# taz.de -- Hitzetoten-Statistik: Fatale Debatte
       
       > Karl Lauterbach hält die Hitzetoten-Zahlen des RKI für zu niedrig.
       > Inhaltlich hat er recht – für die Diskussion ist die Kritik dennoch
       > fatal.
       
 (IMG) Bild: Karl Lauterbach hält die Zahl von 14.000 Hitzetoten für zu niedrig und löst damit eine Debatte über die RKI-Schätzung aus
       
       Endlich wird über die Zahl der Hitzetoten debattiert. Rund 14.000 Menschen,
       [1][so schätzte das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem neuen
       Wochenbericht am Donnerstag], sind in diesem Sommer durch die vom
       Klimawandel verstärkten Hitzewellen vorzeitig ums Leben gekommen. Fast
       10.000 allein an den wenigen Tagen Ende Juni, als republikweit die
       Temperaturrekorde gebrochen wurden.
       
       Das sind, nur um mal die Dimension begreiflich zu machen, zehnmal mehr als
       durch den Mauerbau, [2][an den kürzlich erinnert wurde], und die innerhalb
       von 29 Jahren starben. Dreimal mehr, als durch den Terroranschlag 2001 in
       New York ums Leben kamen, dessen 25. Jahrestag im September begangen wird.
       Aber 10.000 Tote in ein paar Tagen in Deutschland? Die lassen das Land
       bisher seltsam unberührt.
       
       Deshalb sollte man froh sein, dass führende Medizinpolitiker mit ein wenig
       Zahlenkritik jetzt die Diskussion anheizen. So hat nun
       Ex-SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach darauf hingewiesen, dass die
       RKI-Zahlen auf einer konservativen Schätzung beruhen – und tatsächlich wohl
       ein paar Tausend Opfer mehr zu beklagen sind.
       
       Die Kritik ist angebracht. Dummerweise könnte sie für die
       gesamtgesellschaftliche Debatte dennoch fatal sein: Denn die Zahlen des RKI
       werden von den Berufsignoranten von extrem rechts bis in die Mitte der
       Gesellschaft ohnehin schon infrage gestellt. Weil es sich themenbedingt um
       Modellrechnungen und Analysen der statistischen Übersterblichkeit handelt,
       die vielen schwer nachvollziehbar erscheinen, stehen den Zweiflern Tür und
       Tor offen. Wenn nun noch berechtigte Kritik von kompetenter Seite
       hinzukommt, droht die Glaubwürdigkeit der RKI-Zahlen endgültig zu
       zerbröseln.
       
       Dabei müssten sie Grundpfeiler sein für eine erbitterte politische Anklage
       der Bundesregierung bis hoch zum Bundeskanzler. Denn Friedrich Merz ist und
       bleibt, was Hitzewellen und Klimakatastrophen betrifft, ein nichtssagender
       Typ.
       
       20 Aug 2026
       
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