# taz.de -- Social-Media-Konsum von Jugendlichen: „Meta ist größer“
       
       > Wie gravierend sind die negativen Auswirkungen exzessiver Nutzung
       > sozialer Medien für Jugendliche? Was Studien und
       > Wissenschaftler:innen sagen.
       
 (IMG) Bild: Für immer offline: Namen mutmaßlicher Social-Media-Opfer vor dem aktuellen Prozess gegen den Konzern Meta in Oakland
       
       Viele Studien zeigen: Menschen, die viel in sozialen Netzwerken unterwegs
       sind, neigen häufiger zu [1][Depressionen], Angststörungen, Suizidgedanken
       und einem geringen Selbstwertgefühl. „Ob dies ein kausaler Einfluss ist,
       ist umstritten: Ist Social Media die Ursache für schlechtere mentale
       Gesundheit oder führt schlechtere mentale Gesundheit zu mehr
       Social-Media-Nutzung?“, sagt der Medienpsychologie Adrian Meier
       diesbezüglich gegenüber dem Science Media Center, einem wissenschaftlichen
       Presseservice. „Dennoch: Studien finden immer wieder einen negativen
       Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien und der psychischen
       Gesundheit junger Menschen“, so Meier.
       
       Auch auf die Schulleistung wirken sich die sozialen Medien negativ aus. So
       zeigte [2][eine Studie aus Italien], dass italienische Jugendliche, die
       bereits in der sechsten, siebten oder achten Klasse einen
       Social-Media-Account hatten, in einigen Fächern schlechter abschnitten als
       jene, die sich erst frühestens ab der neunten Klasse in den sozialen
       Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Tiktok herumtrieben.
       
       Die schlechteren Leistungen zeigten sich in den Fächern Italienisch und
       Mathematik. Die betroffenen Schüler:innen verloren etwa ein halbes Jahr
       an Lernfortschritt. Laut Klaus Zierer, Professor für Schulpädagogik an der
       Uni Augsburg, der die Methodik und Ergebnisse der Studie bewertete, sei
       dies „als dramatisch einzustufen“. Als Gründe für die schlechteren
       Leistungen nannten die Studienautor:innen die Ablenkung, die von
       Social-Media-Apps ausgehe, sowie die Belastung des Arbeitsgedächtnisses. Im
       Schulfach Englisch kam es hingegen zu keinen Leistungseinbußen, vermutlich,
       weil die Jugendlichen durch die Nutzung von englischen Inhalten die Sprache
       übten.
       
       Die Ergebnisse aus Italien könne man laut Experte Zierer auf alle
       westlichen Länder übertragen, denn „in diesen wachsen Kinder und
       Jugendliche unter ähnlichen Umständen auf“.
       
       ## Mädchen zeigen häufiger ein problematisches
       Social-Media-Nutzungsverhalten als Jungs
       
       Laut einer [3][Studie der Weltgesundheitsorganisation], 2024
       veröffentlicht, lassen sich das Social-Media-Verhalten von 11 Prozent der
       Jugendlichen in 44 Ländern in Europa, Kanada und Zentralasien als
       problematisch einordnen: Gemäß der „Social Media Disorder Scale“, einem
       Fragebogen zu Social-Media-Sucht, sind sie krankhaft süchtig. 32 Prozent
       wurden zudem als intensive Nutzer:innen klassifiziert (tägliche Nutzung
       über den gesamten Tag hinweg), 44 Prozent als aktive Nutzer:innen
       (tägliche Nutzung, aber nicht den ganzen Tag über) und lediglich 12 Prozent
       als nicht aktive Nutzer:innen (wöchentliche oder seltenere Nutzung).
       
       Ein problematisches Verhalten wurde insbesondere bei 13-Jährigen
       beobachtet. Zudem zeigen Mädchen häufiger ein problematisches
       Nutzungsverhalten als Jungs.
       
       In Rumänien wurde am häufigsten ein problematisches Nutzungsverhalten
       ermittelt, am seltensten tritt es in den Niederlanden auf, wo es bereits
       ein Handyverbot an Schulen gibt.
       
       Im Durchschnitt ist eine seltene Nutzung der sozialen Medien mit einem
       niedrigen sozioökonomischen Status verbunden. So ist der Anteil der nicht
       Aktiven in [4][Tadschikistan] bei Weitem am höchsten, in Dänemark, einem
       der wohlhabendsten Länder weltweit, am niedrigsten.
       
       ## Das Zeitgefühl wird ausgeschaltet
       
       Wissenschaftler:innen bemängeln, dass es an belastbaren Daten fehle.
       „Menschen können sich nicht gut an ihre Mediennutzung erinnern,
       beispielsweise den zeitlichen Umfang, Zeitpunkt, Häufigkeit oder Inhalte.
       Daher sind Befragungsangaben oft fehlerbehaftet“, sagt Psychologe Meier.
       Tatsächlich sind die Plattformen so designt, dass sie durch den unendlichen
       Strom an kurzen Reizen [5][das Zeitgefühl ausschalten].
       
       Zwar sind Meta & Co. gemäß der EU-Verordnung „Digital Services Act“
       verpflichtet, ihre Daten für Forschungszwecke zu teilen – doch halten sie
       sich nicht daran. „Ich habe schon öfter an die Plattform geschrieben und
       gefragt, ob wir die Daten bekommen können. Doch da kommt überhaupt keine
       Rückmeldung zurück. Als Forscherin habe ich keine finanziellen Ressourcen,
       um dem juristisch nachzugehen“, berichtet die Psychologin Julia
       Brailovskaia, die zu Online-Mediennutzung und psychischer Gesundheit
       forscht. Ihr Resümee: „Die Uni ist groß, aber Meta ist größer.“
       
       19 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Sommerdepressionen-Was-Hitze-mit-der-Psyche-macht/!6204057
 (DIR) [2] https://www.nature.com/articles/s41562-026-02522-4
 (DIR) [3] https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/f787fae6-e564-477c-a0e6-d54f24b38f0b/content/
 (DIR) [4] /Unterwegs-in-Tadschikistan/!6103469
 (DIR) [5] /Weiss-der-Instagram-Algorithmus-mehr-ueber-mich-als-meine-Freunde/!6126352
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eva Fischer
       
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