# taz.de -- Schulstart in Hamburg: Gymnasien als Sparschweine der Stadt
       
       > Zu Beginn des Schuljahrs wird klar: Hamburgs Schulbegleitung wurde um 700
       > Fälle reduziert. Auch die Lehrerversorgung an Gymnasien wird gekürzt.
       
 (IMG) Bild: Steht wegen Kürzungen im Schulbereich in der Kritik: Hamburgs Bildungssenatorin Ksenija Bekeris (SPD)
       
       Es gibt wieder einen Rekord an Schülerzahlen in Hamburg. Mit solchen
       Superlativen lud Hamburgs Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) zwei Tage
       vor Schulbeginn die Presse ins Rathaus. Doch es brodelt an den Schulen,
       weil der rot-grüne Senat für den nächsten Haushalt an vielen Stellen die
       Spar-Axt anlegt. Der Ärger um die restriktive [1][Bewilligung der
       Schulbegleitung] ist noch nicht verraucht, nun werden Kürzungen der
       Lehrerstunden pro Schüler an Gymnasien bekannt.
       
       Vor den Ferien waren viele Eltern behinderter Kinder verzweifelt, weil
       plötzlich weniger Schulbegleiter bewilligt wurden. Bekeris’ Behörde hatte
       die Bremse gezogen, weil es von den Schulen in diesem Jahr deutlich mehr
       Anfragen gegeben habe. Die Senatorin bestritt stets, dass gekürzt wird,
       nannte aber keine konkreten Zahlen. Nur das Hamburger Abendblatt zitierte
       Bekeris mit der Aussage, es habe diesmal rund 5.200 Anfragen gegeben.
       
       Jetzt nannte sie eine Zahl. Sie rechne im neuen Schuljahr mit rund 4.500
       Bewilligungen von Schulbegleitung. Das sind rund 700 weniger, als
       ursprünglich angefragt wurden.
       
       Laut Bekeris kamen während der Sommerferien 540 Fälle in einen
       „Überprüfungsprozess“. Nur bei 20 Fällen blieb es bei der bisherigen
       Entscheidung, 68 Anträge seien ganz neu gewesen und bei 256 Fällen sei eine
       Bewilligung im Sinne der Eltern erfolgt. [2][Elternvertreter] äußerten die
       Vermutung, dass die Kürzung der Schulbegleitung nur da rückgängig gemacht
       wurde, wo Eltern sich beschwert hatten. Doch 196 Fälle waren an diesem
       Montag noch nicht entschieden. Nachteile ergäben sich daraus nicht,
       beteuerte Bekeris. „Diese Kinder gehen zur Schule, ob mit oder ohne
       Schulbegleiter.“
       
       ## Mehr Schüler in einer Klasse am Gymnasium
       
       Die Schulen hätten für die Inklusion eigene Ressourcen, hier stehe Hamburg
       gut da. Der Anstieg des Bedarfs an Schulbegleitung sei auch eine
       Nachwirkung von Corona und erlebe gerade einen Peak, für den auch in 2027
       der Etat auf 44 Millionen Euro erhöht werde, so Bekeris. Nach künftigen
       Haushaltsplanungen gefragt, sagte sie, die Behörde gehe davon aus, dass
       nach ihren Kriterien nur 3.300 bis 3.400 Kinder eine Schulbegleitung
       brauchen. Sprich: Der Streit wird weitergehen.
       
       Noch gar nicht bekannt in der Stadt ist, was anderen Schulbereichen blüht.
       So kündigte die Schulaufsicht drastische Einschnitte an Gymnasien an. Die
       Gymnasien würden gar zum „Sparschwein“ der aktuellen Haushaltsplanung und
       damit die Möglichkeit verlieren, ihrem Leitbild gerecht zu werden,
       kritisieren Christian Gefert und Arne Wolter von der Vereinigung der
       Leitungen Hamburger Gymnasien und Studienseminare (VLHGS).
       
       So wird die Lehrer-Schüler-Relation an den Gymnasien verschlechtert. Dafür
       wird die sogenannte „Basisfrequenz“ für die Jahrgänge sieben bis zehn von
       24 auf 25 erhöht. Das bedeutet, dass es 25 Kindern bedarf, damit eine
       Klasse die Lehrerstunden für den Grundunterricht nach Stundenplan
       zugewiesen bekommt. Auch wenn ein Schüler Unterschied nicht nach viel
       klingt, ist dies de facto eine Kürzung um gut vier Prozent.
       
