# taz.de -- Technik gegen Waldbrände: Mangelware Löschflugzeuge
> Die Waldbrandgefahr in Deutschland bleibt hoch. Was hilft im Kampf gegen
> das Feuer?
(IMG) Bild: Löschflugzeug vom Typ Canadair CL-415 im Einsatz im Juli in Frankreich
Die Deutschlandkarte des Deutschen Wetterdienstes, die den
[1][Waldbrandgefahrenindex] abbildet, ist für kommenden Freitag außer in
Schleswig-Holstein fast überall rot für „hohe Gefahr“ oder etwa im
Nationalpark Schwarzwald oder in Darmstadt tiefrot für „sehr hohe Gefahr“.
„Die Hitze, die Trockenheit, wie wir sie jetzt haben, kannten wir
flächendeckend in der Bundesrepublik bisher nicht“, sagt Raimund Engel,
Forstwirt und Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg. „Nicht
über so viele Tage, vor allem der Süden und Südwesten Deutschland sind
stark betroffen.“
In Brandenburg müssten Feuerwehren derzeit vor allem ausrücken, um Brände
auf Feldern zu löschen, in anderen Bundesländern brenne der Wald. Ist
Deutschland aber auf große Brände vorbereitet? Engel hat auch bundesweit
einen guten Überblick.
Etwa bei Löschflugzeugen. Woanders kommen gewaltige Maschinen wie die
Canadair CL-415 zum Einsatz, die rund 6.100 Liter abwerfen kann. „Nein,
Deutschland besitzt kein eigenes Löschflugzeug“, sagt der
Brandschutzbeauftragte. Als einzige Kommune verfüge der Landkreis Harz in
Sachsen-Anhalt über eines, genannt Hexe 1. Doch dieser Flieger, der pro
Flug bis zu 2.300 Liter Wasser mitnehmen kann, werde nur jedes Jahr von
April bis September von einem polnischen Unternehmen gepachtet.
In den Jahren 2023 und 2024 seien im niedersächsischen Braunschweig auch
noch zwei Löschflugzeuge einer Katastropheneinsatzgruppe der Europäischen
Union, der [2][rescEU-Flotte], stationiert gewesen. Doch 2024 seien die
Verträge auch wegen offener Finanzfragen ausgelaufen. Die Flugzeuge seien
auch nur selten in Deutschland zum Einsatz gekommen. Sie würden vor allem
gebraucht, wenn wie in diesem Sommer in [3][Frankreich], Spanien, Portugal,
der Türkei oder Griechenland das Feuer wütet.
## Land der kurzen Wege
„Die Zerstörung ist dort so extrem, die Feuer rücken nahe ran an Städte wie
Bordeaux oder Athen“, sagt Engel, „die Dimensionen sind einfach größer als
hierzulande.“ Und: „In Deutschland hat jede Gemeinde eine Feuerwehr. Durch
das [4][System der Ehrenamtlichen, die bei der Freiwilligen Feuerwehr
mitmachen], sind wir in 10, spätestens in 20 Minuten vor Ort.“ In anderen
Ländern brauche es oft viel länger, bis eine Feuerwehr an der Brandstelle
sei, nirgends seien sie so dicht verteilt wie in Deutschland. „Es geht bei
Feuer aber immer darum, schnell zu sein“, sagt Engel.
Löscharbeiten im bayerischen Gebirge seien zwar auch „anders
herausfordernd“ als zum Beispiel auf alten [5][Truppenübungsplätzen in
Brandenburg]. Erste Feuerwehren bekämen auch Fahrzeuge, die sich
fernsteuern ließen, um dort zu löschen, wo kein Mensch hinkommt. Meist
würden in Deutschland im Ernstfall Hubschrauber der Bundespolizei oder der
Bundeswehr angefordert. An die Hubschrauber würden große Löschwassersäcke,
sogenannte Bambi Buckets gehängt. Diese ließen sich in kleinere Wassertanks
am Boden absenken und dann wieder befüllen.
## Heli statt Flugzeug
Das sei, meint Engels, auch „viel sinnvoller“, als einen Brand mit dem
Flugzeug zu löschen. „Wo sollen diese Maschinen denn ihr Wasser herholen?“,
fragt er. „Suchen Sie mal einen [6][See oder Fluss, der noch genug Wasser
hat im Sommer]!“ Die ganz großen Löschflugzeuge tanken ihr Wasser im Flug,
sie fliegen dann tief, gleiten mit Rumpf oder Reifen über ein natürliches
Gewässer und schöpfen an ihrer Unterseite daraus in wenigen Sekunden
tausende Liter Wasser.
So eine Maschine könnte das Wasser aus der Ostsee holen? „Der Weg hin und
zurück würde meist zu lange dauern, der Brand liegt ja selten in der Nähe
der Küste, das Feuer würde sich währenddessen weiter durchfressen“, erklärt
Engel.
Könnten denn neue technische Entwicklungen helfen, Drohnen etwa? Diese
würden derzeit schon eingesetzt, um Brände früh zu erkennen, erklärt Engel,
„aber um ein Feuer zu löschen, reicht die Wassermenge, die sie tragen
können, nicht“.
10 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.dwd.de/DE/leistungen/waldbrandgef/waldbrandgef.html
(DIR) [2] https://civil-protection-humanitarian-aid.ec.europa.eu/what/civil-protection/resceu_en
(DIR) [3] /Waldbraende-in-Frankreich/!6201123
(DIR) [4] /Vor-den-Wahlen-in-Sachsen-Anhalt-und-MV/!6191163
(DIR) [5] /Klimakrise-in-Brandenburg/!6195883
(DIR) [6] /Folgen-der-Klimakrise/!6196185
## AUTOREN
(DIR) Hanna Gersmann
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