# taz.de -- Die Zukunftsvision von Mark Zuckerberg: So nicht, lieber Mark
> In einem Essay visioniert der Meta-Chef eine Zukunft für uns alle.
> Herausgekommen ist eine XXL-Werbung, auf die wir nicht hereinfallen
> sollten.
(IMG) Bild: Haben vermutlich bessere Ideen für unsere Zukunft: Teilnehmer_innen eines Camps vom CCC, 2015
Es sollte wohl der große philosophische Wurf werden. 40.000 Zeichen lang
ist das Essay von [1][Meta-Chef Mark Zuckerberg] mit dem Titel „The Future
is for Everyone“. Eine Vision für uns alle, wie wir künftig statt im
Wettkampf in Gemeinschaft mit der KI leben können. Doch so schön
Zuckerbergs Utopie an manchen Stellen klingen mag, so gefährlich wäre es,
ihr zu glauben. Dieser Mann will nicht Menschen, sondern den Profiten
helfen. Und das wird schon nach wenigen Zeichen in seinem Essay klar – denn
auf Kritik geht er an keiner Stelle ein.
Aktuell steht nicht nur KI an sich, sondern auch Meta in der Kritik. 85
Prozent der Bürger*innen denken [2][laut einer Meinungsumfrage], dass
von sozialen Medien eine Suchtgefahr für Kinder ausgeht. Jugendlichen
ziehen gegen Social-Media-Plattformen vor Gericht mit dem Vorwurf, ihre
psychische Gesundheit geschädigt zu haben. Vor wenigen Tagen begann ein
Prozess von 29 Bundesstaaten gegen Meta wegen mutmaßlich suchtfördernder
Designs bei Facebook und Instagram. Darüber schreibt Zuckerberg im Essay
nichts. Jugendliche sind bei „everyone“ scheinbar nicht mitgemeint.
Ein erster Grund, warum es ein Fehler wäre, diesem Menschen in seiner
Version der Zukunft zu folgen. Sie ist verlogen und einzig darauf aus, die
Stellung Metas und damit Zuckerbergs als einem der mächtigsten Männer der
Tech-Industrie zu festigen. Es ist eine Zukunft, in der nur vermeintlich
Gleichheit herrscht, tatsächlich aber Geld weiterhin Macht formt und die
Industrie dereguliert wird.
Um uns diesen Albtraum näherzubringen, unterzeichnet Zuckerberg ihn ganz
nahbar mit „Mark“. Als wäre er Lokalpolitiker im Wahlkampf und müsste
darüber hinwegtäuschen, dass er nur wenig Programm hat, das wirklich der
Allgemeinheit dient, beschreibt er seinen Alltag. Wie eine KI ihn beim
Sport korrigiert und wie er wochenends mit der Tochter Rezepte bäckt, die
eine KI sorgfältig für die beiden ausgesucht hat. Es soll also menscheln.
## Nur weil er Kuchen backt, ist er kein Philanthrop
Zuckerberg fordert, dass eine Philosophie für den Umgang mit der
„Superintelligenz“ gefunden wird. Gemeint sind damit Wesen oder
Anwendungen, die klüger sind als der Mensch. Sie kommen in der (oft
dystopischen) Science Fiction vor, in der Realität gibt es sie nicht.
Zuckerberg will trotzdem schon jetzt bestimmen, wie wir mit ihnen umgehen
sollten.
Er entwirft eine Philosophie, die „auf individuellem Empowerment als Quelle
von Wohlstand“ und „auf Machtgleichgewicht als Grundlage für Sicherheit“
basiert. Eine „extreme Konzentration von Macht“ sieht er kritisch. Was das
für sein Unternehmen bedeutet, lässt er unkommentiert.
Zuckerberg ist kein Philanthrop, auch wenn er mit Töchterchen Kuchen backt.
Und auch nicht, wenn er die Superintelligenz angeblich allen zugänglich
machen will. Denn wer mehr Rechenleistung will, soll dafür bezahlen. Das
solle „sicherstellen, dass die Kapazitäten für das genutzt werden, was die
Menschen kollektiv am wertvollsten finden“. Er will Technik als etwas
darstellen, das allen offen steht, von dem alle profitieren. Doch das ist
eine Lüge. Technik ist immer nur denen zugänglich, die über entsprechende
Ressourcen verfügen, die Geld haben, die alt oder jung genug sind, die in
einem funktionierenden Staat ohne Repressalien leben.
## Es braucht Expert*innen
Zuckerberg weiß das und beschreibt selbst ein Paradebeispiel dafür, wie
unfair Geld die Welt formen kann: Meta habe ein neues Data Center in einem
Ort in Louisiana gebaut und den Lehrkräften dort einen 50.000-Dollar-Bonus
gezahlt. Daraufhin seien viele neue Lehrer*innen in die Gegend gezogen.
Wo die Lehrkräfte nun fehlen, kommentiert er nicht.
Ein Mann, der das als Erfolgsgeschichte begreift, will uns nun also eine
Zukunft ausmalen, während Gesellschaften weltweit darunter leiden, dass
Plattformen wie die seinen weiterhin unzureichend reguliert werden. Dort
werden Hass und Desinformation ebenso verbreitet wie Videos, in denen
Menschen, oft Kinder, oft Frauen, gequält werden.
Zuckerberg will keine „kleine Gruppe Expert*innen“, die in Sachen KI
„entscheiden, was das Beste für die Menschheit ist“. Das sollen die
Menschen selber tun. Klingt erst einmal gut, nach Selbstermächtigung. Doch
auch das ist eine Lüge. Das Internet hat großartige Orte der Offenheit und
des Wissens hervorgebracht. Aber lange hat es an Regeln gefehlt. Erst
jetzt, nachdem bereits Millionen Opfer wurden, entstehen etwa Gesetze gegen
digitale Gewalt.
Genau deswegen braucht es Expert*innen, die Regierungen beraten, die dann
hoffentlich auch im Sinne der Menschen regieren. Nicht nur das Verhalten
von Privatpersonen, sondern vor allem das von Tech-Konzernen. Dass das
aktuell nicht ausreichend passiert, weiß Zuckerberg. Er will es uns nur
nicht sagen und lenkt uns mit einer bunten Zukunftsvision ab. Darauf
sollten wir nicht reinfallen.
15 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Meta-und-die-kuenstliche-Intelligenz/!6171558
(DIR) [2] https://www.n-tv.de/politik/US-Amerikaner-befuerworten-Mindestalter-fuer-Social-Media-id31174560.html
## AUTOREN
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