# taz.de -- Cem Özdemir: „Ich bin auch Anwalt der Grünen-Basis“
       
       > Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir sieht die Zukunft seiner
       > Partei in der Mitte. Nur so könne man Extremismus von rechts und links
       > bekämpfen.
       
 (IMG) Bild: Aufstieg vor Mahagoni: Landesvater Cem Özdemir im tiefschwarzen Anzug
       
       Ein heißer Spätsommertag. Cem Özdemir kommt in die Bibliothek seines
       Regierungssitzes Villa Reitzenstein, auf Halbhöhe über dem Stadtkessel von
       Stuttgart gelegen. Es ist sein erstes Interview mit der taz als
       Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Es soll weniger um eine Bilanz der
       ersten drei Monate gehen, als darum, was er vorhat und wie er das
       hinkriegen will. Schnell wird klar, was ihn neben der
       baden-württembergischen Wirtschaft und seiner Partei umtreibt: die AfD. Er
       will die Prüfung eines Verbotsverfahrens nutzen, um sie zu spalten. 
       
       taz: Herr Ministerpräsident Özdemir, Ihr Lieblingssatz ist offenbar, dass
       es Ihnen nicht in die Wiege gelegt war, [1][Ministerpräsident] zu werden. 
       
       Cem Özdemir: Es ist mir nicht in der Wiege gesungen worden, sage ich immer.
       
       taz: Ah, Entschuldigung. Was ist die Botschaft dieses Satzes?
       
       Özdemir: Dass ich heute hier sitze, habe ich vielen Zufällen zu verdanken
       und natürlich auch vielen Leuten, durch die ich viel Prägung mitgekriegt
       habe, die mir heute sehr hilft. Da waren viele beteiligt, und ich habe das
       nicht vergessen.
       
       taz: Es gibt ein wachsendes Misstrauen gegen liberale Bildungsbürger, die
       unter Elite subsummiert werden. Die Botschaft Ihres Wiegen-Satzes ist doch:
       Ich bin keiner von denen. 
       
       Özdemir: Nein. Die subkutane Botschaft ist, dass so ein Amt immer mit
       Verantwortung einhergeht. Mir geht es vergleichsweise gut, ich lebe ein
       relativ privilegiertes Leben. Das geht einher mit einer Verpflichtung,
       erstens nicht zu vergessen, wo man herkommt, und zweitens, sich um die zu
       kümmern, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.
       
       taz: Sie haben [2][im Landtag von Baden-Württemberg eine Rede gehalten], in
       der Sie sagten, die AfD müsse sich entscheiden: ob sie eine demokratische
       Partei am rechten Rand des Parteienspektrums sein wolle – oder eine
       völkische Vereinigung. Ist das ein Angebot an die Rechten? 
       
       Özdemir: Nein, ich bin einfach ein überzeugter Europäer. Ich glaube, die
       Zukunft Baden-Württembergs ohne und gegen Europa wäre Finsternis, wäre
       wirtschaftlicher Niedergang und katastrophal. Da bin ich Anhänger von
       Adenauer, Brandt, Schmidt, Kohl. Das ist der Weg, der Deutschland
       vorangebracht hat, der verlorenes Vertrauen in diese Bundesrepublik
       zurückgewonnen hat, der die deutsche Einigung erst ermöglicht hat. Ohne
       dieses Versprechen, dass wir europäisch ausgerichtet sind und nicht wieder
       Abzweigungen in Richtung Nationalismus und Isolationismus nehmen, hätte es
       die Einigung nicht gegeben. In der Tradition stehe ich.
       
       taz: Klingt als hätten Sie Ambitionen auf das Kanzleramt. 
       
