# taz.de -- Sozialarbeit am Kottbusser Tor: Der Senat kürzt, wo das Geld wirklich gebraucht wird
       
       > Der Berliner Senat stellt die Finanzierung eines Hilfsprojektes für
       > konsumierende Jugendliche am Kottbusser Tor ein. Der Verein Gangway ist
       > empört.
       
 (IMG) Bild: Statt Sozialarbeit lieber Repression Polizisten der „Brennpunkt- und Präsenzeinheit“ am Kottbusser Tor (Archivbild)
       
       Der Berliner Senat beendet die Finanzierung eines Projekts für mobile
       Sozialarbeit der Organisation Gangway. Der gemeinnützige Verein für
       Straßensozialarbeit in Berlin bietet seit April 2025 Hilfe für Jugendliche
       am Kottbusser Tor in Kreuzberg an – eine Gegend, die für ihren
       Problemcharakter bekannt ist. Nun streicht die schwarz-rote Landesregierung
       wohl die Mittel zur Weiterführung und Verstetigung des Projekts am Kotti in
       Höhe von 100.000 Euro.
       
       Das Angebot richtet sich gezielt an substanzkonsumierende Jugendliche.
       Gangway habe eine „umfangreiche Feldanalyse“ gemacht und am Kottbusser Tor
       eine Zunahme von Drogenkonsum festgestellt, erklärt Hanna Lauter. Sie
       koordiniert bei Gangway die Arbeit in Friedrichshain-Kreuzberg und kennt
       die Lage vor Ort. „Hauptsächlich greifen die Jugendlichen dabei zu
       Amphetaminen, Kokain und Crack“, berichtet Lauter.
       
       Die Gegend um den Kotti brauche dringend Unterstützung und Vor-Ort-Präsenz,
       fordert die Sozialarbeiterin. Die wenigen Angebote, die es für
       konsumierende Jugendliche gibt, seien für die Zielgruppe zu hochschwellig:
       Teils hätten Kolleg:innen von Gangway Jugendliche in die nächste
       Notschlafstelle tragen müssen, da diese nicht im Stand gewesen seien,
       selbst dorthin zu gehen, so Lauter.
       
       Das Team verfügt über einen mobilen Bus, mit dem die
       Sozialarbeiter:innen Erstversorgungen leisten und Hilfe vermitteln
       können. Außerdem ist der Bus mit Infomaterial über Hilfsangebote für
       sicheren Drogengebrauch ausgestattet.
       
       Doch Gangway müsse das Projekt aufgrund der ausbleibenden Finanzierung mit
       sofortiger Wirkung einstellen, beklagt der Verein. Sie sei über die
       Entscheidung des Senats irritiert, sagt Hanna Lauter: „Das Projekt hatte
       eine ausgesprochen positive Resonanz und der Bedarf ist hoch.“ Durch die
       Einstellung des Kotti-Projekts müsse man auch Stellen streichen.
       
       ## Verlorene Vertrauensarbeit
       
       Die rund 100.000 Euro für das Kotti-Projekt waren Teil des umfassenden
       Maßnahmenpakets, [1][das aus dem sogenannten Sicherheitsgipfel von 2023
       hervorgegangen] war. Mit rund 30 Millionen Euro wollte der Senat Problemen
       mit Drogenkonsum, Verwahrlosung und Kriminalität in Berlin bekämpfen. Laut
       Clara Herrmann (Grüne), Bezirksbürgermeisterin von
       Friedrichshain-Kreuzberg, hat sich das Verfahren zur Beantragung der Gelder
       verändert.
       
       Bisher sei ein sogenanntes Lenkungsgremium für die Verteilung
       verantwortlich gewesen, das dem Gangway-Projekt die Gelder zugesprochen
       hatte. Nun müssten Anträge direkt bei den zuständigen Fachverwaltungen
       eingereicht werden – die erteilten offenbar eine Absage. Die
       Senatsverwaltung teilte dem Bezirk vorige Woche mit, das Geld sei
       anderweitig verplant. Und das, obwohl „Gangway dringend fortgesetzt werden
       muss“, wie Herrmann fordert.
       
       Ob die Entscheidung politisch motiviert war oder ob die Akteure „einfach
       kein Bewusstsein“ für die prekäre Situation am Kotti hätten, könne sie
       nicht beurteilen, sagt Herrmann. Die Bezirksbürgermeisterin appelliere
       daran, das Projekt weiterzufördern. Es gehe dabei auch um Vertrauensarbeit,
       stellt sie klar.
       
       4 Feb 2026
       
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