# taz.de -- Wahlkampf auf Social Media: Mit Brainrot auf Stimmenfang
       
       > Um Jungwähler*innen anzusprechen, müssen Parteien in den sozialen
       > Medien Wahlkampf machen. Dabei setzen sie auf Memes, Ironie und
       > Ellenbogeneinsatz.
       
 (IMG) Bild: Social Media Game geknackt: Ikkimel beim Fest der Linken am 1. Mai in Kreuzberg
       
       Popikone Ikkimel wirbt für die Linkspartei, SPD-Fraktionschef Raed Saleh
       macht im Abgeordnetenhaus „Entweder-oder“-Challenges mit [1][Kreuzberger
       Rapperin Zahide] und die SPD zeigt auf fünf Instagram-Slides, was im
       Parteiprogramm steht. Im Wahlkampf um das Rote Rathaus haben die Parteien
       offenbar verstanden: Wer die Gen Z erreichen will, muss ihre Sprache
       sprechen. Bei der Abgeordnetenhauswahl im September ist das besonders
       relevant. Erstmals dürfen 55.000 Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren
       mitwählen.
       
       Und die wählen anders als der Bevölkerungsdurchschnitt: Bei den
       U18-Bundestagswahlen 2025 war die Linke mit 27,3 Prozent stärkste Kraft,
       dahinter die SPD und die Grünen mit jeweils um die 18 Prozent. Bei der
       letzten Abgeordnetenhauswahl im Februar 2023 wählten rund 22 Prozent der
       jüngeren Wählergruppe von 18 bis 24 Jahren die Grünen, knapp gefolgt von
       der Linken.
       
       Um diese Wählergruppe zu mobilisieren, setzen inzwischen alle Parteien auf
       die Logiken von Instagram und Tiktok: kurze Videos, schnelle Schnitte,
       Memes, popkulturelle Anspielungen und Jugendsprache. Aber manche Parteien
       haben den Dreh mehr raus als andere.
       
       Vorreiterin ist die Linkspartei, die bereits bei der Bundestagswahl 2025
       vorgemacht hat, wie man Social Media knackt: mit sogenanntem
       Brainrot-Content, etwa Heidi Reichinneks energischen Bundestagsreden,
       unterlegt mit Techno, oder Parteichef Jan van Aken mit computeranimiertem
       Laserblick. Auch der Berliner Linken-Politiker [2][Ferat Koçak versteht
       Politik für seine knapp 200.000 Tiktok-Follower zielgruppengerecht
       aufzubereiten], unter anderem mit Lipsync-Videos zu Zahide-Songs.
       
       ## Linke-Landesverband hat die meisten Follower
       
       Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp liegt mit fast 19.000 Followern mit
       Abstand vor allen anderen Spitzenkandidat*innen. Auch die Landespartei
       führt dort mit 38.000 Followern das Feld unter den Parteien an. Der Trick:
       Themen, die Jugendliche unmittelbar betreffen, wie bezahlbares Wohnen,
       Bildung, soziale Gerechtigkeit oder Klimaschutz, werden in Memes verpackt
       und ironisch inszeniert. Mit popkulturellen Bezügen und Jugendslang [3][wie
       dem Jugendwort-des-Jahres-]Anwärter „six seven“ verringert Eralp die
       Distanz zwischen Partei und Wähler*innen.
       
       Die eigentliche Mobilisierungsleistung erfolgt jedoch nicht über Inhalte,
       sondern über popkulturelle Kooperationen. [4][Beim Mariannenplatzfest am 1.
       Mai 2026 trat die Kreuzberger Rapperin Ikkimel für die Linke auf,] ein
       Instagram-Post des Landesverbands mit Eralp und Ikkimel bekam 28.000 Likes.
       