       Özdemir: Also bitte, ich habe den schönsten Job, den dieses Land zu
       vergeben hat: Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Ich bin sehr
       glücklich damit und habe wahrlich genug zu tun. Ich kann schlicht mit einer
       deutschnationalen Haltung nichts anfangen. Gleichzeitig muss ich allerdings
       sehen, dass es ein signifikantes Spektrum unserer Bürgerschaft gibt, das
       das richtig findet. Eine Zeit lang war dieses Spektrum ganz rechts in der
       Union zu Hause, erinnern wir uns an die alte hessische CDU. Nun sucht
       dieses Spektrum nach der Ära Merkel erkennbar nach einer Heimat. Der Teil
       der AfD, der diese rechtskonservativen Positionen vertritt, spielt in der
       AfD kaum noch eine Rolle und wird [3][verdrängt durch den völkischen
       Flügel,] befeuert durch Identitäre wie [4][Sellner] und mit Höcke als
       Galionsfigur.
       
       taz: Ja und? 
       
       Özdemir: Eine deutschnationale Partei wäre durch unsere Verfassung
       abgedeckt. Da muss die AfD einfach eine Entscheidung treffen. Wenn sie den
       völkischen Weg geht, und das tut sie ja gerade, dann gibt es dafür einen
       Artikel in unserer Verfassung.
       
       taz: Artikel 21. Parteien, die in ihren Zielen oder durch das Verhalten
       ihrer Anhänger die freiheitliche demokratische Grundordnung angreifen oder
       den Bestand der Bundesrepublik gefährden, sind verfassungswidrig. 
       
       Özdemir: Ja. Der Artikel steht da nicht aus folkloristischen Gründen,
       sondern damit wir prüfen, ob er nicht angewendet werden muss.
       
       taz: Sie bleiben dran an dem [5][AfD-Verbotsverfahren], das als riskant
       gilt. Ein Scheitern wäre ein Triumpf der AfD. 
       
       Özdemir: Ich bin als Ministerpräsident Teil eines Verfassungsorgans, des
       Bundesrats. Ich kann doch nicht ignorieren, dass die AfD vor allem in
       Thüringen, aber auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt einen hart
       völkischen Weg eingeschlagen hat, mit dem sie um ein Verbot geradezu
       bettelt. Das ist aber bisher nicht in jedem Bundesland gleichermaßen der
       Fall.
       
       taz: Bei vielen Unions-Ministerpräsidenten, etwa Markus Söder, finden Sie
       derzeit keine Unterstützung. 
       
       Özdemir: Naja, es gibt ja unterschiedliche Aussagen. Manche in der
       CSU-Landtagsfraktion sagen, man muss es ernsthaft prüfen. Der bayerische
       Ministerpräsident hat es dann für sich anders entschieden. Das hat
       natürlich auch was mit der [6][Landtagswahl in Sachsen-Anhalt] zu tun und
       der ernstzunehmenden Sorge, dass es die AfD noch stärker machen würde. Ich
       glaube allerdings, dass diese Sorge in der gegenwärtigen Verfassung eher
       dazu führt, dass die AfD uns für schwach hält.
       
       taz: Zu Recht? 
       
       Özdemir: Ich wünschte, ich könnte energisch widersprechen. Wenn man über
       die AfD spricht, spricht man gleichzeitig über Putin und über Trump und
       weiß, was auf dem Spiel steht. Ich habe den Eindruck, dass wir, die wir an
       Demokratie und Rechtsstaat glauben, gerade nicht den allersortiertesten
       Eindruck machen. Ich mache mir sehr, sehr große Sorgen um die
       Bundesrepublik Deutschland und die Zukunft der liberalen Demokratie. Sie
       war noch nie so bedroht.
       
       taz: Was tun Sie dagegen? 
       
       Özdemir: Ich glaube, dass dieses Thema nur vorangebracht wird von Leuten,
       die jenseits der klassischen Parteipolitik milieu- und lagerübergreifend
       Menschen ansprechen.
       
       taz: Reden Sie von sich? 
       
       Özdemir: Die Gefahr, dass eine Spaltung der Gesellschaft noch mehr vertieft
       wird, ist ja auch existent. Man kann das nur vorantreiben, wenn man
       glaubwürdig ist, beispielweise beim Thema irreguläre Migration. Das ist
       meine Überzeugung.
       
       taz: Sind Sie so ein lagerübergreifender Politiker? 
       
