# taz.de -- Kurdistan im Irankrieg: Rätselhafte Eskalation in Irakisch-Kurdistan
       
       > Am Montag haben Kampfdrohnen das Büro des Präsidenten der kurdischen
       > Autonomieregion in Irak getroffen. Verdächtigt ist Iran, doch Teheran
       > dementiert.
       
 (IMG) Bild: Im April 2026 demonstrierten irakische und iranische Kurden in Erbil gegen gegen die anhaltenden iranischen Drohnenangriffe
       
       Am Montag wurden das Büro des Ministerpräsidenten der Regionalregierung
       Kurdistans, Masrur Barsani und das Haus des Chefs des Nachrichtendienstes
       Kurdistans von zwei Drohnen beschossen. Es gibt keine Berichte über Tote
       oder Verletzte. Doch der jüngste Angriff auf den Wohnsitz des kurdischen
       Regierungschefs ist, wie Barsani selbst in einer Erklärung bekanntgibt,
       eine „gefährliche Eskalation“.
       
       Seit Monaten [1][steht die Autonome Region Kurdistan im Norden Iraks unter
       Beschuss]. Iran, der sich mit Kurdistan eine etwa 750 Kilometer lange
       Grenze teilt, und irantreue Milizen in Irak feuerten seit Beginn des
       USA-Iran-Krieges mehr als 1.000 Drohnen und Raketen auf Kurdistan, wobei
       die meisten Geschosse rund um die Hauptstadt Erbil niedergingen.
       
       Grund für den anhaltenden iranischen Drohnenhagel sind US-Militärbasen in
       der Region und die Präsenz militanter [2][iranisch-kurdischer
       Regimegegner], denen die Region Kurdistan in Irak Unterschlupf gewährt.
       Außerdem wird Israel nachgesagt, die Region für Geheimdienstoperationen
       gegen Iran zu nutzen.
       
       Barzani machte auch für die jüngste Aggression den Iran verantwortlich, da
       die Drohnen von der iranischen Seite der Grenze stammten. Daraufhin
       verurteilten zahlreiche Länder, einschließlich Nachbarstaaten wie
       Saudi-Arabien, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate den
       Angriff. Iraks Außenminister Fuad Hussein sprach von einem „gefährlichen
       Präzedenzfall, der die Spannungen weiter verschärfen und die regionale
       Stabilität gefährden könnte“.
       
       ## Test einer neuen Drohnengeneration?
       
       Doch in diesem Fall kam aus Teheran ein deutliches Dementi. Erst erklärte
       der iranische Außenminister Abbas Araghtschi, keine Informationen über
       einen Drohnenangriff Irans zu haben. In einer weiteren Mitteilung auf X
       sprach er von einer „rücksichtslosen Attacke“ und mahnte die „kurdischen
       Freunde“ zu mehr Wachsamkeit gegenüber „Operationen unter falscher Flagge,
       die darauf abzielen, Zwietracht zwischen Nachbarn zu säen“.
       
       Die Schuldabweisungen aus Teheran bleiben für viele Kurden in Irak
       unglaubhaft. Nicht nur, weil Iran sie, bevor er sie plötzlich „kurdische
       Freunde“ nannte, monatelang mit Drohnen beschoss und dadurch Dutzende
       Todesopfer forderte.
       
       Auch die kurdische Generaldirektion für Terrorismusbekämpfung gab am Montag
       Details bekannt, die deutlich auf einen iranischen Hintergrund hinweisen.
       Es handle sich bei dem Angriff um zwei mit Sprengstoff bestückte „Hadid
       110“-Drohnen, die zu den modernsten im iranischen Arsenal gehören. Mit
       einer Geschwindigkeit von über 500 Kilometern pro Stunde ist dieses neue
       Modell fast dreimal so schnell wie eine klassische [3][Shahed-Drohne], die
       bisher das Kernstück des iranischen Arsenals bildete. Die Bauweise der
       „Hadid 110“-Drohnen macht es für Flugabwehrsysteme außerdem schwerer, sie
       rechtzeitig zu entdecken und abzuschießen.
       
       Das irakisch-kurdische Medium Rudaw.net spricht angesichts dessen von einem
       „Test“ der neuen Drohnen unter realen Kriegsbedingungen. Die Ziele gehören
       zu den am stärksten beschützten Orten in der Autonomen Region Kurdistan.
       Beim Angriff handle es sich daher weniger um einen Mordversuch an dem
       kurdischen Regierungschef als vielmehr um eine iranische
       Machtdemonstration.
       
       Auch der Zeitpunkt sei kein Zufall. Ende Juli zogen die USA ohne
       Ankündigung ihre Patriot-Flugabwehrraketen aus der Region ab, die bisher
       einen großen Teil der iranischen Drohnen und Raketen abgefangen hatten.
       Gemäß einem im Jahr 2024 mit Bagdad geschlossenen Abkommen sollen die
       US-Truppen bis zum 30. September aus Irak abgezogen werden. Die Autonome
       Region Kurdistan ist damit den Angriffen schutzlos ausgeliefert. Eine
       eigene kurdische Flugabwehr scheiterte bisher an der Zentralregierung in
       Bagdad, die einen solchen Schritt genehmigen müsste.
       
       Gestern meldeten auch die Vereinigten Arabischen Emirate die ersten
       iranischen Raketenangriffe seit Monaten, was Teheran ebenfalls dementierte.
       Die Emirate stoppten daraufhin jeden Handel mit Iran.
       
       19 Aug 2026
       
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