# taz.de -- Debatte um AfD-Verbotsverfahren: Jetzt erst recht?
       
       > Die Forderungen, die AfD verbieten zu lassen, hören nicht auf. Das könnte
       > kurz vor den Wahlen nach hinten losgehen. Wie wäre es mit eigenen
       > Angeboten?
       
 (IMG) Bild: Ob Verbot oder nicht, der AfD und ihrer Saat gilt es sich zu Widersetzen
       
       Jetzt fängt auch noch Cem Özdemir damit an, [1][kurz vor den Landtagswahlen
       über seine Sympathie für ein AfD-Verbotsverfahren] zu reden – so wie vor
       ihm schon SPD-Chef Lars Klingbeil und die Berliner Linkspartei auf ihren
       Wahlplakaten. Der Grüne, der Sozialdemokrat und die Berliner Linke bekommen
       für ihre Verbotsvorschläge zwar sicherlich viel Zustimmung – aber wohl nur
       bei Leuten in den eigenen Reihen, die ohnehin niemals AfD wählen.
       
       Wäre es vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
       nicht viel wichtiger, wenigstens den Versuch zu unternehmen, die vielen
       Menschen dort anzusprechen, die mit der Regierungspolitik in Bund und
       Ländern unzufrieden sind und die deshalb mit dem Gedanken spielen, erstmals
       die AfD zu wählen, damit sich aus ihrer Sicht wirklich mal was ändert? Wer
       dieses wachsende Bedürfnis, das sich in den steigenden Umfragewerten der
       AfD ausdrückt, zu Recht für eine große Gefahr für die Demokratie hält,
       müsste sich gerade jetzt dringend bemühen, die Stimmberechtigten doch noch
       von der Wahl einer demokratischen Partei zu überzeugen. Das geht aber nur
       mit guten Argumenten und konkreten Angeboten.
       
       Wie das funktionieren kann, hat [2][die Linke Heidi Reichinnek vorgemacht,
       die im letzten Bundestagswahlkampf] vor allem auf Sozialpolitik setzte.
       Auch in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bemühen sich viele
       LandespolitikerInnen täglich, die AfD mit eigenen Ideen zu bekämpfen. Was
       ihnen dabei kaum helfen dürfte, sind autoritäre Zwischenrufe aus Berlin und
       Stuttgart.
       
       Ob das Verbot einer Partei, die in manchen Bundesländern auf mehr als 40
       Prozent kommt, langfristig der richtige Weg sein kann, um die Demokratie zu
       retten, lässt sich ohnehin bezweifeln. Bei vielen Ostdeutschen, die sich
       sowieso schon viel zu oft vernachlässigt und belehrt fühlen, könnten die
       Drohungen aus dem Westen kurz vor der Wahl den letzten Ausschlag geben, um
       nun erst recht die AfD zu wählen.
       
       18 Aug 2026
       
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