       Özdemir: Das müssen andere beurteilen. Aber an mich habe ich den Anspruch,
       andere nach ihrer Haltung und ihrer Arbeit zu beurteilen und nicht, welchem
       Lager sie zugeordnet werden oder sich selbst zuordnen.
       
       taz: Muss man den Rechten Recht geben, um die Gesellschaft zusammen zu
       halten? 
       
       Özdemir: Natürlich nicht. Aber ein Beispiel: Man kann das Land nur offen
       halten auch für Migration, die wir ja weiter dringend benötigen, wenn man
       gleichzeitig deutlich macht, dass man nicht naiv unterwegs ist,
       beispielsweise im Umgang mit Islamismus. Man muss selbstkritisch sehen,
       dass die irreguläre Migration nicht gesteuert und reduziert wird. Dass sich
       Leute, die nach allen Gerichtsurteilen abgeschoben werden müssen, nach wie
       vor im Land aufhalten. Dass wir in der Sicherheitspolitik noch nicht das
       leisten, was die Menschen zu Recht an Schutz und Sicherheit erwarten.
       Übrigens nicht nur vor Islamisten, sondern natürlich auch vor Rechts- und
       Linksextremen. Ich finde immer interessant, dass es in Deutschland zwei
       Teams gibt.
       
       taz: Was denn für Teams? 
       
       Özdemir: Die einen sind im Team Antiislamismus und die anderen sind im Team
       Antirechtsextremismus. Ich bin in beiden Teams Mitglied. Ich bin im Team
       Grundgesetz. Mir ist das völlig egal, woher die Gefahr kommt: Jedem, der
       Probleme mit Gewalt lösen will, muss hart entgegengetreten werden. Dies
       gilt natürlich auch für den Linksextremismus.
       
       taz: Und Sie werfen Ihrer Partei vor, sie spielt immer noch lieber nur im
       Team Antifa? 
       
       Özdemir: Nein, aber ich erinnere mich dran, wie mein Vorgänger [7][beim
       Thema westlicher Balkan und sichere Herkunftsstaaten eine Entscheidung
       getroffen hat], durch die in Berlin damals manche in meiner Partei
       Schnappatmung bekommen hatten. Und wenn man es jetzt mal im Nachhinein
       betrachtet: Waren diese Reaktionen angemessen? Sie waren völlig
       unangemessen. Hatte Kretschmann recht? Er hatte sowas von recht.
       
       Diese Reaktionen sind die Haltung, die uns die Glaubwürdigkeit kaputt macht
       im Kampf gegen den Rechtsextremismus. Der Kampf gegen den Extremismus kann
       nur erfolgreich aus der Mitte der Gesellschaft geführt werden. Ich bin fest
       davon überzeugt, dass die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger den Kurs
       teilt, wie ich ihn gerade beschrieben habe.
       
       taz: Die Wahl haben Sie auch gewonnen mit solcher Distanzierung von den
       Bundes-Grünen. Ist das jetzt noch hilfreich ? 
       
       Özdemir: Wenn ich der Bundespartei Ratschläge gebe, muss ich auch
       anerkennen: Die Strukturen der Bundespartei sind jetzt [8][mit der
       Satzungsreform moderner als die der Landespartei]. Antragsverfahren auf
       Parteitagen, die Struktur im Vorstand. Die haben Generalsekretäre, wir
       nicht. Aber es gibt schon noch genug zu tun, auch in Berlin. Ich finde
       deren doppelte Doppelspitze nicht mehr zeitgemäß in einer Zeit, wo die
       mediale Zuspitzung immer enger und der Kuchen der Aufmerksamkeit kleiner
       wird.
       
