juni,
zeigt eine taz-Recherche. Offiziell erfasst werden die Fälle kaum.
(DIR) Neue Zahlen: Hitze tötet mehr Menschen als je zuvor
Das Robert-Koch-Institut bilanziert fast 10.000 Todesopfer für dieses Jahr.
Trotzdem lassen Verwaltungen kühlende Stadtbäume fällen.