       Die Verbesserung dieser Basisfrequenz wurde erst 2020 im Hamburger
       „[3][Schulfrieden]“ von [4][SPD, Grünen, CDU und FDP beschlossen]. Ziel
       war, dass auch Hamburgs Gymnasien Kinder besser fördern können, etwa durch
       Teilungsstunden. Das wird nun einkassiert. Etwas irreführend ist, dass der
       Senat darauf insistiert, die bisherigen „Klassenhöchstgrenzen“ von 28
       Schüler blieben ja bestehen. Denn das ist nur eine organisatorische Größe,
       die auch überschritten werden darf und wenig aussagt.
       
       ## Kritik von der Opposition
       
       Noch deutlicher erhöht wird die Basisfrequenz für die [5][Oberstufenkurse],
       und zwar sowohl an Hamburgs Stadtteilschulen als auch an den Gymnasien.
       Hier soll die Basisfrequenz künftig 24 statt bisher 22 Schüler betragen.
       Das ist eine Ressourcenkürzung von neun Prozent.
       
       Dies wird laut Gefert und Wolter dazu führen, dass die Schüler nur noch in
       großen Kursen lernen und das Angebot verringert wird. Dies ginge vor allem
       zu Lasten der Kurse in den Naturwissenschaften wie Physik und Chemie, die
       bisher auch eingerichtet werden, wenn sich wenige Schüler finden. „Es ist
       zu erwarten, dass an den Gymnasien die Vielfalt der Angebote in den
       Naturwissenschaften einbricht“, warnen die beiden Schulleiter. Dies sei ein
       „veritables Risiko“ für den Wissenschaftsstandort Hamburg.
       
       Doch auch die Kürzung in den Klassen sieben bis zehn werde spürbar sein,
       etwa durch Wegfall von Lernförderkursen. Bei kleineren Gymnasien sei zudem
       mit einer Zusammenlegung von Klassen zu Größen mit weit über 28 Schülern zu
       rechnen. Zusätzlich erschwert werde die Lage durch eine Absenkung der
       Vertretungsreserve um 25 Prozent.
       
       Die CDU-Schulpolitikerin Birgit Stöver sagte, größere Klassen seien in der
       heutigen Zeit „der vollkommen falsche Weg“. Es sei der Intervention der CDU
       zu verdanken, dass nicht auch noch die gesetzlichen Klassenhöchstgrenzen
       angehoben wurden, doch hier passiere eine „Sparmaßnahme durch die
       Hintertür“.
       
       Ksenija Bekeris sagte, auf die Basisfrequenzen angesprochen, dies sei eine
       Herausforderung, „aber wir glauben, dass das die Gymnasien schaffen“.
       
       18 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Inklusion-in-der-Bildung/!6191038
 (DIR) [2] /Inklusion-an-Hamburgs-Schulen/!6204651
 (DIR) [3] /Verhandlungen-ueber-Schulfrieden/!5472287
 (DIR) [4] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/bsfb/veroeffentlichungen/pressemeldungen/2019-08-13-bsb-schulfrieden-515568
 (DIR) [5] /Hamburgs-neue-Abitur-Ordnung/!6191922
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schulbehörde Hamburg
 (DIR) Bildung
 (DIR) Sparpolitik
 (DIR) Hamburg
 (DIR) Inklusion
 (DIR) Schule
 (DIR) Schule
 (DIR) Inklusion
 (DIR) Haushalt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kürzungen in Hamburgs Schulen: Viel Verantwortung für eine Senatorin
       
       Hamburgs Schulsenatorin agiert ausweichend im Streit um Schulbegleitung und
       verteidigt Kürzungen mit Größe ihres Ressorts. Vielleicht ist es zu groß.
       
 (DIR) Inklusion an Hamburgs Schulen: „Die Kinder werden dann mehr verwaltet als gefördert“
       
       Vor dem neuen Hamburger Schuljahr: Noch immer wissen viele Eltern nicht,
       wie viel Schulbegleitung es geben wird, kritisieren zwei
       Elternsprecherinnen.
       
 (DIR) Bildungspolitik in Hamburg: Sparpläne im Wochentakt
       
       Trotz Ferienbeginns bangen Eltern in Hamburg weiter um die passende
       Schulbegleitung für ihre Kinder. Nun werden Kürzungen für Ganztagsschulen
       publik.
       
 (DIR) Hamburger Doppelhaushalt: Lauter kleine Bosheiten
       
       Hamburger, die Behörden-Angelegenheiten auch künftig analog erledigen,
       sollen hohe Gebühren zahlen. Damit stresst die Stadt unnötig die alten
       Menschen.