# taz.de -- SPD im Wahlkampf: Masterplan gegen Crack und Fentanyl
       
       > Der Drogen-Epidemie steht die Politik bislang machtlos gegenüber.
       > SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach will nun 25 Millionen Euro pro Jahr
       > investieren.
       
 (IMG) Bild: Bei Überdosis lebensrettend: Naloxon soll bald niedrigschwelliger verfügbar sein
       
       dpa / taz | Der Berliner SPD-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl,
       Steffen Krach, hat ein zusätzliches Millionenprogramm für die Drogen- und
       Suchthilfe vorgestellt. In einer Presserunde präsentierte er ein
       sogenanntes Berliner Modell 2.0 gegen die Drogenkrise. Als Sofortprogramm
       sieht Krachs Konzept für 2027 rund eine Million Euro zusätzlich vor. In den
       Folgejahren soll der Betrag seinem Konzept nach schrittweise steigen – bis
       2030 auf bis zu 25 Millionen Euro pro Jahr.
       
       Klar koste das Geld, sagte Krach, aber: „Eine Summe von 25 Millionen Euro
       ist etwas, was sich so ein Land wie Berlin leisten kann.“ Der Berliner
       Landeshaushalt beträgt etwa 45,5 Milliarden Euro für 2026 und 46,5
       Milliarden Euro für 2027.
       
       Die Liste an Maßnahmen ist lang. So will der SPD-Politiker 1.000
       zusätzliche [1][Housing-First-Wohnplätze] anbieten. Housing First ist ein
       Ansatz in der Obdachlosenhilfe, bei dem wohnungslose Menschen zunächst und
       ohne Vorbedingungen eine stabile, dauerhafte Unterkunft erhalten.
       Präventionsangebote für Jugendliche und Kinder will Krach ausbauen, etwa an
       Schulen. Stadtweit soll es Drogenberatungsangebote und Konsumorte geben,
       die verlässlich und länger geöffnet sind.
       
       Außerdem will die SPD bis 2030 eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung erreichen.
       Die Träger sollen eine verlässliche Finanzierung bekommen, die von einer
       zentralen Stelle aus gesteuert wird und nicht von Jahr zu Jahr neu
       beantragt werden muss. Dem Personal sollen damit langfristige Perspektiven
       gegeben werden.
       
       ## Kleinsthandel entkriminalisieren
       
       [2][Das Medikament Naloxon, das als Gegenmittel bei einer
       Opioid-Überdosierung eingesetzt wird] – etwa bei Heroin, Morphin oder
       Fentanyl – soll nach Krachs Vorstellung niedrigschwellig verfügbar sein.
       Denkbar wäre etwa, dass Polizisten oder BVG-Mitarbeiter mit Sprays
       ausgestattet würden.
       
       Diskutieren möchte Krach über die Möglichkeit, Drogenhandel von kleinen
       Mengen zwischen schwer Abhängigen an kontrollierten Orten zu erlauben.
       
       Suchtexperten kritisieren, dass es in den Beratungsstellen zu wenig
       Personal und einen zu hohen Bürokratieaufwand gebe. Für einen Ersttermin
       müssten Betroffene zum Teil zwischen vier und sechs Wochen warten, sagte
       Rolf Glemser, der die integrierte Suchtberatungsstelle in Lichtenberg
       leitet. Das sei zu lang. Im Jahr 2025 starben in Berlin 300 Menschen an den
       Folgen des Drogenkonsums. Das ist ein Höchststand.
       
       Der Vorstoß wäre eine Kehrtwende in der Drogenpolitik des Senats, in dem
       Krachs SPD als Juniorpartner regiert. [3][In den Kürzungsrunden der
       vergangen Jahre waren es häufig Suchthilfeprojekte, bei denen Senat und
       Bezirke den Rotstift ansetzten.]
       
       17 Aug 2026
       
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