       Man muss halt auch Führung zulassen. Und wenn ein Vorsitzender schlechte
       Arbeit abliefert, wird er halt abgesetzt. In Baden-Württemberg hat es ja
       deshalb gut funktioniert, weil die Partei mir die versprochene Beinfreiheit
       gewährt hat. Ich wusste aber auch, dass du deinen Laden auch mitnehmen
       musst und dir Zeit für die Partei nehmen musst. Das zahlt sich in einem
       Fall wie bei Boris Palmer aus …
       
       taz: Auf den [9][parteilosen Oberbürgermeister von Tübingen], Ihren
       ehrenamtlichen Rat für Staatsmodernisierung, wollten wir gerade kommen. 
       
       Özdemir: Um so eine Personalie durchzusetzen, müssen Sie Vertrauen
       aufbauen. Ich weiß auch, wie weit ich gehen kann. Und ich habe Wort
       gehalten: was die Zusammensetzung des Kabinetts angeht, was Kompetenzen
       angeht. Wir haben ein starkes sozialpolitisches Profil in
       Baden-Württemberg. Auch da habe ich in den Koalitionsgesprächen scharf
       verhandelt und Wort gehalten.
       
       taz: Kann man Palmer vertrauen ? 
       
       Özdemir: Ich kenn' ihn ja echt lange. Jetzt hilft er der Landesregierung
       beim Bürokratieabbau. Wir brauchen jemanden, der von außen einen
       schonungslos ehrlichen, harten Blick hat auf die Dinge.
       
       taz: Das wird nicht das Problem sein – eher seine Unberechenbarkeit und
       seine Aussagen aus der Vergangenheit. 
       
       Özdemir: Ich habe ihm klar gesagt: Es ist auch für dich eine Chance, dein
       Verhältnis zu den Grünen zu korrigieren. Ich würde mich sehr darüber
       freuen, wenn es passiert. Aber das habe ich nicht allein in der Hand.
       
       taz: Haben Sie Zahlen, inwiefern Palmer im Wahlkampf Leute aus der
       konservativen Mitte zu den Grünen gebracht hat? 
       
       Özdemir: Gehen Sie mal davon aus, dass ich meinen Wahlkampf schon sehr
       akribisch geplant habe, inklusive Palmers Einsatz, sonst würde ich heute
       nicht hier sitzen. In Ihrer Frage schwingt ja mit, die grüne Basis finde
       die Personalie falsch. Ich nehme aber für mich in Anspruch, dass ich auch
       Anwalt der Grünen-Basis bin. Diese Basis sind die Mitglieder und die
       Wähler. Bei beiden hat meine Politik und meine Entscheidung eine satte
       Mehrheit. Jene Funktionäre, die Palmer nicht wollen, sind in der
       Minderheit. Ich bin da ganz eindeutig Teil der Mehrheit. Die Grüne Jugend
       im Bund würde in unserer Wählerschaft wahrscheinlich die 5-Prozent-Hürde
       nicht überschreiten.
       
       taz: Kretschmann hat sich nie groß um die Landespartei gekümmert. Kommen
       jetzt andere Zeiten? 
       
       Özdemir: Ich möchte da eine stärkere Rolle spielen und mich einbringen.
       Schauen Sie sich das Wahlkampfergebnis an. Es scheint, als wollten die
       Leute eine grün-schwarze Regierung mit mir an der Spitze. Und so haben die
       Leute gewählt. Bei der Erststimme haben sie der CDU mehr Stimmen gegeben.
       Bei der Zweitstimme, die darüber entscheidet, wer Ministerpräsident wird,
       haben sie uns mehr Stimmen gegeben.
       
       taz: Was leiten Sie daraus ab? 
       
       Özdemir: Das heißt erstens Politik der Mitte. Nur so kommst du auf über 30
       Prozent. Es heißt zweitens, dass alles immer der Überlegung folgt: Wie
       zeigen wir hier in Baden-Württemberg, dass man auch anders regieren kann,
       ohne sich permanent zu streiten und dem anderen das Schwarze unter den
       Fingernägeln zu missgönnen? Und drittens: Dass wir weiter zeigen, dass Grün
       und Mitte kein Widerspruch ist. Viele wissen gar nicht, dass Winfried
       Kretschmann die Grünen gegründet hat. Viele wissen gar nicht, dass ich im
       November 1981 mit 15 Jahren in die Grünen eingetreten bin. Wir sind die
       echten Grünen. Winfried Kretschmann und ich sind das Zentrum der Grünen.
       
       taz: Einige Grüne könnten das einen Rechtsruck nennen. 
       
