# taz.de -- Hitzetote in Deutschland: Patientenschützer wollen Hitze als Todesursache erfassen
       
       > Das Robert-Koch-Institut unterschätze die Zahl der Hitzetoten in
       > Deutschland, sagen Patientenschützer. Hitze gehöre als Todesursache auf
       > den Totenschein.
       
       afp | Angesichts der [1][steigenden Opferzahl der Hitzewelle] haben sich
       Patientenschützer dafür ausgesprochen, dass Hitze als Todesursache auf
       Totenscheinen vermerkt wird. „Den Folgen des Klimawandels muss endlich ein
       Gesicht gegeben werden“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung
       Patientenschutz, Eugen Brysch, der Rheinischen Post vom Samstag. Brysch
       äußerte ebenso wie der Verband der Intensivmediziner den Verdacht, dass die
       vom Robert-Koch-Institut angegebene Zahl der Hitzetoten wegen einer hohen
       Dunkelziffer zu niedrig sei. Die Gewerkschaft Ver.di warnte vor
       „dramatischen“ Zuständen in Pflegeheimen wegen der Hitze.
       
       Das Robert-Koch-Institut (RKI) bezifferte die Zahl der Hitzetoten in diesem
       Jahr zuletzt mit 12.500. Das Institut berechne den Wert derzeit „mithilfe
       von statistischen Modellrechnungen und künstlicher Intelligenz“, sagte
       Patientenschützer Brysch. Die genauen Zahlen blieben aber unklar. Auf
       Totenscheinen müsse künftig festgehalten werden, „ob der Hitzetod im
       Krankenhaus, Pflegeheim oder zu Hause eingetreten“ sei, sagte Brysch. Nur
       so würden „die Konsequenzen einer auf die klimatischen Veränderungen
       unvorbereiteten Regierung schonungslos offengelegt“.
       
       Die RKI-Schätzzahl sei zu niedrig, sagte auch Uwe Janssens, der
       medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung
       für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Auf dem Totenschein hochbetagter
       Verstorbener stehe oft Organversagen, „aber die Hitze hatte einen klaren
       Einfluss“, sagte Janssens den Funke-Zeitungen vom Samstag.
       
       Diese Todesfälle würden in den RKI-Statistiken nicht besonders gut erfasst,
       sagte der Intensivmediziner weiter. Er gehe deshalb davon aus, dass die
       Zahlen des RKI „nicht die gesamte Dramatik abbilden“. Es seien „sicherlich
       mehrere Tausend Todesfälle mehr“.
       
       Gerade betagte Menschen hätten „kein richtiges Durstempfinden mehr: Sie
       merken nicht, dass sie Flüssigkeit verlieren und gegensteuern müssen“,
       sagte Janssens. „Die Menschen schlafen ein und werden einfach nicht mehr
       wach. In der Regel versagt die Niere, weil die Menschen austrocknen.“ Diese
       hitzebedingten Fälle würden in der Statistik nicht erfasst.
       
       Hitze an sich führt sehr selten unmittelbar zum Tod. In den meisten Fällen
       ist es eine Kombination aus hohen Temperaturen und bereits bestehenden
       Vorerkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungen- oder
       Nierenerkrankungen, die zum Tod führt. Auch deshalb wird Hitze auf dem
       Totenschein bisher nicht als Todesursache angegeben und taucht damit auch
       nicht in der Todesursachenstatistik auf.
       
       ## Schutzmaßnahmen bleiben aus
       
       Intensivmediziner Janssens sieht die Politik in der Verantwortung, [2][mehr
       zu tun, um vulnerable Gruppen zu schützen]. „Ich bin, auch als Bürger,
       extrem verstört über die Tatenlosigkeit der Bundes- und Landesregierungen“,
       sagte er den Funke-Zeitungen. Kaum eine Notaufnahme sei klimatisiert, die
       Kosten für die entsprechende Ausstattung eines Zimmers lägen bei 15.000 bis
       20.000 Euro. „Wenn man das hochrechnet auf das ganze Gebäude, kann das
       keine Klinik allein stemmen“, sagte Janssens. „Das ist wirklich eine
       Katastrophe.“
       
       Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis forderte massive staatliche
       Investitionen in den Hitzeschutz. „Hitzeschutz ist auch eine Frage sozialer
       Gerechtigkeit: Hitze trifft alle, aber sie trifft nicht alle gleich“, sagte
       der Bundestagsabgeordnete der Nachrichtenagentur AFP. Nötig seien
       [3][staatliche Investitionen in Verschattung, sommerlichen Wärmeschutz,
       energetische Sanierung] und – wo erforderlich – eine moderne und
       energieeffiziente Kühlung.
       
       ## Verbotene Temperaturen in der Pflege
       
       Viele Pflegekräfte und Pflegeheimbewohner erleben nach Gewerkschaftsangaben
       in diesem Sommer Temperaturen, [4][die gegen Arbeitsschutzgesetze
       verstoßen] und sogar gesundheitsgefährdend sind. Das zeigt eine am Samstag
       vorgestellte Befragung der Gewerkschaft Ver.di von 321 Pflegekräften und
       anderen Angestellten von Pflegeeinrichtungen. „Die Aussagen der
       Beschäftigten zeigen zum Teil erschreckende Zustände“, erklärte
       Ver.di-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler.
       
       „Temperaturen von bis zu 45 Grad in einigen Pflegeheimen sind für
       Beschäftigte unerträglich und können für Bewohnerinnen und Bewohner
       lebensgefährlich sein“, warnte Bühler. In der Befragung berichteten elf
       Prozent der Beschäftigten in den Einrichtungen von Kreislaufzusammenbrüchen
       bei Bewohnern und Bewohnerinnen, zehn Prozent von Fällen von Dehydrierung
       und neun Prozent von Todesfällen, die mutmaßlich im Zusammenhang mit der
       Hitze stehen.
       
       Die Linksfraktion im Bundestag forderte, „eine gesetzliche Höchsttemperatur
       für Wohnräume von maximal 26 Grad“ festzulegen. „Wenn für mehrere Tage
       hintereinander die Temperatur in der Wohnung über 26 steigt und die Wohnung
       nicht über angemessene Hitzeschutzmaßnahmen verfügt, muss dies als
       Mietminderungsgrund anerkannt werden“, heißt es in einem Plan für mehr
       Hitzeschutz, aus dem der „Tagesspiegel“ am Wochenende zitierte.
       
       16 Aug 2026
       
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