       Die CDU tut sich mit Social Media noch schwer: Auf Tiktok kommt die
       Landespartei auf gerade mal rund 130 Follower – wenig überraschend bei zwei
       Posts. Auf Instagram, mit immerhin 8.600 Followern, laufen statt Reels und
       Social-Media-Trends vor allem Nahaufnahmen des Spitzenkandidaten vor
       CDU-blauem Hintergrund mit Zitaten.
       
       Jugendliche werden kaum angesprochen, es wird über sie gesprochen: Es
       brauche gute Schulen, Sicherheit sowie einen bezahlbaren Führerschein. Dass
       Verkehrssenatorin Ute Bonde ausgerechnet das kostenlose Schülerticket
       infrage stellt, dürfte nicht gut ankommen. Viral ging bei der CDU bislang
       nur eines: ein umstrittener Wahlkampfclip, der nahelegt,
       propalästinensische Demonstrierende ließen sich als „Judenhasser“ lesen.
       Die Reaktion auf Tiktok: Empörung.
       
       ## Das S steht für Social
       
       Die SPD hingegen versucht sich in Dingen Jungwähler*innenmobilisierung.
       Jugendliche werden direkt angesprochen, etwa bei dem kostenlosen
       Schülerticket, und Tiktok-Trends werden aufgegriffen, etwa
       „Entweder-oder“-Challenges. So auch von Raed Saleh: „Frühaufsteher oder
       Langschläfer?“, wurden der Berliner SPD-Fraktionschef und die damals
       15-jährige Zahide in einem Instagram-Video gefragt, oder: „Lieber ein Jahr
       ohne Musik oder ohne Internet?“ Belohnt werden die jugendnahen Inhalte der
       SPD mit 13.000 Followern auf Tiktok und 16.000 auf Instagram.
       
       Ganz anders SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach: Er setzt kaum auf
       popkulturelle Anschlussfähigkeit, sondern auf sachlich formulierte
       Botschaften, politische Erklärungen und lösungsorientierte Narrative, mit
       Schwerpunkt auf bezahlbarem Wohnen, Bildung und Mobilität. Über den steifen
       Auftritt macht sich die SPD selbst lustig: „Millennial-PR-Team: Wir haben
       das kostenlose Mittagessen an den Berliner Grundschulen eingeführt, und mit
       uns bleibt das so“, heißt es in einem Post, gefolgt von:
       „Gen-Z-Social-Team: Mit der SPD hast du einfach mehr Cäsh in der Täsch.“
       Solche Posts zeigen die Verschiebung: von politischen Inhalten zu
       bürgernahem Content mit hohem Entertainmentwert.
       
       Wie Letzteres geht, zeigen die Grünen ihren 17.000 Followern auf Instagram:
       mit einem Wahlprogramm auf fünf Slides und viel Jugendslang. In Posts mit
       Spitzenkandidatin Bettina Jarasch heißt es etwa „Rede, Schwester“,
       angelehnt an Tiktok-Trends auch mal „on a quest to find the Klimapolitik
       der CDU“. Inhaltlich im Fokus: Klimaschutz, bezahlbarer Wohnraum,
       Mobilität, Vielfalt.
       
       ## AfD hinkt hinterher
       
       Während die demokratischen Parteien auf Bundesebene bei Jugendmobilisierung
       weit hinter der AfD liegen, gilt das auf Landesebene nicht. Auf Tiktok
       kommt die rechtsextreme Partei auf 13.000 Follower, auf Instagram auf
       11.000. Eigene Inhalte werden kaum gesetzt, es wird vor allem auf Emotionen
       und Feindbilder gebaut: von Ursula von der Leyen über Friedrich Merz bis zu
       Kai Wegner.
       
       Der Ellbogeneinsatz im Social-Media-Wahlkampf eint alle Parteien, ob
       demokratisch oder nicht. Aktuell bekommt ihn vor allem einer zu spüren:
       „Jetzt ist's vorbei mit dem Lügen-Kai“, spottet die AfD. „Es hat sich
       ausgespielt, Kai“, die Grünen. „Bye bye Kai!“, die Linke.
       
       17 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lilly Schröder
       
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