       Özdemir: Nein, ein Ruck in die Mitte der Gesellschaft. Dazu waren die
       Grünen immer fähig. In der Außenpolitik beispielsweise waren viele
       Pazifisten, heute sind wir in der Ukrainefrage weit besser aufgestellt als
       andere Parteien. Das war für die Partei ein langer Weg. Ich hatte schon
       Anfang der 90er Jahre, als der Völkermord in Bosnien stattfand, eine sehr
       klare Position. Wenn ein vielfältiger bosnischer Staat mit Juden, Christen
       und bosnischen Muslimen, die die modernsten Muslime der Welt waren, vom
       Faschismus und Nationalismus der Serben bedroht wird, dann können wir nicht
       sagen: Vertragt euch! Für mich war klar: Bei Völkermord musst du
       einschreiten. In Ihrer Zeitung gab es [10][ein legendäres Streitgespräch
       zwischen Daniel Cohn-Bendit und Joschka Fischer]. Fischer sagte, wegen des
       Nationalsozialismus dürfen wir nie wieder dahin, wo deutsche Soldaten
       waren. Cohn-Bendit sagte: Gerade wegen des Nationalsozialismus müssen wir
       bei Faschismus auf der anderen Seite stehen.
       
       taz: Es hat Jahre gedauert, bis Cohn-Bendit Fischer überzeugt hatte. 
       
       Özdemir: Ja. Ich nehme für mich in Anspruch, dass ich diese Position sehr
       früh bei den Grünen vertreten habe. Grundsätzlich gesprochen: In vielen
       entscheidenden Fragen waren wir eigentlich immer auf der richtigen Seite.
       Ob Artenschutz, Energieeffizienz, ob erneuerbare Energien oder eben bei der
       Frage nach militärischer Unterstützung. Das ist alles urgrün und eben nicht
       rechts, sondern die Mitte der Grünen.
       
       taz: Sie machen ja Wahlkampf in Sachsen-Anhalt und in
       Mecklenburg-Vorpommern. Da geht es nicht um Regierung, sondern um den
       Einzug ins Parlament. Mit welchem Argument werben Sie dort für die Grünen? 
       
       Özdemir: Wenn die Grünen über 5 Prozent kommen, wird es schwerer für die
       AfD, eine Alleinregierung hinzubekommen. Aber das ist nur ein
       Funktionsargument. Wichtig ist auch ein inhaltliches Argument: Die Grünen
       sind die einzige Partei, die in Sachsen-Anhalt und auch in
       Mecklenburg-Vorpommern diejenigen vertritt, die nicht nur an jetzt denken,
       sondern auch an künftige Generationen. Und das ist neben Klimaschutz immer
       auch die Artenvielfalt. Die Grünen sind die Einzigen, die an Naturschutz
       denken und das in alle Politikbereiche einweben. Das ist unverzichtbar. Für
       die anderen ist das immer eine zusätzliche Aufgabe, die man sich leisten
       kann, wenn es einem gut geht. Aber Klimaschutz und Artenvielfalt brauchen
       wir immer. Da kann man keine Pause machen. Ich halte die Grünen dort für
       unverzichtbar.
       
       taz: Jetzt klingen Sie doch wie ein klassischer Grüner. 
       
       Özdemir: Aber Hallo! Ich bin ein in der Wolle gefärbter Ökologe. Ich glaube
       nur, dass man mehr für Ökologie erreicht, wenn es sich materialisiert und
       wenn man nicht Sprüche klopft, die nie umgesetzt werden. Dazu bin ich
       einfach zu sehr Praktiker.
       
       17 Aug 2026
       
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